Advent-Glauben an das Kommende

In der Stadtmauer des alten Jerusalem gibt es das sogenannte „Goldene Tor“.  Das Judentum glaubt, dass hier einmal der Messias einziehen wird. Das Christentum ging lange davon aus, dass einst Jesus hier auf einem Esel als Messias in die Stadt Jerusalem eingeritten ist. Jetzt ist dieses „Goldene Tor“ schon Jahrhunderte lang zugemauert.

Die Erwartung des Messias, sein Kommen als „ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich.“ So jedenfalls singen wir es jetzt wieder im Advent in vielen Kirchen und Gottesdiensten: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Ein Lied, das von dem ostpreußischen, evangelischen Pfarrer Georg Weissel im 17. Jahrhundert gedichtet  und dann in Halle mit der uns heute so bekannten Melodie zum ersten Mal gesungen wurde.

Schauen wir aber nochmal nach Jerusalem auf  das „Goldene Tor“. Wohlhabende Gläubige aus dem Judentum haben sich auf dem Berghang davor teure Begräbnisplätze gekauft, um so bei der Ankunft des verheißenen Messias zuerst dabei sein zu können.
Diese so konkrete Erwartung, für die man auch so viel einsetzt, beeindruckt mich schon. Solcher Glaube erweist sich als ganz konkrete Erwartung. Und dann natürlich die konkrete Frage an mich, glaube ich überhaupt, dass dieser Messias – der für mich Jesus Christus ist – so konkret zu mir kommen kann? Und ich gebe zu, das bereits erwähnte Lied „Macht hoch die Tür“ gehört zu meinen Lieblingsliedern im Advent.

Und nochmal: Glaube ich, dass meines „Herzens Tür“ für ihn offen ist und dass dieser Heiland bei mir mit seiner Gnade einziehen kann? Diese Frage lässt mich gerade in diesem Advent 2017 nicht los.

Ein Advent, der so viel Beunruhigendes für mich und viele meiner Mitmenschen bietet: Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen für unsere Weihnachtsmärkte und vielfache Angst vor Terror, Gewalt und Tod. Eine Regierung, die nach Monaten seit Bundestagswahl immer noch nicht zu  Stande gekommen ist. Betriebe, die schließen – obwohl die Auftragsbücher voll  und die Umsätze in Milliardenhöhe gestiegen sind. Ein Klima, das sich immer mehr verändert und die Lebensgrundlage von vielen Menschen dadurch vielfach vernichtet wird. Das alles bewegt mich, wenn ich wieder singen werde: „so kommt der König auch zu euch, ja, Heil und Leben mit zugleich.“

Das nun kann ich angesichts der vielen Fragen und Ängste um mich herum und in mir nicht wissen, sondern nur glauben.

Aber das gehört ja wohl zum Advent: An etwas zu glauben, was noch nicht da ist – Sicherheit, Stabilität, Perspektive und Leben. Wer so leben kann, braucht auch keine Angst zu haben.

Einen gesegneten Advent!

Thomas Bohne
Pfarrer an der Katholischen Liebfrauengemeinde in Leipzig-Lindenau

Foto: Gemeindebrief_Müller