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Pfarrer Christian Wolff, Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Thomas
Lackmustest Asyl




Leipzig ist eine weltoffene, tolerante Stadt. Schon immer sorgte die Leipziger Messe für ein internationales Flair an der Pleiße. Auch an diesem Wochenende freuen wir uns, dass viele Menschen aus aller Welt zum Bachfest nach Leipzig strömen.

Doch was ist, wenn Menschen bei uns Asyl suchen? Sind die auch willkommen? Was, wenn deren unwürdige Gemeinschaftsunterkünfte, die immer auch Ghettocharakter haben, aufgelöst und die Familien auf verschiedene Stadtteile verteilt und in normalen Wohnhäusern untergebracht werden sollen? Was also, wenn wir durch Asylbewerber merken: Globalisierung bedeutet nicht nur, zu jeder Zeit Kiwi-Früchte essen zu können. Sie wird auch erfahrbar, wenn ca. 700 Menschen von weltweit mindestens 25 Millionen Flüchtlingen bei uns Zuflucht suchen, menschenwürdig untergebracht und möglichst im Wohnumfeld integriert werden sollen? Wie ist es dann um die Weltoffenheit Leipzigs bestellt? Und: Wie steht es um unsere Bereitschaft, Leben mit Fremden zu teilen?

Seit die Stadtverwaltung die dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern plant, herrscht Unruhe in den betroffenen Stadtteilen. Ängste vor dem Unbekannten und Fremdenfurcht wachsen – vor allem aus Unkenntnis. Die Bereitschaft, sich anderen Lebensweisen zu öffnen, ist immer noch sehr begrenzt. So haben wir zu lernen: Bei Asylbewerbern handelt es sich um Menschen, die das gleiche Lebensrecht haben wie wir. Ihr Bedürfnis nach Geborgenheit, Sicherheit, Anerkennung, nach Entwicklung ihrer Persönlichkeit ist genauso vorhanden wie bei uns selbst. Sie kommen zu uns, weil sie vor Verfolgung Schutz suchen. Allerdings bleibt ihr Leben – auch nach gelungener Flucht - in besonderer Weise gefährdet. Denn jede Form von Entwurzelung kann Persönlichkeiten zerstören. Darin liegt die eigentliche Aufgabe: diese Gefahr einzudämmen – vor allem dadurch, dass Asylbewerber sich möglichst schnell in ihrer neuen Umgebung angenommen fühlen.

Darum müssen wir uns das zumuten, was eigentlich zu den christlichen Selbstverständlichkeiten gehört: die Heiligkeit Gottes mit der Heiligkeit des menschlichen Lebens zu verbinden. Denn nach dem biblischen Glauben gilt der besondere Schutz den Fremden, Witwen und Waisen. Nun steht er also an – der Lackmustest in Sachen Weltoffenheit und Toleranz.