Besondere Beliebtheit und damit großer Nachfrage erfreuen sich auch Kindergärten und Schulen in konfessioneller Trägerschaft mit ihren eigenen pädagogischen Konzepten. Der Gesprächskreis einigte sich dann schnell darüber, dass die Kirchen auch eine klare Aufgabe in der Erhaltung von kunst- und kulturhistorischen Gütern und Gebäuden haben; dazu gehört auch die Pflege großartiger Kirchenmusik.
Kirchen sind zudem auch Orte, in denen man sich bei schweren privaten oder öffentlichen Katastrophen und Unglücke in Stille zurückziehen kann. Da hat man den Eindruck, dass die eigene Sprachlosigkeit doch einen Adressaten findet. Und manche Menschen, die keinen religiösen Bezug haben, bitten mitunter sogar um ein Gebet.
Dann wechselte die Thematik zu Erwartungen an die Kirchen über. Eine besteht in der Vermittlung und Bewahrung von Werten. Die Kirchen haben eine ethische Funktion. Wir alle wissen: In manchen Feldern der Moral leiden die Kirchen unter Vertrauensverlust. Doch nach wie vor traut man den Kirchen eine moralische Kompetenz zu, die natürlich besser argumentativ aufbereitet sein müsste. Doch das Christentum als Gesetzesreligion? Bei aller Unbestreitbarkeit dieser wichtigen Aufgaben und Erwartungen der Menschen ist das Christentum keine moralische Religion, die in Dogmen und in - das ist ein vielleicht vergessener, weil auch von den Menschen nicht wahrgenommener Dienst der Kirchen für das Gemeinwohl - ethischen Systemen verkrustet ist.
Sie ist eine mystische Religion. Der Mensch fragt nach einer Mitte, nach einer Verankerung und einem tragfähigen Fundament für sein Leben. Das Christentum kennt eine Antwort. Sie muss – ganz der Botschaft Jesu Christi folgend – ihren Gott als schöpfungsliebend und menschenfreundlich erschließen. Der Apostel Paulus formulierte es in seiner Ansprache an die Athener (etwa 49 n. Chr.) kurz und knapp: „…keinem von uns ist Gott fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind aus seinem Geschlecht.“ (Apg. 17, 27b.28) Das ist ein vielleicht vergessener, weil auch von den Menschen nicht wahrgenommener Dienst der Kirchen für das Gemeinwohl.