Auch dem versuche ich zu widersprechen, denn Jesus entlässt die Menschen häufig mit den Worten: Geh hin und sündige hinfort nicht mehr. Er traut den Menschen zu, sich zu ändern und damit einer neuen Welt den Weg zu bereiten. Natürlich ist der Weg steinig und manchmal kommen auch mir die Zweifel, wie zum Beispiel während meiner letzten Studienreise zu den kirchlichen Partnern nach Kuba. Als die Kubaner vom Transformationsprozess in ihrer Gesellschaft redeten, war ich doch sehr skeptisch mit Blick auf den Erfolg.
Die Transformationsprozesse in Osteuropa kamen mir in den Sinn und die katastrophalen Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Menschen, nach denen niemand fragt. Das Stadtbild von Havanna ist geprägt von teilweise frühkapitalistischen Aktivitäten, denn seit private Händler zugelassen sind, verkauft so ziemlich jeder, was zu verkaufen geht. Es hat erste Entlassungen aus dem Staatsdienst gegeben. Arbeitslosenunterstützung gibt es nicht. Noch sind die Schulbildung und die ärztliche Versorgung allerdings frei und garantiert.
Während ich versuche, mich mit dem Transformationsgedanken in Kuba zögerlich anzufreunden, sind meine kubanischen Freunde im Zentrum Martin Luther King jr. enthusiastisch dabei, sich an dem längst fälligen Demokratieprozess zu beteiligen. Offen wird über verschiedene Eigentumsformen debattiert und das Für und Wider von privaten oder genossenschaftlichen Unternehmen erörtert. Bei Seminaren werden Konzepte entwickelt, die den Menschen helfen sollen, eigenverantwortlich mit Blick auf das Wohl der Gemeinschaft zu handeln. Ganz im Sinne von Schöne, der am Ende des Liedes schreibt: `Was ich so gern glauben will, allein wird’s nicht geschehen, muss ja selbst die Hände rührn, eigne Schritte gehen.`