Bohrende Fragen

Blaulicht, quietschende Reifen, entsicherte Waffen, kaltblütige Augen, Schüsse. Gewalt, Mord und Totschlag dazu die Jagd auf die Täter, und das alles in atemberaubender Folge geschnitten. So wird uns gerade das Fernseh-Programm für die Osterfeiertage angekündigt. Bemerkenswert.

Für mich und viele Christen in der Stadt wird es in den nächsten Tagen genau darum gehen: Um Liebe, Leid und Tod, Justizmord und Verrat. Nicht in schnellen Schnitten, sondern in bedächtigen Schritten, im Hören auf die alten Texte der Bibel und in Gebet und Meditation bei Gesang und Instrumentalmusik und manchmal sogar in dramatischer Stille in großer Gemeinde. Vor allem die katholische Gottesdienstfeier in den heiligen drei Tagen von Karfreitag bis Ostern zieht alle Register.

Wir gedenken der Ereignisse vor etwa 2000 Jahren, als Jesus nach Jerusalem zog und sehenden Auges seinem Untergang entgegenging. Interessierte Kreise, Verantwortungsträger wollen seinen Tod. Sie haben ihre Gründe.
Für ihn endet es zunächst tödlich, und zwar auf die schändlichste Weise, die man sich damals vorstellen konnte: In einer Hinrichtung am Kreuz.
Über allem stehen Fragen: Warum macht er das? Wie kann Gott das zulassen? Darüber stehen aber auch Fragen wie: Was habe ich damit zu tun? Was hat Jesus für mich getan? Was habe ich getan – oder auch unterlassen?

Die Geschichte, die in den christlichen Gottesdiensten erzählt wird, endet nicht damit, dass der lange Arm des Gesetzes einen Täter überführt, verhaftet und seiner gerechten Strafe zuführt. Sie zielt auf die Botschaft von unendlicher, vorbehaltloser Liebe. Von der Liebe Gottes zu uns. Das meint kein billiges Happy End. Dafür ist die Sache zu ernst.

Am Anfang dieser Tage steht ein starkes Zeichen. Als Jesus in Jerusalem einzieht, tut er das mit einem ungeheuerlichen Anspruch: Ich bin der Messias. Er reitet auf einem Esel in Jersusalem ein, wie es vom Messias vorhergesagt wurde, nicht etwa auf einem Pferd, wie es Militärs tun würden. Und das meint: Ich bringe Frieden und nicht Tod. Darum geht es im Gottesdienst am Palmsonntag.

Auf uns warten spannende Tage mit bohrenden Fragen, die auf mein Innerstes zielen.
Es lohnt sich, vom Fernseh-Sessel in die Kirchenbank zu wechseln.

Stephan Radig, Online-Redakteur St. Benno Verlag

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