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Zeichnung nach einem Motiv des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald, Elisabeth Wolf, 1986

Ist jemand in Christus,
so ist er eine neue Kreatur;
das Alte ist vergangen,
siehe, es ist alles neu geworden!

2. Kor. 5, 17


Auf der Suche nach einem Bibelwort für diese Andacht schaute ich unter den Wochen- und Monatssprüchen für April und Mai. Mit Auferstehung sollte es zu tun haben und mit Freude! Dieser Vers, der Spruch des Sonntags Jubilate und aus dem­selben Paulusbrief wie die Jahreslosung, sprach mich besonders an. Ich las mit wachsendem Interesse im 2. Korintherbrief und ich verstand, obwohl ich mich bisher eher schwer getan hatte mit Paulustexten.
Ich will versuchen, hier einen Teil seiner Botschaft mit eigenen Worten und nach meinem Verständnis wiederzugeben. Hierzu ist es gut, wenn Sie, lieber Leser, liebe Leserin die Bibel aufschlagen, da ich häufig auf weitere Verse Bezug nehme. Ansonsten kann ich Ihnen nur empfehlen, den 2. Korintherbrief ganz zu lesen, sich hineinzudenken und hineinzufühlen. Es lohnt sich!

Ist jemand in Christus – „In Christus sein“ heißt in Gott sein. Christus als lebendiger Gott auf Erden hat uns vermittelt, wie Gott ist: ein Liebender, ein Vergebender, ein Heilender, ein Mitfühlender. Er hilft, er richtet auf, er sieht und hört und lehrt uns sehen und hören.
„In Christus sein“ heißt nicht wie Christus sein. Das wäre ein Anspruch, den wir nie erfüllen könnten und der uns letztlich immer in ein Gefühl der Unzulänglichkeit führt.
„In Christus sein“ heißt, mit ihm Teilhaber zu sein an Gottes Liebe, ein Teil des göttlichen Plans, ein Mitglied der Gottesfamilie, Töchter und Söhne Gottes - wie er. Es heißt, mit ihm im Licht zu stehen und nicht länger getrennt zu sein von Gott.

So ist er eine neue Kreatur – „Neu“ im Sinne von: Im Licht Gottes erfahren wir uns neu:
nicht mehr gebeugt, sondern aufgerichtet;
nicht mehr leidend, sondern getröstet;
nicht im Mangel, sondern in der Fülle;
nicht krank, sondern heil;
nicht mehr tot, sondern lebendig.
Wir erfahren uns nicht mehr lediglich als Geschöpfe Gottes, von ihm getrennt und ihm untertan, sondern als Kinder und somit als Teile Gottes, untrennbar mit ihm verbunden.

Das Alte ist vergangen – Christus ist in die Welt gekommen, um uns dies zu verkünden (Matth. 5, 38 ff.). Paulus macht es im 3. Kapitel in den Versen 6 ff. nochmal sehr deutlich. Sein ganzer Brief spricht davon: Ihr dürft aufgerichtet durchs Leben gehen. Seid dankbar und froh, denn Gott ist ein Liebender. Bleibt in dieser Liebe, und euch kann nichts geschehen, was euch auch geschieht: Ihr seid verbunden mit Gottes Kraft (Jahreslosung, Kap. 12, 9).

Siehe, es ist alles neu geworden – Alles! Ich, du, wir (mit denen ich mich verbunden fühle), sie (die Andersartigen, die Fremden), die ganze Schöpfung. Mit neuen Augen sehen heißt: mit Gottes Augen sehen (Kap. 5, 16). So kann ich die Anderen sehen, wie sie wirklich sind und als das, was sie wirklich sind, nämlich Kinder Gottes, wie ich selbst, so fremd und unverständlich sie mir auch manchmal scheinen mögen. Bei Gott ist alles möglich!

Wir sind Botschafter an Christi Statt (Kap. 5, 20) - Der 2. Korintherbrief spricht immer wieder davon (Kap. 1, 4; Kap. 3, 5; Kap. 4, 6), dass wir weitergeben können (dürfen, sollen, aber eben auch können – dazu hat uns Christus befreit (Kap. 3, 17) und berufen), was wir von Gott empfangen haben und sind. Es kommt darauf an, dass wir bereit sind dazu, dass wir uns durchlässig machen und halten, damit Gott durch uns wirken kann. Dazu gehört, dass wir auch dunkle Zeiten annehmen (Kap. 1, 6 f.) und auf Gottes Wege mit uns volles Vertrauen setzen (Kap. 1, 9). Darin werden und sind wir Nachfolger Christi.

Ich wünsche allen ein gesegnetes Osterfest!

Ihre Kantorin Elisabeth Wolf

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