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Liebe Leserinnen und Leser, ... „... und, wie geht’s?“ Wie oft sind Sie schon so gefragt worden? Und wie oft hatten Sie den Eindruck, Ihr Gegenüber wolle das wirklich wissen? Wie oft haben Sie anderen diese Frage gestellt? Wie oft waren Sie an einer ausführlichen Antwort interessiert, und wie oft ganz froh, ein unverfängliches „Danke, ganz gut!“ zu hören? Es ist eine im Grunde gute Frage. Dass sie zur Verlegenheitsfloskel verkommen ist, ist schade, aber auch zu verstehen. Denn wer vermöchte es auszuhalten, legte einem jeder Befragte sein augenblickliches Befinden oder gar seine Lebensgeschichte offen. Zu schwer wiegen die Dinge, die uns belasten, uns manchmal die Luft zum Atmen nehmen, die uns in lähmende Ohnmacht stoßen oder Rachefantasien wecken. Eine ähnlich oft gebrauchte Floskel ist der gut gemeinte Wunsch: „..vor allem Gesundheit!“ Kaum eine Auflistung von Wünschen, ganz gleich zu welchem Anlass, in der diese Sequenz fehlt. Es ist ein im Grunde guter Wunsch. Zeugt er doch von dem großen Wert, den wir unserer Gesundheit beimessen. Dabei ist Gesundheit etwas viel Umfassenderes, als die augenblickliche Abwesenheit körperlicher Beschwerden. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation wage ich zu behaupten: Wir sind alle krank. Denn nach der WHO ist „Gesundheit ein Zustand vollständigen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens, und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen.“ Ein schönes Ideal. Im 3. Johannesbrief ist das etwas schlichter formuliert: „Mein Lieber, ich wünsche, dass es dir in allen Dingen gut gehe und du gesund seist, so wie es deiner Seele gut geht.“ Dass es der Seele gut geht, das ist dem Schreiber wichtig. Wie recht er hat! Die Seele, dieses unsichtbare, aber höchst gegenwärtige Ding, hat großen Anteil daran, wie es uns geht. Es gibt Menschen, die trotz körperlicher Beschwerden oder Einschränkungen sagen, es gehe ihnen gut. Es gibt andere, die sehen aus wie das „blühende Leben“, aber innerlich tut ihnen alles weh. Da ist sie wieder, die Seele. Sie braucht Fürsorge. So wie der Körper auch. Es ist wichtig, dass es jemanden gibt, dem ich meine Seele ausschütten kann. Das geht nicht im small-talk. Ich muss spüren, dass die Frage: „Wie geht es dir?“ von Herzen kommt, nicht Neugier, sondern aufrichtigem Interesse, wirklicher Anteilnahme entspringt. Allein die Frage tut gut. Auch kann ich meine Seele nicht vor jemandem ausschütten, wenn ich spüre, der hört zwar artig zu, aber er hört nicht, was ich sage. Ein Gegenüber, das mir das untrügliche Gefühl vermittelt, ich sei ihm wichtig mit allem, was mich umtreibt; das mir mit einem Blick, einer Geste, einem leisen Wort versichert: Ich bin dir nahe; das in der Lage ist, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der ich mich angstfrei öffnen kann, ein solches Gegenüber ist ein Geschenk Gottes! Gott will, dass es uns gut geht, dass wir im umfassendsten Sinne gesund sind. Deshalb schickt er uns Menschen, die uns ein solches Gegenüber sind. Nicht ausgeschlossen, dass die manchmal gar nicht für möglich halten, was sie an Gutem bewirken. Aber ihnen ist es zu danken, dass jene, die es schwer haben, nicht untergehen, sondern im Leben am Leben bleiben. Nur deshalb können sie ihrerseits für andere da sein. Dank dieser „Engel“ kann, selbst wer sich in der Gottesferne sehen mag, (wieder) zu dem werden, von dem der Prediger sagt: „Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei allen seinen Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“ – Wer immer einen solchen „Engel“ nötig hat, dem wünsche ich von Herzen die Begegnung mit einem. Es gibt sie. Glauben Sie es mir. Ich weiß es. In herzlicher Verbundenheit
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