Der Heilige Blasius und der Segen

Blasius-Segen, das ist quasi die Parole in der Katholischen Kirche für den heutigen 3. Februar –Gedenktag des Heiligen Blasius; ein Märtyrer-Bischof aus Armenien, der etwa 316 grausam bei einer Christenverfolgung ums Leben kam. Und er soll noch im Gefängnis – so die Legende – ein Kind vor dem Erstickungstod,  verursacht durch eine Fischgräte, gerettet haben. Daher  ist es in nahezu allen Gottesdiensten an diesem Wochenende (3./4. Februar)  üblich, diesen Blasius-Segen in den katholischen Kirchen zu spenden.

Bei der Spendung des Blasius-Segens hält der Geistliche den Gläubigen zwei gekreuzte brennende Kerzen vor den Hals und spricht: Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor allen Halskrankheiten und allem Bösen. Es segne dich Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Die Gläubigen antworten dann mit AMEN und machen ein Kreuzzeichen.

Das klingt nach Magie und Zauberei: Mit einem Segensspruch Halskrankheiten zu bekämpfen, ja sogar vor allem Bösen zu bewahren. Das widerspricht einem aufgeklärten und wissenschaftlich gebildeten Europäer des 21. Jahrhunderts.

Und trotzdem: fast die ganze Gemeinde wartet nach dem Gottesdienst auf diesen Segen. Akademiker, Arbeiter, Hausfrauen, Senioren, Jugendliche und Kinder nehmen längere Wartezeiten in Kauf, um diesen Segen zu empfangen.

Als Jugendlicher habe ich damals gerade über diesen Segen gelacht, gehörte auch einige Jahre nicht zu denen, die sich da angestellt haben.

Doch jetzt sehe ich das anders. Nicht, weil es nun zu meinen Aufgaben als Pfarrer gehört, ich dafür auch bezahlt werde.

Dieser Blasius-Segen gegen Halskrankheiten und alles Böse ist für mich inzwischen ein Angebot einer besonderen Erfahrung – ich sage mal: Einer besonderen Gotteserfahrung.

Auch, wenn mein Menschenverstand mir sagt, dass das keine Garantie gegen Halserkrankungen und auch kein „Schutzpanzer“ gegen all das Böse ist. Und selbst, wenn ich trotz Segen erkranke oder in dunkle Situationen gerate, kann ich durch diesen Segen vielleicht alles besser bestehen und aushalten – wer weiß.

Garantien gibt es ja nie, auch nicht bei Tabletten und Arzneien.

Und wenn ich heute und morgen diesen Segen in meiner Gemeinde spenden werde, wird mir sicherlich wieder eins bewusst werden: Ich darf in dieser Zeit und Welt auf mehr hoffen, als auf Heilung durch Halstabletten aus der Apotheke oder eine Grippeschutzimpfung beim Arzt.

Pfarrer Thomas Bohne,
Katholische Liebfrauengemeinde in Leipzig-Lindenau

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