Der Teufel hat den Beat gestohlen

„The Devil stole the beat“. So beklagten sich Generationen afroamerikanischer Gospelmusiker, als ‚weltliche‘ Musikrichtungen – vom Rock ´n´ Roll bis zum Techno –  charakteristische Elemente aus dem Gospel übernahmen. Dieser Satz sagt mehr als deutlich, was die Musik der ‚schwarzen Kirchen‘ Amerikas ausmacht: Kraft, Energie, Leidenschaft und Tanzbarkeit.

Ich singe in einem Gospelchor. Wir nennen uns nach einem berühmten Gospelsong die Little Lights of L.E., die kleinen Lichter von Leipzig. Viele in unserem Chor singen hier, weil die Rhythmen mitreißend sind, die Lieder beschwingt. Es macht Spaß, sie gemeinsam einzuüben und in Gottesdiensten und Konzerten begeisternd herüberzubringen.

Für viele von uns sind auch die Texte wichtig. Sie tragen einen tiefen, unerschütterlichen Glauben mit sich, der nach reichlich Lebenserfahrung klingt: Gott kann rettend in mein Leben eingreifen. Gott gibt die Hoffnung, auch schwere Zeiten durchzustehen. Es gibt eine Perspektive über dieses Leben hinaus.

Besonders in unserem Weihnachtsprogramm kommt die Freude dazu. Die Freude, dass Gott nicht der ferne Gott geblieben ist. In Jesus, in dem was er wollte, was er getan hat und was mit ihm geschehen ist, hat er sehr deutlich gezeigt, wie wir uns Gott vorstellen sollen. Dass Jesus unter eher prekären Umständen geboren wurde, hat viele farbige Amerikaner sicher an ihre eigenen Lebensumstände erinnert.

So stammt eines meiner Lieblingsstücke von Kirk Franklin: ‚No Christmas without you‘ – ohne dich, Jesus, gäb‘s kein Weihnachten. Franklin selbst war nach der Geburt von seiner Mutter verlassen worden. Die Großtante, bei der er aufwuchs, sammelte Getränkedosen, um die Klavierstunden des vierjährigen Kirk zu bezahlen. Mit elf leitete der musikalisch Hochbegabte den Kirchenchor seiner Gemeinde. Heute gehört er zu den erfolgreichsten Gospelmusikern mit zwölf Grammy Awards.

Wenn Sie mögen, lassen Sie sich anstecken, heute und morgen, jeweils 17 Uhr in der Mockauer Kirche. Nur zeitig müssen Sie sein, wenn Sie einen Platz bekommen wollen, Energie und Zuversicht dieser Musik haben sich herumgesprochen.

Johannes Markert, Pfarrer zur Erteilung von Religionsunterricht im Kirchenbezirk Leipzig

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