Drei Könige

Der kleine König war ganz aufgeregt.

Eine halbe Ewigkeit war es her, dass sein Freund, der große König, in alten Schriften einen Hinweis gefunden hatte, dem sie unbedingt nachgehen wollten: Wenn sich ein großer Stern am Himmel zeigt, dann ist ein neuer König geboren, einer der Recht spricht und Gerechtigkeit schafft, einer der Liebe lebt und Barmherzigkeit nicht nur predigt.
Woche um Woche, Monat um Monat hatten sie den Sternenhimmel mit ihrem Fernglas abgesucht und mit jeder Suche war die Sehnsucht gewachsen. Nun war es soweit: Der große Stern war sichtbar geworden. Hell und leuchtend stand er am Himmel als wollte er sagen: Kommt, macht euch auf.

So zogen sie los. Der große König, der kleine König und der alte König.

Die zurück blieben wunderten sich. Einige meinten, die drei seien nun völlig übergeschnappt, einfach so aufs Geradewohl loszuziehen, nur weil ein Stern am Himmel leuchtet.
Andere dachten still bei sich: Wie gern würde ich mitgehen.

Die drei stiegen über hohe Berge, durchschritten tiefe Täler, zogen durch heiße Wüsten und trockene Steppen. Manchmal stand der Stern hell und deutlich am Himmel. Dann waren die Schritte leicht und sie kamen gut voran. Aber an manchen Tagen war der Stern fast nicht zu sehen. Dann suchten sie bis die Augen schmerzten. Die Beine waren schwer und die Füße fanden kaum ihren Weg.

Längst war der Proviant aufgebraucht und die Aufregung des kleinen Königs war großer Müdigkeit gewichen. Fast wollte er schon vorschlagen, doch wieder umzukehren, denn er hatte den Eindruck, dem Stern kein Stück näher gekommen zu sein, als der alte König ein staunendes „Ah“ hören ließ. Er streckte den Arm aus und deutete nach vorn, dorthin wo ein helles Leuchten zu sehen war.

Eine Stunde später fanden sie, was sie so lange gesucht, erhofft, ersehnt hatten: Den neuen König, der Recht spricht und Gerechtigkeit schafft, der Liebe lebt und Barmherzigkeit nicht nur predigt. Der König war ein Kind.

Liebe Leserinnen und Leser, am 6. Januar erinnern die christlichen Kirchen an die Weisen aus dem Morgenland. Das Matthäusevangelium erzählt, dass Sterndeuter aus dem Morgenland einem Stern gefolgt waren, um den Heiland, das Gotteskind anzubeten.

Die drei stehen stellvertretend für Menschen, die ihrer Hoffnung Füße geben.

Pfarrerin Christiane Dohrn, Kirchgemeinde St. Petri

Foto: Wodicka