Du bist gefragt!

50 Jugendliche werden an diesem Sonntag in der Thomaskirche konfirmiert. Zwei Jahre haben sie sich wöchentlich getroffen und miteinander diskutiert, worauf wir uns verlassen und woran wir uns orientieren wollen. Ein Vers aus dem Römerbrief führt in diesem Jahr die Rangliste der Konfirmationssprüche an: „Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“. Es ist kein Wunder, dass dieses Thema gerade diesen Konfirmandenjahrgang seit 2015 beschäftigt hat. Nachweislich hat sich mit dem Aufkommen von Pegida/Legida die Bereitschaft zur Gewalt in Wort und Tat verschärft und wo man sich früher zurückzuhalten wusste, wird nun auch unter Klarnamen im Netz gehetzt und beleidigt, was das Zeug hält. Nicht wenige fühlten sich dadurch ermutigt und berechtigt, dem auch Taten folgen zu lassen. Die Jugendlichen hat diese Entwicklung sehr beschäftigt. Müssen wir das einfach nur so hinnehmen, oder müssen wir uns nicht vielmehr sagen: Du bist gefragt! Es ist eine wichtige Einsicht des christlichen Glaubens, dass den in unserer Welt wütenden todbringenden Mächten wie Hass und Gewalt schon ihr Ende angesagt ist. Dieses Ende beginnt bereits dort, wo wir uns an die Regeln halten, die es uns immer wieder ermöglichen, neu zu beginnen.

Vor allem auf zwei einfache jesuanische Ratschläge sind wir immer wieder gekommen: „Behandle den anderen so, wie Du selbst von ihm behandelt werden willst.“ und „Liebe Gott und Deinen Nächsten wie Dich selbst“. Mit diesen Grundsätzen lässt sich das Böse bereits empfindlich treffen, denn es wird von Anfang an in seine Schranken gewiesen. Im noch weiter führenden Gebot der Feindesliebe haben wir den höchsten Anspruch gesehen, dem man kaum entsprechen kann. Aber dieses Gebot ist nötig, weil es uns letztlich davon abhält, auf den anderen loszugehen.

Wie wir das Böse letztlich mit Guten überwinden – da setzt Jesus auf die uns geschenkte Kreativität und Phantasie. Zwei Meilen mitgehen, wenn einer einen zwingt, eine mitzugehen – und dem, der einem den Rock nimmt, auch den Mantel anbieten: Jedenfalls kein plumpes „Gleiches mit Gleichem“ vergelten, denn das wird das Böse in der Regel stabilisieren und nicht überwinden.

Bei der Konfirmation geht es darum, zu bekennen, dass man an dieser Stelle gefragt ist – und mit Gottes Hilfe und den uns geschenkten Gaben Antworten finden kann.

Britta Taddiken, Pfarrerin an der Thomaskirche

 

 

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