Ewiges Leben – wie geht denn das?

Totensonntag steht jetzt im Kalender, oder auch „Ewigkeitssonntag“. Das klingt nicht ganz so november-deprimierend wie Totensonntag – aber wonach klingt es denn? Thema in den Kirchen ist das Nachdenken darüber, dass das Leben irgendwann endet – jedenfalls das irdische Leben. Trost für Trauernde, Erinnerung an Verstorbene, das gehört zum Sonntagsgottesdienst: am Ewigkeitssonntag werden traditionell die Namen der Menschen aus der Gemeinde verlesen, die im vergangenen Jahr gestorben sind. Doch der Ewigkeitssonntag ist mehr als ein Trauertag: Es geht auch um die Frage: Was bleibt von meinem Leben?

Christen glauben, dass der Tod nicht das Ende von allem ist – sie hoffen auf ein ewiges Leben mit Gott. Wie soll das wohl sein? Wohl kaum wie in irgendwelchen Cartoons: als Halleluja-singendes Engelchen auf einer Wolke. Und auch nicht von gehörnten Teufelchen gegrillt. Überhaupt: mit menschlichen Maßstäben ist es nicht zu beschreiben.
Die Bibel beschreibt Gottes Reich, das „Ewige Leben“, auf viele Arten: Wie ein großes Fest für alle, ohne Spielverderber und ohne Kater am nächsten Morgen. Wie ein kostbarer Schatz, für den es sich lohnt, alles andere hinter sich zu lassen. Ein Ort soll es sein, wo Frieden und Gerechtigkeit sich küssen, wo keiner einem anderen schadet, wo Arm oder Reich nicht zählen.
Das klingt wie ein Traum in weiter Ferne. Aber viele Christen setzen sich dafür ein, hier und jetzt. Denn auch davon erzählt die Bibel: Irgendwann kommt der Moment, wo die Rechenschaft vor Gott fällig wird. Darauf gilt es vorbereitet zu sein – denn dann kann ich nichts mehr ändern an dem, was ich aus dem Leben gemacht habe, das Gott mir geschenkt hat, was ich für andere getan habe oder nicht – also: Ob von meinem Leben etwas bleibt, das Bestand hat.

Ewiges Leben, das ist also eine Zusage und eine Aufforderung: Auch wenn jeder Mensch einmal stirbt, ist es nicht egal, dass es ihn einmal gegeben hat, ob viele oder wenige Jahre. Und jeder soll so leben, dass auch alle anderen nicht egal sind: Das zu früh geborene Baby, der Obdachlose am Kaufhauseingang, die geflüchtete Familie, die Oma im Pflegeheim – im Leben und im Tod, jetzt und in alle Ewigkeit.

Friederike Ursprung, evangelische Kirchenredakteurin Radio PSR

Foto: Okapia