Gedanken zum Erntedank – „Mein Kumpel geht containern“

Mal sind es die Weintrauben, die man im Kühlschrank vergessen hat, mal ein Stück trockenes Brot oder der Rest Kartoffelauflauf vom Wochenende. Statistisch gesehen landet jedes achte Lebensmittel im Müll.

Bundesweit schmeißen wir pro Jahr und Kopf 82 Kilogramm Lebensmittel einfach weg. Auf alle Bundesbürger hochgerechnet ergibt das einen beachtlichen Müllberg von fast 7 Millionen Tonnen im Jahr. Unvorstellbar, oder?

Ich habe einen Bekannten, der der Lebensmittelverschwendung schon vor Jahren den Kampf angesagt hat. Er geht containern. Das bedeutet, er ernährt sich von dem, was die Supermärkte Tag für Tag wegwerfen. Und wir reden hier nicht von verschimmeltem Obst und hartem Brot. Sondern von Joghurt kurz vor dem Verfallsdatum, dem Beutel Äpfel, bei dem einer oder zwei eine kleine Delle haben oder eine Packung Eier, in der eines von zehn Eiern angeschlagen ist. Also Dinge, die tatsächlich noch verwertbar sind.

Man gewinne Übung darin, Lebensmitteln anzusehen, ob sie noch in Ordnung seien und man könne sich irgendwann auch voll und ganz auf seinen Geruchssinn verlassen, sagt mein Bekannter.

Aus finanziellen Gründen containert er nicht. Es ist vielmehr eine Form von Protest, um dem Wahnsinn der Lebensmittelproduktion den Kampf anzusagen.

Gerade im Hinblick auf die bevorstehenden Erntedankgottesdienste sollten wir uns bewusst machen, welche Fülle und welchen Reichtum wir jeden Tag von Gott erhalten; besonders jetzt zur Erntezeit. Im Buch Jesaja stehen die Worte geschrieben: „Und der Herr wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“ Gott sorgt also immer für uns. Ob wir nun unsere Lebensmittel im Supermarkt kaufen, zur Tafel gehen oder containern. Wichtig dabei ist die Wertschätzung; dass wir Gottes Schöpfung achten.

Denn wenn man sich zwei Stunden vor Ladenschluss die vollen Regale beim Bäcker und in den Supermärkten anguckt, da kommt man dann schon ins Grübeln, wer das dann noch alles kaufen soll. Kein Wunder, dass dann soviel davon wiederum in der Tonne des Supermarktes landet.

Maxi Konang, evangelische Kirchenredakteurin bei HITRADIO RTL und Radio Leipzig

 

Foto: Okapia