Jeder ist seines Glückes Schmied

ist ein tiefsitzender Glaubenssatz unserer gutbürgerlichen, leistungsorientierten Gesellschaft. Den meisten Menschen geläufig, wird er  im Wertesystem von Generation zu Generation    weitergegeben. Wer sich  anstrengt, wird  Erfolg haben und kann sein Leben entscheidend beeinflussen.

Was als positive Ermutigung und Aufmunterung gedacht ist, kann andrerseits als Schuldzuweisung gebraucht werden. Dann, wenn etwas nicht gelingt, wenn etwas schief geht, wird schnell ein Urteil gefällt: Selbst schuld – der Fehler liegt bei dir.

Gravierende Einschnitte, wie schwere Krankheiten oder Unfälle sind gesellschaftlich weithin akzeptiert. Menschliches Leben und Glück ist verletzlich und zerbrechlich.

Anders  sieht das bei dem Thema Arbeitslosigkeit oder Armut aus. Wer in einem reichen Land, wie dem unseren arm ist, hat etwas falsch gemacht oder ist faul.

Allerdings ist in Zeiten wachsender Wirtschaft und abnehmender Arbeitslosigkeit in Deutschland, die Armut nicht in gleichem Maße gesunken, sondern hat sich verfestigt. Der im April veröffentlichte Armuts- und Reichtums-Bericht der Bundesregierung macht dies deutlich. Auch in unserer Stadt sind viele Familien und Einzelne trotz Arbeit arm! Niedrige Löhne, niedrige Renten, steigende Mieten sind Armutsursachen. Insbesondere Kinder, die in einkommensschwachen Familien aufwachsen, haben deutlich schlechtere Perspektiven. Ein Kind kann es sich nicht aussuchen, in welcher Familie es geboren wird, ob es in Wohlstand oder schwierigen materiellen und sozialen Verhältnissen aufwachsen wird. Persönliche Umstände und strukturelle Gegebenheiten greifen ineinander und die Möglichkeit am eigenen Glück zu schmieden, ist begrenzt. Die wichtigsten Grundlagen, unseres  Lebens, sind unbeeinflussbar: Nationalität, Familie, körperliche und geistige Gesundheit. Auch die sogenannten „Starken“ in der Gesellschaft leben von Voraussetzungen, die sie nicht selbst erarbeitet haben.

Für die gesellschaftliche Stabilität ist es enorm wichtig, der um sich greifenden Spaltung zwischen Wohlstand und Armut, Bildung und Bildungsarmut entgegenzuwirken. Neben dringenden politischen Weichenstellungen, ist dies eine Aufgabe für uns alle in der Nachbarschaft, in der sozialen Arbeit und in unseren Kirchgemeinden.

Denn: „Nicht die Starken benötigen den Arzt, sondern die Kranken.“ (Markusevangelium 2, 17)

Am 8. Mai gestaltet die KEL 17 Uhr das Friedensgebet in der Nikolaikirche zum Thema soziale Gerechtigkeit und Solidarität in der Gesellschaft.

Dorothea Klein, stellv. Geschäftsführerin der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative Leipzig (KEL)

 

 

Foto: KEL