„Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens!“

Ich mag diese Worte der Bibel. Sie sind knapp und kurz. Sie laden ein, sich auf Wesentliches im Leben zu konzentrieren. Dieses Leben soll umfangen sein  von Jesus, denn er hat Liebe gelebt. Er hat Hoffnung gegeben. Er stärkt Glauben. Dabei hat er niemanden ausgeschlossen. Er hat hingeschaut auf die Sorgen und Nöte der Menschen. Er war unbequem. Das Leben soll von ihm umfangen sein – Anfang und Ende –, dann kann es gelingen.  Es heißt nicht, dass dann alles gut wird. Das nicht! Nein! Sondern, dass es Sinn macht, was wir tun, wie wir leben und ob wir dem Guten Raum geben. Darum geht es doch, auch wenn nicht immer alles im Leben gut ausgeht.

Ich mag diese Worte, weil sie die biblischen Leitworte meiner evangelischen Versöhnungsgemeinde in Santiago de Chile waren. Die Gemeinde suchte sich diese Worte  in schwieriger Zeit aus. Nach dem Militärputsch im September 1973 zerbrach die Kirche. Es entstand meine neue Gemeinde. Woran richten wir uns aus? So fragte man sich. Es kann doch keine politische Ideologie sein! Es kann doch nichts sein, was Menschen in ihrer Würde verletzt, sie ausgrenzt – ja sie sogar umbringt. Wir müssen doch Kirche sein! Wir müssen doch wie Jesus die Mühseligen und Beladenen mit offenen Armen empfangen. Dafür brauchen wir IHN, Jesus! Er soll uns Orientierung sein und keine Ideologie. Zu ihm lasst uns aufsehen.

Ich mag diese Worte, weil sie für mich mit dieser Geschichte zusammengehören. Hier sind Menschen aufgestanden, um für etwas einzutreten! Sie haben versucht, Osterglauben zu leben – eben  aufzustehen. Wenn wir zu ihm aufsehen, dann müssen wir uns aufrichten, nach vorne strecken – und nicht zurück.

Das ist nicht immer einsichtig!  Gerade auch in manchmal satten und orientierungslosen Gesellschaften. Wie kann man vermitteln, dass dieser Glaube an Jesus kein Museumsstück ist? Wie kann man von dem erzählen, der uns befreit von falschen Abhängigkeiten, von populistischen Strömungen?

Diese Worte sind zu Menschen gesprochen, die Orientierung verloren haben: Werbend wird ihnen zugesprochen: Schaut auf! Ihr seid nicht allein! Steht auf!  Der Schreiber ruft nicht: Du musst aufschauen, sondern er sagt: Lasst uns aufsehen! Damit lädt er ein, gemeinschaftlich sich getragen zu wissen. Alleine geht das als Christ nicht! Gemeinsam aufsehen und eintreten für dieses gottgeschenkte Leben! Das ist Osterglaube!

Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär Gustav-Adolf-Werk

 

Überschrift: Hebräer 12, 1-2

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