Prost und Zum Wohl!

Die Becher klimpern fröhlich. Vergnügte Gesichter lächeln einander zu: Prost und Zum Wohl! Mit den Gesichtern tauchen alte Geschichten auf – aus vergangener Zeit. Was haben wir nicht alles erlebt! Weißt du noch? Ach vergessen wir die alten Geschichten! Jetzt ist Zeit für Fröhlichkeit.

Gelöste und gelassene Stimmung verbindet. Gerade auf Familienfesten, wenn Jahrzehnte

besungen und gefeiert werden. Da werden die Alten zum Kind und die Kinder staunen, wie klein die Eltern waren. Kleinlaut verkriecht sich mancher Streit.

Prost und Zum Wohl – das ist die Melodie die einmal alles verändern wird. Gelebt wurde sie schon immer auf kleinen und großen Festen. Bedeutsam wurden diese Klänge vor zweitausend Jahren in dem kleinen Ort Kana im Norden Israels. Eine Hochzeit wurde gefeiert. Alle wurden eingeladen: Der Familienclan, die Nachbarn, die Dorfbewohner, das Umland. Und sie kamen alle – weit mehr als geplant. Buntes Wogen von Menschen. Im Alltag getrennt – verbunden auf der Feier. Gelassene Stimmung. Jeder hat genug. Man fühlt sich wohl. Es gab gute Gespräche. Man hörte zu, sprach sich aus und tanzte. Doch es kam wie es kommen musste. Als es am Schönsten war – ging der Wein aus. Kein Tropfen mehr. Nichts mehr zum Verteilen. Die gelassene Stimmung kippt. Protest! Wer ist schuld am Mangel? Maria sagt zu ihrem Sohn Jesus: Die Zeit ist reif. Sie müssen es wissen! Gott will

nicht Zank und Streit. Es ist genug für alle da! Jesus sagt: Gießt Wasser in die Weinfässer!

Schöpft! Plötzlich Wein in Hülle und Fülle. Fröhlichkeit. Gelassenheit. Gespräche und Tänze. Was will Gott? Dass Menschen sich betrinken? Nein – dass Menschen die Güter der Erde teilen. Allen soll es so gut wie möglich gehen. Jesus betrachtet die Feiernden: Juden, Samaritaner, Fremde, Zweifler, Nachbarn lächeln einander aufmunternd zu, reden miteinander, breiten ihr Leben und ihre Sorgen aus, beginnen einander zu verstehen. Hier und da wird Hilfe angeboten. Freundschaften entstehen. Biographien werden miteinander verwoben. Verständnis wird gezeigt. Und es wird getanzt, viel getanzt – Tänze des Friedens. Ja, Prost und Zum Wohl möge es klingen weltweit und kleinlaut verkriecht sich mancher Streit.

Pfarrer Jörg Sirrenberg, Kirchgemeinde Leipzig-Marienbrunn

Foto: Lehmann