Schwerter zu Pflugscharen durch Recht und Gerechtigkeit

Angesichts vieler Wahlergebnisse weltweit frage ich mich immer wieder: Wer hatte die tolle Idee, uns Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg dieses geniale Wahlrecht zu schenken? Ich bin dankbar für unser Verhältniswahlrecht, und dankbar bin ich auch für Recht und Gerechtigkeit, die wir etabliert, erlernt und beherzigt haben. Dass hier Gerechtigkeit und Recht herrschen, das ist sicherlich einer der vielen Gründe, weshalb Menschen aus aller Welt in Europa und in Deutschland Schutz suchen.

Die Vision einer Völkerwallfahrt hin zu einem Ort des Friedens ist nicht neu. Der biblische Prophet Jesaja spricht sie aus: „Viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen… Denn der Herr wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker.“ (Jesaja 2, 3-4). – Auch hier sind Recht und Gerechtigkeit der zentrale Grund, weshalb der Gott Israels zum Schiedsrichter unter den Nationen gewählt wird. Die Völkerwallfahrt zum Tempelberg in Jerusalem hat Folgen: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln umschmieden… und werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ (Vers 4). – Eine wunderbare Vision: Der Frieden zwischen den Völkern ist eine Folge von Recht und Gerechtigkeit. Krieg führen wird verlernt.

Dabei geht es zu Jesajas Zeit in Israel gar nicht gerecht zu: „Deine Fürsten sind Abtrünnige und Diebsgesellen, sie nehmen alle gern Geschenke an und trachten nach Gaben. Den Waisen schaffen sie nicht Recht, und der Witwen Sache kommt nicht vor sie.“ (Jesaja 1, 23). Kurz gesprochen: Wer Macht hat und bereits oben sitzt, nutzt alles, um sich weiterhin zu bereichern.

Heftige Worte, die der Prophet seinem Volk ins Stammbuch schreibt. Und wie kommt es nun zum Frieden? Gott lässt ihn nicht vom Himmel fallen. Vielmehr fordert Jesaja sein Volk auf, im eigenen Land nach Recht und Gerechtigkeit zu streben. Nur wenn die eigene Gesellschaft gerecht geworden ist, kann sie auch glaubwürdig Recht und Gerechtigkeit ausstrahlen.

Ich wünsche uns, dass wir uns in der Bundestagswahl nicht für Hass, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung entscheiden, sondern Zeichen setzen für Nächsten- und Fernenliebe. Recht und Gerechtigkeit, die wir lokal und global stark machen, sind glaubwürdige Beiträge für den Frieden.

Pfarrer Ravinder Salooja, Direktor Ev.-Luth. Missionswerk Leipzig

 

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