Tot ist nicht tot.

Ostersonntag:  Frauen kommen zum Grab von Jesus. Die Erschütterung über die Kreuzigung ist ihnen noch anzusehen. Jesus war tot. Da gab es kein Zurück. Tot ist tot. Und damit war ihr Lebensmut zusammen gebrochen. Endgültig zog sie die Macht des Todes nach unten, als sie den weggewälzten Stein vor dem leeren Grab sahen. Jesus war weg. Doch dann diese Stimme: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“

Sie hatte eine ungeahnte Wirkung. Durch dunkle Gedanken brach sich Licht die Bahn. Die Macht der Dunkelheit, des Todes begann zu bröckeln. Erinnerungen kamen zurück. Nicht der Tod war das Letzte, was sie mit Jesus verband, sondern seine Worte, die sich mit Leben füllten: „Ich werde am dritten Tage auferstehen.“ Verstehen können es die Frauen nicht, aber sie spüren die Veränderung, die in ihnen vorgeht, die ihr Herz berührt. Sie spüren eine Kraft, die sie nicht nach unten ins Grab, in die Enge schauen lässt, sondern nach oben, in die Weite, in die neuen Möglichkeiten, die es jetzt für das Leben gab. Tot ist tot, das empfinden auch wir, wenn Lebensträume zerplatzen, wenn uns schmerzlich unsere Grenzen aufgezeigt werden, wenn Beziehungen für immer zerbrechen.

Tot ist tot – doch wir wollen leben, neu leben.

Dazu ist ein Anstoß nötig. Deshalb bedeutet Ostersonntag die Frage an uns: Was sucht ihr das Leben bei dem Toten? Es ist vorbei. Schaut auf, ins Helle, dann erweitert sich der Gesichtskreis. Es gibt neue Lebensmöglichkeiten.

Für die Frauen am Grab bedeutete das: anderen sofort von der Erfahrung weiterzuerzählen, die sie wieder aufsehen ließ, die in einem einzigen Satz steckte: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ Und so wird Ostern zu der Erkenntnis: Tot ist nicht tot. Es gibt neue Lebensmöglichkeiten. Es kann neu beginnen – nur eins ist dazu notwendig: nach vorn zu schauen, aufzuschauen, ins Licht zu schauen. Die Frauen haben eine gute Erfahrung gemacht, sie vertrauten darauf: Der Geist von Jesus begleitet sie auf diesem Weg. Warum sollten wir es Ihnen nicht nachmachen, um zu der Erkenntnis zu kommen: tot ist nicht tot.

Pfarrerin Ines Schmidt, Kirchgemeinde Rückmarsdorf-Dölzig und Flughafenseelsorgerin

Foto: Lehmann