Überwinde das Böse mit Gutem

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21) – Was geschieht, wenn Menschen Böses mit Bösem vergelten, habe ich erlebt, als ich vor zwei Wochen durch die Stadt Homs in Syrien fuhr. In einigen Stadtvierteln ist definitiv kein Leben mehr möglich. Alles zerschossen. Kein Strom, kein Wasser. Zerstörte Hochhäuser. In der Altstadt verändert sich das Bild: Auch hier gibt es zerstörte Häuser, zerschossene Schulgebäude, eine Moschee in Trümmern neben einer Kirchenruine. Daneben regt sich wieder Leben: Eine Kirche, die wieder aufgebaut wird. Eine Tischlerei, die arbeitet. Ein Friseur, der seine Dienste anbietet. Ein Restaurant, in dem man sich entspannen kann, als ob hier nie gekämpft und geschossen worden wäre. Und es gibt Stadtbezirke, in denen es scheinbar nie Kämpfe gab.

Über zwei Jahre lang – bis 2014 – war Homs ein Schauplatz des erbitterten und gnadenlosen Krieges. Inzwischen gilt die Stadt als sicher. Bewegt man sich mit dem Auto, wird man regelmäßig von einem der zahlreichen Militärposten angehalten und kontrolliert.

Mitten in der Altstadt gibt es eine evangelische Kirche. Während der Kämpfe war hier ein Rekrutierungsbüro von Terroristen. Inzwischen ist die Kirche wieder aufgebaut worden. Sonntag für Sonntag kommen mindestens 100 Menschen zum Gottesdienst. Die Gemeinde hat einen jungen Pastor, der sich mit viel Energie um die Gemeinde, ihre große Schule und das Altersheim kümmert. Und er hat ein Jugendprojekt angestoßen. Unter dem Leitwort „Space for hope“ (Raum für Hoffnung) kümmern sich 22 hochmotivierte junge Menschen um Kinder, die unter dem Krieg gelitten haben. Sunniten, Alawiten und Christen sollen hier gemeinsam miteinander spielen, Freude haben, Kind sein – und miteinander lernen, dass Hoffnung nur gemeinsam lebendig wird – nicht nur in Homs.

„Space for hope“ in Homs ist ein Ort, wo der Wochenspruch für die kommende Woche lebendig wird: Überwinde das Böse mit Gutem. Dazu braucht es Kirchen, die der Hoffnung Raum bieten und die Menschen daran erinnern, sich nicht vom Bösen überwinden zu lassen. Der Glaube an den Gott des Lebens will zum Guten ermutigen. Gott ist gut für uns. Er wendet sich uns zu, dass wir auf die Not von Menschen schauen, ihnen beistehen und nicht wegschauen.

Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werk e.V.

 

Foto: Okapia