Was ist eigentlich ein Reformationsdingsda?

In Vorbereitung auf das Reformationsfest waren wir dieses Jahr mit einem Kamerateam in Thonberg im Kindergarten unserer Kirchgemeinde. Wie in der Sendung, die manche vielleicht noch von früher aus dem Fernsehen kennen, haben wir die Kinder gebeten so manches „Reformationsdingsda“, so manchen Begriff, der mit der Reformation verbunden ist mit eigenen Worten zu erklären. Dabei sind sehr interessante Beiträge entstanden: Zum Thema „Glaube“ haben die Kinder beispielsweise gesagt: „Man denkt an die anderen, an Gott.“; „Ich bete jeden Abend.“; „Liebe“; „Anderen helfen“; „Wieder Mut haben.“.

Durch die Kinder werden die Begriffe ganz neu lebendig. Oft bringen die Fragen und Erklärungen der Kinder auch die Eltern ganz neu ins Nachdenken. Was glaube ich denn wirklich? Was habe ich übernommen ohne darüber nachzudenken?

In ihrer spielerischen Art machen die Kinder deutlich: Jede Generation muss neu um Wahrheit ringen. Jede Generation muss neu nach Begriffen, wie Gnade, Heilige Schrift, oder Glaube fragen. Jede Generation muss diese Begriffe neu diskutieren und mit ihren eigenen Worten füllen und begreifen.

Das viel zitierte Diktum Martin Luthers, dass die Kirche „semper reformanda“, das heißt immer zu reformieren sei, wird durch die Kinder nochmal in ein neues Licht gerückt. Es reicht nicht, Begriffe einfach nur als Traditionen weiterzugeben. So werden sie schnell zu Worthülsen, die keinen Bezug mehr zu uns und unserem Alltag haben.

In unserer heutigen Zeit ist es wichtig, dass wir über Normen und Werte reden, die uns als Kirche, und auch als Gesellschaft tragen. Auch über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg müssen wir uns über Normen und Werte austauschen. Begriffe wie „Demokratie“, „soziale Verantwortung“ und „Toleranz“ bleiben gleichermaßen nur dann lebendig, wenn wir uns darüber verständigen.

Dies kann gelingen, wenn wir aufeinander hören, Fragen aushalten und Antworten nicht nur nachsprechen sondern ehrlich miteinander suchen. Ich wünsche uns dafür, dass wir uns von der Leichtigkeit, Neugier und Lebensfreude der Kinder inspirieren lassen.

Die „Reformationsdingsda“ gibt es übrigens am 31.10.2017 um 16 Uhr in der Erlöserkirche Leipzig-Thonberg, Dauthestr. 1A, zu sehen.

Pfarrer Sebastian Keller, Erlöserkirchgemeinde Thonberg

 

Foto: Lehmann