„Fürchtet euch nicht“

Liebe Leserinnen und Leser,
was bleibt vom Weihnachtsfest? Nehmen Sie etwas mit aus den letzten Tagen? Für mich ist der Satz „Fürchtet euch nicht“ der wichtigste aus der Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums. Ihn gilt es jetzt im Alltag im Herzen zu bewegen wie Maria es tat.
Die Botschaft der Engel gibt uns Kraft, unseren Sinn für das Mögliche zu schärfen. Und sie hilft uns, denen zu begegnen, die sich unserer Ängste bedienen, um uns klein zu machen. Aber von Gott ist es zu Weihnachten andersherum gedacht: Die Geburt Jesu macht uns groß. Sie setzt uns mit unseren Gaben in Bewegung. Wir sind nicht denen ausgeliefert, die sagen: Es bringt alles nichts mehr.
Weihnachten ermutigt uns, nicht mehr wie das Kaninchen vor der Schlange zu sitzen. Gott kommt in diesem Kind an unsere Seite und sagt: Geh los – ich bin bei Dir.

Ich hoffe, dass Sie diese Botschaft in nächster Zeit auch weiter im Herzen bewegen können. Bis zum 2. Februar dauert die Weihnachtszeit an. Und auch danach gibt es viele Situationen, in denen der Ruf der Engel bei uns nachklingen kann. Einiges wird sich im Jahr 2019 für uns entscheiden – in Sachsen wie auch in Europa. Auch hier wirkt Weihnachten nach: Wo wir uns aufgerufen verstehen, unsere Größe als mündige Menschen zu zeigen und unsere Stimme zu erheben.

Die „andere“ Weihnachtsgeschichte nach Matthäus gibt ebenfalls Anlass, davon etwas im Herzen zu bewegen: Das Kind, das die Welt an der Krippe als Menschheit vereint und dazu auffordert, einander in den Blick zu nehmen – es wird gleich nach der Geburt bedroht von dem, dem diese Vielfalt ein Gräuel ist: dem König Herodes. Er heißt heutzugtage anders. Aber eines versucht er noch immer: Das aus der Welt zu schaffen, wofür dieses Kind und die Gaben stehen, die ihm gebracht werden: Gold für die Beständigkeit des Glaubens, Weihrauch für die Beziehung zu Gott und Myrrhe als Zeichen, dass Gott die Schmerzen und das Leid der Menschen ansieht und auf sich nimmt.

Am 6. Januar (9.30 Uhr) werden wir in der Thomaskirche mit der Christmette von Michael Praetorius einen musikalischen Gottesdienst feiern, der von all dem erzählt – und uns zurüstet für das Jahr 2019. Sie sind herzlich willkommen, dabei zu sein.

Pfarrerin Britta Taddiken, Kirchgemeinde St. Thomas

Grafik: Pfeffer

Wozu taugt das Christentum?

Alle Jahre wieder wird Weihnachten beschworen: Lieder, Lichter und vielleicht sogar ein Gottesdienst sollen für eine gefühlvolle Stimmung sorgen. Doch Religion will mehr: Im Zentrum steht die Ahnung, dass es etwas Größeres gibt, das unserem Kalkulieren und Verfügen entzogen ist.

Manche Menschen erleben ein religiöses Empfinden, wenn sie staunend unter dem Sternenhimmel stehen. Andere sind unendlich dankbar für die Geburt eines Kindes. Oder jemand spürt, dass er sich in einer bestimmten Situation nicht von Geld verführen lassen darf, sondern fair entscheiden muss. Besonders in der Erfahrung von Freundschaft können einem die Augen dafür aufgehen, dass es einen Mehrwert gibt, der einem gratis zufallen kann. Liebende erfahren etwas „Absolutes“, d.h. etwas, das „herausgelöst“ ist aus der Welt des Machens und Berechnens.

Ist dieses Absolute, nach dem sich Menschen sehnen, dieser Hunger nach Glück und Liebe, nur ein frommer Wunsch, der ins Leere geht? Oder gibt es einen Gott, den wir in unseren Sehnsüchten erahnen und in unseren ehrlichsten Stunden berühren?

Christen und Christinnen feiern an Weihnachten etwas Unglaubliches: Dass Gott sich für unsere Welt interessiert. Inter-esse meint „dazwischen sein“: Gott wird mitten in unserer Welt und Geschichte berührbar. Gott wird Mensch. Er begegnet auf Augenhöhe. Die tiefsten Sehnsüchte finden ein Gegenüber: In Jesus von Nazaret erfahren Menschen, dass ihr zerbrochenes Leben heil werden kann. Ausgegrenzte werden zu Tisch geladen. Die von Angst Gequälten schöpfen neues Vertrauen. Versöhnung erweist sich stärker als Hass und Gewaltlosigkeit, kann Konflikte lösen. Und am Ende des Lebens Jesu zeigt sich, dass das Leben stärker ist als der Tod. Das letzte Wort hat die Liebe.

Wozu taugt das Christentum? Mit dem Leben und der Botschaft Jesu wird die Hoffnung geboren, dass die großen Sehnsüchte der Menschheit keine leeren Träume sind. Frieden und Liebe sind möglich. Sie können allerdings nicht gemacht werden, sondern sind Geschenke, die wir nur empfangen können. In diesen Geschenken zeigt sich, dass Gott uns näher ist, als wir oft glauben. Und vielleicht können wir in den Lichtern und Liedern von Weihnachten etwas von dieser Nähe erahnen.

Andreas Knapp, katholischer Priester und freier Schriftsteller (Leipzig-Grünau)

Foto: Eberhard Grossgasteiger, unsplash.com

Johannes der Täufer

Liebe Leserinnen und Leser,
am dritten Adventssonntag steht in der evangelischen Kirche derjenige im Mittelpunkt, der als Vorläufer Jesu gilt: Johannes der Täufer.

An ihm schätze ich seine heilige, auf Gott bezogene Klarheit. Sie beginnt schon vor seiner Geburt, als die überraschten und für die Gründung einer Familie schon viel zu alten Eltern Zacharias und Elisabeth realisieren, dass im Leben immer mehr möglich ist als man glaubt. Als Erwachsener meidet Johannes dann alles, was ihn in die Abhängigkeit führen oder Verlustängste in ihm auslösen könnte. Er spricht Klartext mit denen, die wider besseres Wissen handeln. Er fordert alle, die genug haben, zum Teilen auf. Die Zöllner weist er an, nicht mehr zu nehmen, als geboten ist und warnt sie vor den Folgen von Betrug und Bereicherung. Lebenslang bleibt er unbequem und deckt die Widersprüche auf, in denen wir uns verstricken: Wir wissen genau, was eigentlich geboten und gut wäre und wie man gerechte Verhältnisse schaffen könnte. Aber wir tun es nicht, sondern halten vielmehr fest, was wir haben – aus Angst, es verlieren zu können. Johannes sagt klar: So wird es nichts, so wird Eure Gesellschaft nicht bestehen können. Ihr wisst es selbst – eigentlich. Und so ruft er zur Umkehr aus dieser Haltung auf, sagt zugleich aber auch: Das ist noch nicht das Evangelium. Auch hier ist er klar und weist von sich weg auf den, den er taufen wird: Jesus Christus.

Johannes der Täufer: Taugt er als Vorbild für das, wie wir leben können – als Gemeinschaft bzw. als Einzelne? Auch wenn seine Lebensweise (ohne Besitz und basierend auf einer Ernährung aus wildem Honig und Heuschrecken) nichts für uns ist, so tut es unserer Welt gut, wenn wir uns etwas von seiner Haltung aneignen: unbedingt, klar und manchmal unbequem einzutreten für das, was für Jesus das ganze Gesetz und die Propheten ausgemacht hat – für die Liebe zu Gott und dem Nächsten. Es gilt, immer wieder neu zu fragen und darum zu ringen: Wie können wir das jetzt und hier bei uns leben?

In den Gottesdiensten am dritten Advent werden wir in unseren Kirchen darüber nachdenken. Suchend, streitend, mit Lust und Freude – und hoffentlich auch in der beschriebenen johanneischen Klarheit!
Eine gesegnete Advents-und Weihnachtszeit wünscht Ihnen Ihre Britta Taddiken.

Pfarrerin Britta Taddiken, Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Thomas Leipzig

Foto: Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig

…das kann doch nicht wahr sein…

Gefühlte 100 Geschäfte bin ich durchlaufen, um Weihnachtskarten zu kaufen. Weihnachtskarten, mit denen ich den Empfängern etwas von der frohen Botschaft von Heilig Abend wünschen möchte. Doch was finde ich: Karten mit allerlei Weihnachtsmännern in manchmal lustigen, aber auch unmöglichen Darstellungen bis weit über die Grenzen des Geschmackvollen. Nichts gegen die Tradition, dass der Weihnachtsmann im roten Kostüm mit dem Sack voll Geschenken an der Tür klopft und den Kindern am Heiligen Abend eine Freude macht. Nur: Oft hört man auf die Frage bei Kindern: „Warum feierst du denn Weihnachten?“ die Antwort: “Weil der Weihnachtsmann kommt.“ Und: „Warum kommt der Weihnachtsmann?“ Na, „Weil Weihnachten ist!“ …Das kann doch nicht wahr sein…?

Da muss doch mehr dahinter stecken. Man bekommt Geschenke nicht einfach so, bloß weil einer im roten Mantel mit dem Schlitten von Haus zu Haus fährt, weil ihm gerade mal so ist.

Ja, da steckt noch mehr dahinter, da steckt eine ganze Familie dahinter:

Die Freude über die Geburt eines Babys in einer kleinen Familie. Eines Babys – Jesus – das unter einem besonderen Stern geboren wurde. Wo schon der Mutter Maria und dem Vater Josef klar war: Mit dieser Geburt und dem Erwachsenwerden von Jesus kann sich für die Menschen alles ändern. Gängige Verhaltensweisen von Unfrieden, Druck und Verachtung können durchbrochen werden, Menschen können liebevoller miteinander umgehen und Machtmechanismen im Umgang miteinander können außer Kraft gesetzt werden. Mit der Liebe, die dieses Baby umgibt, kann man ein Stück von Gott spüren, kann man spüren, dass man im Leben gehalten und getragen wird, auch durch alle schwierigen und schuldbeladenen Situationen hindurch. Die Freude über dieses Geschenk an uns Menschen zu Weihnachten ist der Grund warum wir schenken und den Weihnachtsmann losschicken.

Wenn schon nicht auf Weihnachtskarten, aber im Internet, da finden sie genügend Bilder von Maria, Josef und Jesus – von der Geburt im Stall. Drucken Sie sich einfach eins aus und legen Sie es zu Ihrer Weihnachtskarte dazu. Damit machen Sie dem Empfänger ein großes Geschenk. Denn dieses Bild erzählt dann von der großen Hoffnung, die wir mit Weihnachten verbinden.

Pfarrerin Ines Schmidt
Kirchgemeinde Leipzig-Leutzsch; Flughafenseelsorge Flughafen Leipzig-Halle

Foto: pixabay.com

Kurs zum christlichen Glauben

Informationen und Gespräche zu den Grundlagen des christlichen Glaubens bietet vom 22. Januar bis 9. April 2019 der Kurs „Was Christen glauben“. Die Nikolaigemeinde lädt dazu immer dienstags von 19 bis 21 Uhr in den Ernst-Lewek-Saal, Nikolaikirchhof 3, ein.
Die Kursleitung hat Pfarrer Bernhard Stief. Um Anmeldung wird gebeten unter Tel. 0341/1492770 oder per E-Mail: pfarrer@stnikolai-hlkreuz.de. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Das Angebot richtet sich an interessierte Christen und Nicht-Christen. Das Nachdenken über und die Auseinandersetzung mit Fragen zum christlichen Glauben in der Gemeinschaft können helfen, neu oder wieder einen Zugang zum Glauben zu finden.

Weitere Informationen: www.kirche-leipzig.de/glaubenskurse

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