Hinauswagen

Die meisten Menschen in Deutschland genießen das Privileg einer unbeschwerten Kindheit. Wir bekommen das Rundum-Paket: auf Papas Schultern klettern, wenn uns die Puste ausgeht, beidbeinig in Schlammpfützen springen, Zuckerwatte und Ketchup-Nudeln.

Damit wir so behütet aufwachsen können, müssen unsere Eltern sich jeden Tag aufs Neue ordentlich ins Zeug legen. Sie sorgen dafür, dass unsere kleine Welt heil bleibt, sie machen die Realität kindgerecht.

Als Kinder spüren wir im Laufe der Zeit ganz deutlich, dass uns Wissen vorenthalten wird, wir nicht alles ausprobieren sollen und nicht auf jede unserer Fragen eine Antwort bekommen. Wenn wir diese Phase in unserer Entwicklung erreicht haben, machen wir schnell vor nichts mehr Halt. Dass unsere Eltern versuchen, jede Gefahrenquelle unschädlich zu machen, noch bevor sie entsteht, ist uns bei weitem nicht so wichtig wie eigene Erfahrungen und der Versuch, bestehende Grenzen auf die Probe zu stellen. Zack! Schon berührt die kleine Handinnenfläche den Rand der heißen Herdplatte. Manche Erlebnisse sind schmerzhafter als andere, und manches hätten wir im Nachhinein lieber nicht wissen wollen.

Doch auch wir haben in einem prägenden Moment erfahren, dass die eigenen Eltern irgendwann nicht mehr da sind, um uns zu beschützen. Dass hinter dem Garten mit den ausladenden Obstbäumen, der uns früher endlos erschien, noch allerhand mehr liegt. Sogar Orte und Menschen, die nicht mal unsere Eltern kennen. Und dass wir all das erkunden können, aber auch, dass die Welt nicht nur mit Zuckerguss überzogen ist.

Mit jedem neuen Lebensjahr werden uns mehr Risiken bewusst. Wir lernen Angst zu haben und uns am wohlsten in vertrauten Gefilden zu fühlen.

Doch ich glaube, gerade dieses kindliche Hinterfragen von jedem klitzekleinen Detail, diese für Eltern oft nervenaufreibende Eigenschaft, gilt es, hinüber zu retten ins Erwachsenen-Dasein.

Gerade wenn man sich bereits eingerichtet hat in seinem Alltag, lohnt es sich, bestehende Denk- und Lebensweisen zu hinterfragen.

Die Freiwilligen des Leipziger Missionswerkes, die an diesem Sonntag in der Nikolaikirche nach Tansania und Indien ausgesendet werden, werden dies erleben – das Hinauswagen und Hinterfragen.

Emilia Stemmler, ehemalige Freiwillige des Leipziger Missionswerkes

Foto: Lehmann

Das Strafregister des Klassenbesten

„Klassenbester war er – und die Rede zum Abitur hat er auf Latein und Griechisch gehalten!“ Das erzählte meine alte Tante stolz von ihrem Vater, von meinem Urgroßvater also. 1890 machte er Abitur an einem renommierten Internat; später wurde er Lehrer – pardon: Studienprofessor! Meine Mutter und ihre Geschwister, seine Enkel, haben ihren Opa als preußisch strengen alten Mann kennengelernt.

Das Internat gibt es immer noch. In den 90er Jahren hat mein Onkel dort mal nach der legendären Abitur-Rede geforscht – doch die Rede von 1890 war nicht im Archiv zu finden. Eine Abitur-Ansprache, die nicht dokumentiert ist? Da muss es wohl mächtig Ärger gegeben haben, meinte der Archivar, der meinem Onkel suchen half: Mal sehen, ob wir im Strafregister fündig werden! Und wie sie fündig wurden: Beim Biertrinken erwischt, beim Rauchen, zu spät vom Spaziergang zurück, heimlich in der Kneipe, Aufsässigkeit, Randale – immer wieder!

Und immer wieder: Unterrichtsverweise, Arrest oder sogar Karzer (also Schulgefängnis), strenge Ermahnungen … Offenbar muss er kurz vor dem Rausschmiss gestanden haben – und doch hat ihm irgendwer noch eine Chance gegeben, vermutlich mehr als einmal. Aus den letzten Monaten vor dem Abitur sind keine Einträge mehr im Strafregister zu finden – er hat sich wohl doch zusammengerissen, schließlich sein Abitur bestanden und als Klassenbester die Rede gehalten. Nach diesen Enthüllungen sah mein Onkel den preußisch-strengen Großvater in ganz anderem Licht. Die alte Tante war gar nicht erfreut, was da über ihren Vater zutage kam.

Hat mein Urgroßvater vor 130 Jahren mehr Unsinn angestellt als manche Schüler heute? Auf jeden Fall muss es damals Menschen gegeben haben, die den undisziplinierten, aufsässigen, manchmal betrunkenen und wohl auch intelligenten Jungen nicht aufgeben wollten, die sich für ihn einsetzten und ihm zutrauten, dass er auf einen guten Weg käme – auch wenn es Mühe und Nerven kostete. War das ein Lehrer? Ein Tutor? Die Eltern, die viele hundert Kilometer entfernt lebten? Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe, es gibt solche Leute auch an Schulen von heute – auch im neuen Schuljahr, das jetzt beginnt.

Friederike Ursprung, Evangelische Kirchenredakteurin Radio PSR

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Benefizkonzert mit David Timm in der Schloßkirche Lützschena

Die Reihe der Benefizkonzerte zu Gunsten der Restaurierung der Jehmlich-Orgel der Hainkirche St. Vinzenz wird am kommenden Sonnabend, dem 24. August 2019, fortgesetzt. Um 17 Uhr improvisiert Universitätsmusikdirektor David Timm an der Gottfried- Hildebrand-Orgel der Schloßkirche Lützschena, Schlossweg, nach Wünschen des Publikums. Musikwünsche können bereits jetzt per Mail an musikwunsch@sophienkirchgemeinde.de gesandt werden.

Eintrittskarten für das Konzert zu 7 Euro sind im Schreibwarenladen Tintenklecks in Lützschena sowie an der Abendkasse erhältlich.

Foto: Steffen Berlich

„Geben und Nehmen“ – Installation in der Kirchenruine Wachau

In der Kirchenruine Markkleeberg-Wachau ist die Installation „Geben und Nehmen“ zu erleben. Christian Göthner, Holz- und Objektgestalter, hat in der Kirchenruine ein rundes Wasserbecken installiert, an dessen Rand Besucher sich setzen und ihre Füße in das Wasser tauchen können. Im Wasser sind zahlreiche kleine Putzerfische, auch Knabber- oder Doktorfische genannt, die die Füße von verhornten Hautpartien befreien – völlig schmerzfrei, ungefährlich, eine kostenlose therapeutische Anwendung.

Bis zum 23. August, täglich von 11 bis 20 Uhr besteht die Möglichkeit dieses besondere Angebot zu nutzen und dabei mit anderen Besuchern ins Gespräch zu kommen – zum Beispiel über Nutzungsperspektiven für selten genutzte Kirchenräume im ländlichen Raum.

Neben Gasthof oder Kegelklub sind sie, gerade im ländlichen Raum, eine der letzten öffentlichen Treffs. Die Frage ist, wie wir mit diesem religiösen Erbe in Zukunft umgehen wollen.

Gottesdienst für Pädagogen und Pädagoginnen

Der Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig lädt am Sonnabend, 24. August 2019, Religions- und Gemeindepädagoginnen und –pädagogen, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher zum Gottesdienst ein. Unter dem Motto „Sorgt euch (nicht)“ sollen alle im pädagogischen und erzieherischen Bereich Tätigen zum Beginn des neuen Schuljahres gestärkt und ermutigt werden.

Die Veranstaltung im Matthäi-Haus, Dittrichring 12, beginnt 9.30 Uhr. Musikalisch umrahmt wird die Feier von Kirchenmusiker Christoph Zschunke. Es predigt Schulpfarrerin Uta Gerhardt. Anschließend wird zum gemeinsamen Frühstück eingeladen.

Foto: Lehmann

Zehn Saiten – Fünf Jahrhunderte – Konzert in Kleinzschocher

Zum Konzert für Violine und Gitarre wird am Sonntag, dem 25. August 2019, 19 Uhr, in die Taborkirche Kleinzschocher, Windorfer Str. 49, eingeladen. Unter dem Motto „Corde Sonanti – Klingende Saiten“ spielen Ronny Mausolf (Violine) und Leopoldo Saracino, Mailand (Gitarre) Werke aus fünf Jahrhunderten. Der Eintritt ist frei. Es wird um Spenden für die Erhaltung der Taborkirche gebeten.

Bild von Claudia Peters auf Pixabay

„Telemann und Luther“ in der Kirche Panitzsch

Kantaten von Georg Philipp Telemann auf Texte Martin Luthers erklingen am Sonntag, dem 25. August 2019, 17 Uhr, in der Kirche Panitzsch.

Musik berührt, verbindet, tröstet und bestärkt. Und sie ist imstande, dem Wort eine gewaltige Kraft und Bedeutung zu verleihen. Der große Reformator Martin Luther wusste darum und schaffte es, mit seinen Texten und Melodien die Herzen der Menschen zu erreichen und zugleich Gottes Wort zu verbreiten. Eine beispiellose Entwicklung der Europäischen Kultur nahm ihren Lauf… Und die Musik wurde zum Herzschlag der Reformation.

In hervorragender Konzertbesetzung durch das Bach-Consort Leipzig mit Anja Binkenstein (Sopran), Susanne Krumbiegel (Alt), Patrick Grahl (Tenor), Gotthold Schwarz (Bass) und das Sächsische Barockorchester unter Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz wird dieses kraftvolle Zusammenspiel von Wort und Musik für die Konzertbesucher erlebbar sein. An der Orgel musiziert Cornelia Osterwald. Als Ripienie-Sänger, Sänger ohne solistische Aufgaben, wirken Isabel Kalis und Elisabeth Espig (Sopran), Stefan Kahle (Altus), Christoph Pfaller (Tenor), Tobias Ay und Konstantin Espig (Bass) an der Aufführung mit. Zwischen den einzelnen Kantaten spricht Reinhard Freier ausgewählte Lesungen und Texte.

Karten für das Konzert zu 20 Euro, ermäßigt 10 Euro, gibt es im Vorverkauf im Pfarramt Panitzsch, in der Bäckerei Hofmann in Panitzsch, in der Buchhandlung Leselaune Taucha und in der Musikalienhandlung Oelsner; Restkarten an der Tageskasse.

Kirche Panitzsch, Foto: Kirchgemeinde

„Aktion Federmappe“ unterstützt 300 Kinder aus bedürftigen Familien

Mit Beginn des neuen Schuljahres endet die „Aktion Federmappe“, mit der die Kirchliche Erwerbsloseninitiative Leipzig (KEL) Kinder aus einkommensschwachen Familien mit Schulmaterialien unterstützt. Knapp 300 Schülerinnen und Schüler freuten sich dieses Jahr über gebrauchte oder – Dank Spendengeldern – neu erworbene Sachspenden. „Die Resonanz auf die Aktion, war in diesem Jahr so groß wie noch nie“, sagt Ute Weise von der KEL. Die Mitarbeiterinnen der sozialen Beratungsstelle organisieren die Spendenannahme und –ausgabe zusätzlich zu ihren eigentlichen Aufgaben in der Schuldnerberatung oder sozialen Erwerbslosenberatung. Die hohe Nachfrage nach den Spenden zeigt laut Ute Weise, wie wichtig solche Spendenaktionen trotz der verbesserten Leistungen für Kinder durch das Starke-Familien-Gesetz für einkommensschwache Familien sind.

Positiver Nebeneffekt der Aktion ist, dass sich auch Kinder, die z.B. ihren frisch abgelegten und geschrubbten Ranzen gespendet haben, mit dem Thema Armut auseinandersetzen. Manchmal findet sich dann auch ein kleiner Brief mit guten Wünschen für die Nachbesitzer im abgegebenen Ranzen.
Unterstützung fand die Aktion neben den vielen privaten Spendern auch bei Leipziger Kirchgemeinden, dem Evangelischen Schulzentrum und regionalen Vereinen und Firmen. Hier seien genannt: Graner Ingenieure Leipzig, Deutsche Bank Leipzig, LOK Leipzig, CineStar Leipzig, Leipziger Stadtwerke, Belantis, Pilot, divata, Carstensen Handels GmbH, Lässig und Fond of GmbH.
Das Team der KEL bedankt sich bei allen großen und kleinen Spendern, die zum Gelingen der „Aktion Federmappe“ beigetragen haben.

Zur Einrichtung:
Die Kirchliche Erwerbsloseninitiative Leipzig (KEL) ist eine Einrichtung des Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzigs. Zentrales Anliegen der KEL ist die berufliche und soziale Integration von Erwerbslosigkeit betroffenen oder bedrohten Menschen. Das geschieht unabhängig von Alter, Glaubensrichtung und Weltanschauung. Ratsuchende werden bei der Suche nach Möglichkeiten und Perspektiven, die Arbeitslosigkeit und damit die soziale Isolation zu überwinden, intensiv und individuell betreut. Ergänzend bietet die Einrichtung Schuldner- und Insolvenzberatung an.

Für Rückfragen:
Marco Ringeis (Geschäftsführer)
Tel: 0341 9605045
Email: ke-leipzig@evlks.de

Foto: Kirchliche Erwerbsloseninitiative

„Wie politisch soll/darf Kirche sein?“ – Gespräch

„Wie politisch soll Kirche sein? Wie politisch darf Kirche sein?“ fragen die Kirchgemeinden im Leipziger Südwesten in ihrer Gesprächsreihe „Theologischer Montag“. Die nächste Veranstaltung findet am Montag, dem 26. August 2019, 19.30 Uhr, in der Heilandskirche Plagwitz, Erich-Zeigner-Allee/Weißenfelser Straße, statt. Unter der Überschrift „Das Wort, das nur wir sagen können…“ – Christsein im säkularen Raum wird Oberkirchenrat Christoph Seele zu aktuellen Aspekten des Themas Rede und Antwort stehen.

Christoph Seele ist als Beauftragter der Evangelischen Landeskirchen beim Freistaat Sachsen so etwas wie ein „Lobbyist“ der Kirche und hat als solcher beste Kenntnis des politischen und gesellschaftlichen Handelns von Kirche sowie dessen öffentlicher Wahrnehmung. In der Schriftenreihe „Theologie für die Gemeinde“ hat er zudem einen Band veröffentlicht, der sich ebenfalls mit den Fragestellungen der Veranstaltung in der Heilandskirche beschäftigt (https://www.eva-leipzig.de/product_info.php?info=p3528_Staat-und-Kirche.html).

„Wir haben somit einen überaus kompetenten Referenten gefunden und freuen uns auf einen spannenden Abend mit guten Gesprächen. Angesichts unseres Gastes und der Brisanz des Themas wenige Tage vor der Landtagswahl hoffen wir auf viele interessierte Besucher!“, erläutern die Initiatoren der Gespräche, Dipl.-Theol. Konstantin Enge und Dipl.-Theol. Nicole Oesterreich. Die Kirchgemeinden Kleinzschocher, Schleußig und Lindenau-Plagwitz laden dazu herzlich ein.

Plakat: Veranstaltungsreihe Theologischer Montag

Basiswissen zum Judentum – Vortragsreihe im Ariowitsch-Haus

„Basiswissen zum Judentum“ heißt eine neue Veranstaltungsreihe, die am Mittwoch, dem 28. August, 18 Uhr, im Ariowitsch-Haus, Hinrichsenstr. 14, beginnt. Dr. Timotheus Arndt von der Forschungsstelle Judentum der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig und der sächsische Landesrabbiner Zsolt Balla werden dabei monatlich verschiedene Facetten des jüdischen Lebens vorstellen.

Die erste Veranstaltung der Reihe befasst sich mit dem wöchentlichen Feiertag der Juden, dem Sabbat. „Mehr als Israel den Sabbat gehalten hat, hat der Sabbat Israel erhalten,“ schrieb Ascher Ginsberg 1898. Der wöchentliche Feiertag überflügelt fast alle jüdischen Jahresfeste an Bedeutung. Wann beginnt der Sabbat? Wie begehen jüdische Familien diesen Tag? Was soll ein Mensch an diesem Tage tun und was soll er lassen?

Die Jüdisch-Christliche Arbeitsgemeinschaft Leipzig e. V., die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig und der Ariowitsch-Haus e. V. laden Interessierte herzlich zu den Vortragsabenden ein. Der Eintritt ist frei.

Nächste Termine und Themen sind:

  1. September: Das jüdische Festjahr
  2. Oktober: Wegmarken im Jüdischen Leben

 

Bild von Richard van Liessum auf Pixabay