Was ist jetzt zu tun?

Normalerweise weiß ich das. Die Termine im Kalender schreiben mir vor, was jetzt zu tun ist und was danach. Aber jetzt ist alles anders. Die Termine geben mir nicht mehr den Takt vor für meinen Alltag und womit ich mich wann zu befassen habe. Es ist ja fast alles abgesagt. Ich schätze, das wird auch heute in einer Woche noch so sein, wenn dieser Text erscheinen wird. Was ist jetzt zu tun? Es fällt schwer, sich darauf zu besinnen und ruhig-besonnen zu handeln. Eine Meldung jagt die andere und unruhig – manchmal panisch rufe ich die neuesten Zahlen und Fakten ab – getrieben von der Sorge: Was wird aus meinen Lieben, was wird aus mir? Ja, beschämt stelle ich fest, wie sehr die Sorge um das Eigene von mir Besitz ergreift in diesen Tagen. Was hilft mir, mich zu konzentrieren auf das Wesentliche hier und jetzt? Und was ist überhaupt das Wesentliche?

Ein Blick ins Losungsheft hilft mir. Da stehen für jeden Tag zwei Bibelverse drin. Der zweite für den 28. März: Jesus spricht: Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter. (Markus 3,35). Das ist gerade jetzt dran: Tun, was Gott will! Was ist das? Hinter den Zahlen die Menschen sehen. Von den Menschen her denken. Was heißt das für mich? Ich stelle mir die Gesichter der Menschen vor, für die ich Verantwortung trage. Daraus ergibt sich, was jetzt dran ist. Was kann ich für diese Menschen tun – hier und heute? Ich bitte Gott um Kraft und Liebe und Besonnenheit für diese Aufgabe. Das ist jetzt dran.

Pfarrerin Ruth Alber
Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde im Leipziger Süden

Foto: Mario Azzi, unsplash.com

Ansteckend!

Manche staunen über die schöne Schöpfung. Man freut sich über einen genialen Designer, der alles so wunderbar gemacht hat. Dennoch weltweit so viel Schauriges. Wieder kommt es darauf an, worauf ich mich konzentriere. Lasse ich mich versteinern? Sehe ich auch Hilfsbereitschaft und Herzensgüte?
Menschen haben viel Gutes in sich. Manche wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Andere haben Mut. Sie leben das Gute aus. So ein Mensch war Dr. Ruth Pfau (1929-2017) aus Leipzig-Marienbrunn. Aufgewachsen an der Märchenwiese begriff sie schnell, dass das Leben nicht nur märchenhaft war. In Mainz und Marburg studierte sie Medizin und widmete ihre Kraft dem Leben. 1951 ließ sie sich taufen und gehörte zur römisch-katholischen Kirche. Sie ärgerte sich über ihre Zeitgenossen, bei denen es um Autos, Essen und Sauerkraut mit Würstchen ging. Sie trat der Gesellschaft der Töchter vom Herzen Mariä ein und wurde von ihrem Orden nach Indien geschickt. Letztlich blieb sie in Pakistan. Sie lebte das Gute. Sie nannte es Liebe. Sie half in besonderer Weise Leprakranken. Aus ihrer Arbeit und ihrem Engagement entstand das dortige nationale Lepraprogramm. Dadurch konnte sie ihre Herzensgüte in entlegene Gebiete des Landes tragen. Das Gute, das sie hat wachsen lassen, wurde durch Preise geehrt.
In Marienbrunn soll – am Ort, wo sie geboren wurde – Mitte Mai ein Bäumchen gepflanzt werden, um sichtbar an sie zu erinnern. In den Blättern dann ein ansteckendes Rascheln: „Hab auch du Mut, das Gute zu leben.“

Pfarrer Jörg Sirrenberg
Ev.-Luth. Kirchgemeinde im Leipziger Süden, Ortsausschuss Gemeinde Marienbrunn

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In Kirchen am Palmsonntag, 5. April 2020

Den kommenden Sonntag, 5. April 2020, begehen Christen als den Palmsonntag. Er steht im Zeichen der biblischen Erzählung vom Einzug Jesu in Jerusalem. Zu seinen Ehren wurden Kleider und grüne Zweige auf den Weg gestreut. Der Palmsonntag steht am Anfang der Karwoche.

Folgende Kirchen laden am Sonntag zum Mitfeiern eines Livestream-Gottesdienstes im Internet auf der jeweiligen Homepage oder Facebook-Seite ein oder öffnen zu den sonst üblichen Gottesdienstzeiten die Türen ihrer Kirche. Die Glocken werden läuten, eine kurze Andacht mit Gebet und Segen wird es geben.

Es wird dringend darum gebeten, gebührenden Abstand zueinander zu halten. Der Einlass wird auf eine kleine Anzahl von Menschen beschränkt.

Die Angebot im Überblick: Leipziger Kirchen am 5. April 2020

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Nächstenliebe

„Liebe Gott … und deinen Nächsten wie dich selbst.“ So lautet die Kurzfassung dessen, was für Jesus von Nazareth die heiligen Schriften und den Glauben seiner Vorfahren ausmacht. Für uns in der Fastenzeit kann es eine Kurzfassung für die Neuorientierung in den Wochen bis Ostern sein.

Nächstenliebe meint keine Gefühlsduselei. Ich würde es übersetzen als Gerechtigkeit gegen meinen Nächsten, ihm zugestehen, was er braucht.

Wer mein Nächster ist, muss wohl in der heutigen, globalisierten Welt anders definiert werden, als es die Menschen in der Zeit der Bibel getan haben: Die Näherin in Bangladesch, der Minenarbeiter im Kongo, der Kaffe-Bauer in Amerika, der Fließbandarbeiter in China.

Denn Vieles, was unseren verschwenderischen Lebensstil ausmacht, was zu unserem Wohlstand beiträgt, hat einen Preis, den andere zahlen: In entfernten Gegenden oder in der Zukunft, indem wir weniger Lebensmöglichkeiten hinterlassen, als wir selbst hatten. Billige Kleidung, meine Mobilität, Rohstoffe für immer bessere Elektronik, der Fleischkonsum, Massen von Plastik-Abfall. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Wenn wir uns neu ausrichten, auf Gott und den Mitmenschen, müssen wir unseren Lebensstil in Frage stellen. Wir werden nicht alles sofort ändern können. Aber jeder sollte für sich einen Punkt suchen, an dem er anfängt. Heute.

Stephan Radig, katholischer Theologe und Online-Redakteur St. Benno Verlag

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Passionsmusik und -wort zum Palmsonntag

Passionsmusik und -wort aus der Kapelle des Diakonissenhauses und der Kirche zu Panitzsch

Die Passionsandacht am Sonntag, dem 5. April 2020, spannt einen Bogen über die Stadt Leipzig – vom Westen, dem Diakonissenhaus, wo die Wortaufnahmen entstanden, nach Panitzsch im Osten der Stadt, wo die Musik aufgenommen wurde.

Viele Chöre und Musiker haben Kirchenmusik für die Passionszeit vorbereitet. Kaum etwas davon kann in diesen Tagen und Wochen aufgeführt werden. Die Sendung möchte den Chören und Kirchenmusikern Danke sagen für ihre Mühe und Anteil nehmen an dem Schmerz über den Verzicht auf die Konzerte.

„Für die Zuhörerinnen und Zuschauer soll diese Videoandacht ein notdürftiger Ersatz für das Erlebnis der Kirchenmusik in einer der Kirchen sein. Wenn auch in dieser „ärmeren“ Weise – aber wir brauchen es, Rat und Kraft zu suchen in der Betrachtung des Schmerzensmannes Jesus Christus. Beim Zuhören mögen ihn alle an ihrer Seite finden“, wünscht Pfarrer Michael Kühne, Theologischer Geschäftsführer am Diakonissenkrankenhaus. Er wird die Liturgie leiten.
Es singt Thomaskantor Gotthold Schwarz, begleitet von Katharina Dargel (Bratsche) und Gewandhausorganist Michael Schönheit an der Orgel.

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Neue Formen der Verkündigung und Gemeinschaft in Leipziger Kirchgemeinden

Aus Rücksicht aufeinander und im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus sind Gottesdienste und Veranstaltungen in den Kirchen abgesagt worden. Die Mitarbeitenden in den Leipziger Kirchgemeinden suchen in dieser Situation andere Formen der Verkündigung und gelebten Gemeinschaft. Gerade jetzt brauchen viele Menschen Zuspruch und das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Ein Gebet sprechen, eine Kerze für jemanden anzünden und das gute Gefühl, ich bin mit meinen Sorgen nicht allein!

Viele Kirchgemeinden laden nun sonntags ein, den Gottesdienst im Livestream über die Homepage der Gemeinde von zu Hause aus mitzufeiern. (www.kirche-leipzig.de/gottesdienste/)

Andere online-Formate sind zum Beispiel die täglichen Andachten „Musik, Choral und Text für jeden Tag“, die unter www.kirchspiel-leipzig.de zu finden sind oder die Gedanken zum Tag auf www.thomaskirche.org. Donnertags 12 Uhr ist im Livestream der „Orgel-Punkt-Zwölf“ aus der Peterskirche zu verfolgen (www.peterskirche-leipzig.de).
Die Erlöserkirchgemeinde in Leipzig-Thonberg hat eine digitale Gebetspinnwand eingerichtet. Unter beten.digital/ können Gebete und Gebetsanliegen veröffentlicht und unterstützt werden.

Eine Telefonandacht ist unter der Telefonnummer 99 99 99 0 zu hören.

Seelsorgeangebote gibt es nicht nur über online-Formate. Neben dem Angebot der kostenlosen Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) bieten und organisieren Pfarrer und Pfarrerinnen selbst Kontakte über Telefon oder per E-Mail. Auskunft dazu gibt es in den Pfarrämtern und auf den Internetseiten der Gemeinden. Angebote zur Unterstützung bei Einkäufen oder anderem sind ebenfalls dort nachzufragen.

Auch wenn alle Veranstaltungen und Gottesdienste in den Kirchen bis auf weiteres abgesagt sind, halten einige Gemeinden die Türen ihrer Kirche nicht nur sonntags für das persönliche Gebet und innere Andacht offen. (Bitte einzeln eintreten und Mindestabstand von 2 Metern einhalten.) Es ist ein Angebot, alle Ängste draußen zu lassen, eine Kerze zu entzünden, vielleicht ein paar Orgelklänge zu hören. Informationen auch dazu auf den Internetseiten der Kirchgemeinden.

Foto: Lotz

Andachtshotline und Digitale Gebetsplattform

Die Ev.-Luth. Erlöserkirchgemeinde Leipzig-Thonberg hat angesichts der Coronakrise zwei neue Angebote gestartet.

Auf beten.digital gibt es die erste digitale Gebetspinnwand. Dort können Menschen Ihre Gebete und Gebetswünsche veröffentlichen, Mitbetende suchen und selbst auch zeigen, wenn sie ein Anliegen mit ihrem Gebet unterstützen. „Gerade jetzt, wo viele Menschen mit großen Ängsten, Sorgen und Nöten zu Hause sitzen und sich nicht versammeln können ist es wichtig, dass wir dennoch Wege finden, füreinander da zu sein.“, so Pfarrer Sebastian Keller. „Füreinander zu beten ist ein wichtiges Zeichen der Verbundenheit und Unterstützung. Wir wollen als Kirche füreinander und für andere da sein. Deshalb laden wir bewusst auch Menschen auf unsere Seite ein, die mit dem Beten bisher wenig Erfahrung haben. Sie können auch einfach ihre Gebetsanliegen schreiben und andere bitten für sie zu beten.“

„Beten stärkt, Beten verbindet, Beten wirkt.“ heißt es auf der Plattform. „Das Wissen, dass wir mit unseren Nöten nicht allein sind, dass Gott zuhört und auch andere für uns beten, kann uns viel Kraft geben! Wir können andere Menschen stärken indem wir für sie beten!“

Das zweite Angebot ist eine Telefonandacht. Unter der Hotline 0341/ 999 999 0 (in Worten: Sechs Mal die Neun und die Null) gibt es jede Woche eine Andacht zu hören. „Wir wollen damit vor allem ältere Menschen erreichen, die keinen Internetanschluss haben“, so Pfarrer Keller. „Ich habe bereits Senioren und Seniorinnen angerufen und über das Angebot informiert und kann nach ersten Rückmeldungen schon jetzt berichten, dass die Idee gut ankommt.“

Foto: Ev.-Luth. Kirchenbezirk

Täglich 18 Uhr im Gebet vereint

Evangelische und katholische Kirchen laden in Leipzig dazu ein, täglich um 18 Uhr für einen Moment innezuhalten, jede und jeder für sich eine Kerze anzuzünden, sie gegebenenfalls sichtbar ins Fenster zu stellen und ein Gebet und das Vaterunser zu sprechen. So schlägt es der Stadtökumenekreis vor.
Die Einladung ruft auf zum Innehalten und zum Gefühl von Gemeinschaft auf Distanz.

Jeden Abend in der Passionszeit „versammeln“ wir uns einzeln, aber im Gebet vereint – gerne auch mit einem Lied. Wir können mit einer Kerze im Fenster solidarische Wärme und zuversichtliches Licht ausstrahlen, und dies alles bei ökumenisch vielstimmigem Glockenklang.

Gebetsvorschlag des Leipziger Stadtökumenekreises: Ökumenisches Gebet in Zeiten der Corona

Foto: Lotz

Tipps und Hinweise für Familien, die Corona-Zeit gut zu überstehen

In einer aktuellen Pressemitteilung weist die Sächsische Landeskirche auf besondere Hilfs- und Beratungsangebote für Familien hin.
„Durch die Kita- und Schulschließungen wegen der anwachsenden Corona-Pandemie sind Familien in Sachsen in ungewohntem Maße auf sich selbst gestellt. Die Ausgangsbeschränkungen, das Homeoffice, die Kontaktsperre zu den Großeltern und zur Familie über den engen Bereich hinaus, stellen eine enorme Belastung für Familien dar. Mehrere Kinder unterschiedlichen Alters auf Dauer zu Hause zu haben kann zu Geschwisterstreitigkeiten und/oder Konflikte zwischen den Eltern führen…“

Die Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen Sachsen hat auf ihrer Homepage Hinweise eingestellt, die ständig aktualisiert werden – von finanzieller Unterstützung auf Bundes- und Landesebene bis hin zu Beratungsangeboten:

https://eaf-sachsen.de/2020/03/24/aktuelle-hinweise-zu-covid-19

https://www.eaf-bund.de/de/informationen/coronavirus_und_familienalltag

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Es geht um Macht

Tolkin war ein tief gläubiger Katholik aus England. Jeden Tag besuchte er die Heilige Messe. Weltbekannt wurde Tolkin bereits durch sein Buch „Der kleine Hobbit“ in den 30-iger Jahren. Als ein Verlag diese kleine Geschichte auch in Nazi-Deutschland verlegen wollte, schrieb Tolkin mit Hinweis auf die vorausgesetzte Zustimmung durch seine jüdischen Freunde zurück. Der Verlag meldete sich nie wieder. In den 50-ziger Jahren wurde Tolkin dann durch seinen eposhaften Fantasieroman „Herr der Ringe“ noch bekannter. Generationen wurden gerade durch diese Bücher geprägt.

Das Thema, das Tolkin gerade in dieser Hobbit-Saga beschäftigte, war Macht. In „Der Herr der Ringe“ erfährt man sehr zeitig, dass in der friedlichen Welt der kleinen Hobbits einer den Ring der Macht besitzt. Dieser Ring knechtet, verdunkelt alles Menschliche, tötet das Menschliche. Also: die Aufgabe besteht nun darin, diesen Ring zu vernichten. Und eine lange Odyssey beginnt.
Es geht in das Land Mordor und nur in Mordor befindet sich der Ort, wo der machtbesetzte Ring zerstört werden kann. Das alles wird sehr spannend und nahezu atemberaubend erzählt. Wer einmal diese Bücher angefangen hatte, oder die Hör- und später die Filmversion, kam nicht mehr davon weg.

Warum? Schwer zu erklären. Vielleicht weil so viel aus unserer eigenen Erlebniswelt darin vorkam. Ja, wer kennt schon nicht selbst die Versuchung zur Macht. Da muß ich nicht erst großen Gesellschaften und Vereinigungen Ausschau halten, wo Machtstrukturen und Machtmißbrauch selbstverständlich scheinen. Nein, auch im Kleinen, in unseren Familien, gibt es Macht-gibt es Machtmißbrauch.

Das ist aber alles nicht neu, und nicht erst durch Tolkin bearbeitet und auch bekämpft worden. In der Bibel, besonders im Neuen Testament spricht sich Jesus aus Nazaret höchst selbst gegen Machtstrukturen oder Machtgebaren aus. Gleich direkt gegenüber seinen Jüngern, die sich beispielsweise über die besten Plätze im Himmelreich stritten, ging es da schon um neue Macht. Auch in der berühmten „Bergpredigt“ gibt Jesus klare Anweisungen gegen die Macht: Wenn dich einer zwingen Will eine Meile mit dir zu gehen, dann geh zwei mit. Ganz klar: Lass dich nicht zwingen, tu freiwillig mehr-erfülle seinen Wunsch doppelt. Und das Verrückte-das besiegt wahrscheinlich die Macht. Im „Herr der Ringe“ geschieht das ähnlich, die kleinen Hobbits laufen viele, viel Meilen, um die Macht zu bezwingen. Und wir: Wir sollten keine Anstrengung unterlassen, Macht zu überwinden.

Pfarrer Thomas Bohne, Pfarrei St. Philipp Neri in Leipzig-West

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