Mit Besonnenheit, Kraft und Liebe durch die Zeit

Wir sitzen alle in einem Boot. In einer Krise, wie wir sie gerade durchleben, wird uns das bewusst. Wie auf einem Schiff, das in Seenot geraten ist, werden die Wesenszüge der Besatzung schärfer sichtbar als sonst:

Da sind die Ängstlichen, die sich zurückziehen und verstecken.
Die Meuterer und Besserwisser, die das Kommando übernehmen wollen.
Die, die zu allererst an sich selbst denken und Vorräte anlegen.
Aber auch die, die mit staunenswerter Kreativität und unter Einsatz aller eigenen Kräfte, anderen Menschen helfen.

Das gesamte Abbild einer Gesellschaft und der verschiedenen menschlichen Charaktere, wird in diesen Zeiten sichtbar. Auch die Platzverteilung im Boot ist sehr unterschiedlich. Einige haben die guten Plätze in der Mitte. Sie werden nicht so schnell nass. Andere sitzen außen auf der Reling und drohen bei schwerem Wellengang über Bord zu gehen.

Besonnenheit ist eine Geisteshaltung, die verantwortungsbewusst abwägt zwischen Risiko und Unvorsichtigkeit einerseits und der Notwendigkeit zu helfen, zu schützen und zu bewahren andrerseits.  Liebe und Solidarität sind starke Kräfte, die eine Gesellschaft braucht, um nicht auseinander zu fallen.
Kein Mensch auf dieser Erde konnte es sich aussuchen, ob er geboren werden will, in welche Familie er geboren wurde, in welchem Land und zu welchem Zeitpunkt er auf die Welt kam. Besinnen wir uns auf unsere Kraft, auch in dieser Zeit, die wir uns nicht ausgesucht haben. Denn Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2.Tim.1/7)

Dorothea Klein
Erwerbslosen- und Psychosoziale Beratung in der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative Leipzig

Foto: pixabay

Leben wie Löwenzahn

In Krisenzeiten hungern wir nach Licht und Farbe. Haben Sie auf ihren letzten Spaziergängen in der Natur das kräftige Gelb des Löwenzahn bemerkt? Seit früher Zeit galt die Pflanze als Symbol des christlichen Glaubens und dessen Verbreitung. Denn die kleinen Fallschirme können mit dem Wind über zehn Kilometer weit fliegen. Heinz Ehrhardt dichtete humorvoll: „Löwenzahn ist schon seit jeher als höchst kriegerisch verschrien, denn er lässt bei gutem Winde Fallschirmtruppen feindwärts ziehen. Und ich sitz auf der Veranda und verzehre meine Suppe und entdecke in derselben zwei Versprengte dieser Truppe.“

Vom Löwenzahn können wir aber auch für unser Leben lernen:

Erstens: Jeder kennt die tiefen Wurzeln der mehrjährigen Pflanze. Was gibt uns festen Stand im Leben? Der christliche Glaube, die Familie, das Heimatgefühl. Wer tiefe Wurzeln hat – übersteht Krisen besser, das ist klar. Was können wir tun? Dankbarkeit lässt Wurzeln wachsen.

Zweitens: Die Leuchtkraft der Löwenzahnblüte ist erstaunlich – eine angenehme Ausstrahlung geht von den goldgelben Blüten aus. Jede menschliche Gemeinschaft sehnt sich nach solchen Leuchtpunkten: ehrenamtliches Engagement, Freundlichkeit. Da sind Leute mit Freude dabei, nicht, weil es ihr Job ist, sondern weil sie Lebensmut weitergeben möchten.

Drittens: Löwenzahn ist vasenunfähig, er passt in keine ideologische Vase, bleibt unangepasst.

Bleiben Sie Querdenker, erhalten Sie sich ihre Fragen. Lassen Sie sich nicht in „künstliche Vasen“ versetzen. Denn Isolation vom Lebensgrund, den Wurzeln, ist tödlich –. Vielleicht erinnern Sie sich an diese drei wichtigen Dinge, wenn Sie im Park den Löwenzahn sehen: Tiefe Wurzeln, Leuchtkraft und Vasenunfähigkeit! Ich wünsche sie Ihnen.

Christian Knoll, Pastor der Adventgemeinde Leipzig

Foto: Ch. Knoll

Kleine Schritte auf einem langen Weg

Der Weg ist noch lang bis zu einem „normalen“ Leben ohne Sorge um Ansteckung und Krankheit, so wie es noch Anfang des Jahres war – auch wenn bald nach und nach wieder Kinder zur Schule können, auch wenn manche Läden wieder öffnen, auch wenn demnächst mit Maske und Abstand irgendwas endlich wieder möglich wird …

Wissenschaft, Politik und überhaupt die meisten Menschen wissen: Das Virus bleibt gefährlich – manchmal sogar tödlich -, wohl noch monatelang. Diese Gefahr soll nicht weiter steigen.

Was ist möglich, ohne zu schaden? Und auch: Was ist nötig? Wer braucht gerade was am Dringendsten, und wie kann es funktionieren? Das ist der Maßstab für alle Lockerungen in nächster Zeit – so ersehnt auch ein Ende des Ausnahmezustands daheim wäre, oder Feiern mit Freunden, oder Sommerurlaub – oder schlicht: dass die Firma überlebt.

Sehnsüchtiges Warten und Hoffen – das zieht sich durch viele Geschichten der Menschheit – auch durch die Bibel. Und bei allen großen Hoffnungen erzählt sie auch immer wieder von kleinen Schritten, um lange Durststrecken durchzustehen: „Unser tägliches Brot gib uns heute“, heißt es im Vaterunser-Gebet, also: Gott, bitte gib uns Tag für Tag das, was wir gerade brauchen! Und kurz drauf sagt Jesus: Sorgt heute für das, was heute dran ist. Ja klar: behaltet die großen Ziele und Hoffnungen im Blick – und tut dafür das, was jetzt gerade nötig und vernünftig ist! Und morgen – kommt dann morgen dran.

Viele geduldige, hoffnungsvolle Schritte, einer nach dem anderen.

Friederike Ursprung
Evangelische Kirchenredakteurin Radio PSR

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