In die Schultüte kommt …

Heute ist es wieder soweit. Überall in der Stadt sind sie zu sehen: aufgeregte Kinder fast versteckt hinter ihrer großen Schultüte, die sie stolz tragen. So ein Bild findet sich auch in vielen Fotoalben. Wichtig ist für alle Kinder, was in der Schultüte steckt: Dinge, die für den Schulanfang gebraucht werden oder ihnen Freude bereiten.

Auch ich habe gerade wieder eine Schultüte gepackt – eine kleine für mein Nachbarskind – allerdings will ich ein paar besondere Dinge hineinlegen: einen Ball – auch Spielen muss sein; Garn für Freundschaftsbänder – Freundinnen und Freunde sind wichtig; noch etwas zum Kuscheln und Trösten, ein paar Bonbons und oben an die Schleife kommt ein Reflektorengel.

Der Engel sieht nicht nur schön am Schulranzen aus, sondern leuchtet in der Dämmerung und bei Dunkelheit. Und der Engel ist ein Bote Gottes und damit ein sichtbares Zeichen für Gott.

Für einen neuen Lebensabschnitt wie den Schulanfang – ja eigentlich für jeden Tag – brauchen wir die Begleitung durch Gott. Dafür gibt es den Segen. Der Segen ist mehr als ein Wunsch. Er ist die Kraft von Gott, die uns Mut macht. Den Segen brauchen unsere Schulanfänger für alles Neue, was sie nun erleben.

Der Engel am Schulranzen soll eine Erinnerung an den Segen sein. Der Segen wird in den Gottesdiensten zum Schulanfang persönlich zugesprochen. Segnen kann nicht nur die Pfarrerin, sondern jeder kann dies machen. Liebe Eltern – versuchen Sie es doch mal:
Gott ist immer bei dir. Gott schützt dich und hilft dir. Gott segnet dich.

Allen Schulanfängern und denen, die etwas Neues wagen, Gottes Segen!

Pfarrerin Angela Langner-Stephan, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Leipzig-Lindenau-Plagwitz mit Schwesterkirchgemeinden Schleußig und Kleinzschocher

Foto: Pixabay

Was ich einmal von einer Tomatenpflanze lernte

In meinem Supermarkt gibt es eine Ecke, in der Blumensträuße und Sämereien verkauft werden. Neuerdings werden da jetzt auch Tomatenpflanzen angeboten, die schon Früchte tragen. Vergangene Woche stand noch eine einzelne Tomatenpflanze da. Sie sah etwas verkümmert und traurig aus und hatte ihre meisten Blätter verloren. Und die, die gerade noch so an der Pflanze hingen, wurden schon gelb. Einige kleine grüne Tomätchen hingen dran, sahen aber so aus, als wenn sie es nicht über dieses Stadium hinausschaffen würden.

Aber auch eine große, ausgereifte Frucht hing dran. Eine einzelne. Knallrot und saftig. Ich dachte so bei mir: die arme Pflanze kauft bestimmt keiner mehr. Und doch strahlt sie so viel Energie aus. Nur aufgrund dieser einen großen Frucht, die nichts zu erschüttern scheint.
Diese Pflanze hat mir in diesem Moment wirklich etwas Nachhaltiges beigebracht: Egal, wie unsere äußeren Umstände sein mögen. Wir können immer noch aufblühen und reifen. Denn die Kraft dazu, die ist in uns.

Im Paulusbrief steht: „Wir werden zu Boden geworfen, aber wir stehen wieder auf und machen weiter.“
Ja, so manches Mal bekommen wir echt viel Widerstand. Privat, im Job oder wenn die Gesundheit nicht so will wie wir. Die Schlüsselfrage ist: Wie gehen wir damit um? Mit Rückschlägen? Oder wenn etwas nicht so funktioniert, wie wir es uns vorstellen? Es geht also nicht darum, ob uns Dinge passieren – denn das werden sie so oder so – sondern eher: wie händle ich die gewonnene Erfahrung, die ich sowohl aus guten als auch aus schlechten Erfahrungen ziehe?

Maxi Konang
evangelische Kirchenredakteurin bei HITRADIO RTL / Radio Leipzig

Foto: pixabay

Shalom – Friede!

Wer sich seiner Wurzeln beraubt, muss sich nicht wundern, wenn er an Standfestigkeit verliert. Der morgige Sonntag erinnert Christen an ihre Wurzeln. Sie lassen sich im Alten Testament finden. Dort können wir von Zusagen Gottes, wie z. B. die Verheißung seines Friedens lesen. Sie haben nichts an Aktualität verloren. Von dieser Perspektive aus betrachtet, sind wir mit Juden verschwistert. Leider gab es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder schreckliche geschichtliche Verwerfungen, infolgedessen das Trennende zwischen beiden Religionen ganz vorne stand und zum Tode vieler Unschuldiger geführt hat.

„Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5. Buch Mose, Kapitel 6, Vers 5)

Die Hingabe zu diesem einen Gott fordert heraus. Sein Zuspruch, uns als seine geliebten Kinder auf dem Lebensweg zu begleiten, hat praktische Folgen. Gott beansprucht uns für unseren Nächsten, ganz ohne Ansehen der Person. Denn Gottesliebe und Nächstenliebe sind miteinander verwoben. Sie lassen sich nicht voneinander trennen. Nehmen wir das uns verbindende Zutrauen Gottes ernst! Dabei kann es gelingen, über (religiöse) Grenzen hinweg, sich gemeinsam für Shalom in unserer Stadt zu engagieren. Fest verwurzelt und doch beweglich. So sehe ich Menschen, die es wagen, ihr Vertrauen auf den einen Gott zu setzen.

Es lohnt sich, dies auszuprobieren.

Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen
Pfarrer Martin Hundertmark, Thomaskirche zu Leipzig

Foto: unsplash

Frei und gebunden

Sommer, Reisen, die Freiheit von Pflicht und Arbeit genießen! Klar, dass Einschränkungen jetzt besonders stören. Die Masken nerven, ersehnte Reiseorte sind nicht erreichbar. Das sind wir nicht gewohnt. Deshalb hinterfragen wir, wollen Zusammenhänge verstehen; wollen wissen, warum die Regeln so sind wie sie sind. Und werden dann doch nicht alle einer Meinung sein…

Es ist das Großartige an der demokratischen Gesellschaft, dass der Einzelne sich die Freiheit nehmen kann, Dinge anders zu beurteilen als andere. Dazu muss der Raum sein, denn Individualität ist Teil unseres Zusammenlebens.

Das braucht als Gegenstück die Bereitschaft, Fakten zu prüfen, die Offenheit, auf andere Meinungen zu hören, und die Sensibilität, sich in den anderen hinein zu versetzen.

Und damit ist immer noch keine einfache Antwort zu haben, auch keine, die unverändert gilt. Freiheit erfordert die Bereitschaft, sich anfragen und verändern zu lassen. Sie stellt uns auf das freie Feld der selbst zu verantwortenden Entscheidung.

Diese Art, Freiheit zu leben, steht in der christlichen Tradition. Freiheit ist nicht ohne Bindung zu haben: an den Nächsten oder Übernächsten, dessen Gesundheit eben nicht egal ist und an Gott, der Menschen verbindlich aneinander verweist: niemand ist allein unterwegs. Was uns offensichtlich äußerlich einschränkt, gibt denen Schutz und Sicherheit, die dessen bedürfen.

Jetzt ist die Zeit, in dieser Freiheit neue Formen des Miteinanders zu probieren, die unsere Gesellschaft zu einem guten Ort für alle machen; und das nicht nur im Sommer.

Jutta Michael, Pfarrerin für Bildungsarbeit auf dem Campus forum thomanum

Foto: Pixabay