Es kann nur besser werden

An jedem Jahreswechsel besteht die Möglichkeit erwartungsvoll nach vorn zu schauen auf das was im neuen Jahr zu erwarten ist. Dabei kann auch ein Vergleich mit den vergangenen zwölf Monaten anstehen und es kann schnell die Hoffnung aufkommen, dass es nur besser werden kann. Denn deutlich war und ist die Bedrohung und umfassend die Einschränkungen, einschneidend das Leiden und Sterben. Es besteht ja auch die Hoffnung auf die Wirksamkeit und Einsatzfähigkeit der entsprechenden Impfstoffe. In diesem Sinne kann es nur besser werden. Unabhängig von dieser erwarteten Entwicklung, können alle, die weiterhin Lebenszeit geschenkt bekommen, dafür dankbar sein, dass sie die Möglichkeit haben die Schönheiten des irdischen Lebens wahrzunehmen. Wer in dieser Weise empfangend ist, hat auch allen Grund der Jahreslosung für das Jahr 2021 nachzukommen. Jesus Christus spricht im 6. Kapitel des Lukasevangeliums: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Vers 36). Gott, der himmlische Vater schenkt seine Barmherzigkeit denjenigen, welche nicht so leistungsfähig sind, wie manche, denen große Begabungen zu teil wurden. Er sieht sie mit seinen liebenden Augen an und wird sie einst in seine Geborgenheit aufnehmen, unabhängig davon, was sie an Bleibendem hinterlassen haben. Deshalb kann es für dieses Jahr ein Vorhaben sein, sich Menschen zuzuwenden, die der Hilfe bedürfen und einsam sind.  Barmherzigkeit von Gott und Jesus Christus geschenkt zu bekommen ist eine große Gnade. Dieses Geschenk zu teilen und anderen von der Kraft etwas zukommen lassen, die einem selbst gegeben ist, ist ein guter Auftrag, dessen Erfüllung auch dazu beitragen kann, dass das neue Jahr ein besseres Jahr wird. In diesem Sinne wünsche ich allen ein gesegnetes Jahr 2021.

Pfarrer Dr. Peter Amberg, Christuskirche Eutritzsch

Grafik: Lotz

Was ist das für ein Weihnachtsfest?

Was ist das für ein Weihnachtsfest in diesem Jahr? Alles ist anders, nichts mehr scheint normal zu sein.

In der ursprünglichen Weihnachtsgeschichte scheint jedoch auch vieles nicht normal zu sein: Maria und Joseph müssen nach Bethlehem gehen, weil der Kaiser es so will. Maria ist hochschwanger. In Bethlehem ist kein Platz für sie. Die Geburt lässt sich nicht mehr aufschieben. Ein Stall muss genügen. Und eine Krippe für das Kind, das ist im Grunde unzumutbar.

Doch genau das ist Weihnachten: Gott kommt in einem Kind in unsere Welt, hören wir später. Genau dorthin, wo sich Menschen in sehr schwierigen Lebensumständen befinden. Jesus ist geboren, der später von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt“.

Was ist das für ein Weihnachtsfest in diesem Jahr? Sicher kein normales Fest. Aber im Kern ist Weihnachten dort, wo Menschen in der Nachfolge dessen, der zu Weihnachten geboren wurde, für mehr Licht in unserer Welt sorgen: Menschen, die in Krankenhäusern, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Pflegeheimen, oder anderswo das Beste geben. Mütter und Väter, die versuchen, auch in diesen Zeiten Beruf und Familie zu vereinen. Da sind Menschen, die dem bewussten Unterlaufen von Infektionsschutzmaßnahmen klar entgegentreten, um das Leben anderer zu schützen. Manche sind sehr fantasievoll und machen Mitmenschen eine Freude oder unterstützen sie auf vielerlei Weise. So kommt das Licht der Heiligen Nacht in unsere Welt, in unser Leben. So dürfen wir auch in diesem Jahr Weihnachten feiern. Trotz allem.

Foto: Müller

Dieses Weihnachten werden wir nicht so schnell vergessen,

das steht fest! Weihnachten im Lockdown: ohne Weihnachtsmarkt, ohne die Weihnachtsfeier mit der ganzen Familie, die von überall her anreist. Gottesdienste am Heilig Abend ohne „O du fröhliche“ und „Stille Nacht“ – das hatten wir noch nie.

Viele werden sich „fehl am Platz“ fühlen – eigentlich wollten sie ganz woanders sein am Heiligen Abend. Das jedenfalls haben sie mit Maria und Josef gemeinsam. Die wollten auch nicht in Bethlehem sein und schon gar nicht in einem Stall, als ihr erstes Kind zur Welt kam. Zwar hätte Maria sich gewiss eher ihre Mutter oder eine Freundin an ihrer Seite gewünscht als die Hirten vom Feld, die die Engel zu ihnen geschickt hatte – aber immerhin – die unbeholfenen Worte der Hirten haben ihr Herz erreicht. Ein schwacher Trost ist besser als gar keiner.

Hilft das dem jungen Mann in der Psychiatrie, der wegen Corona kaum Besuch bekommen kann oder der alten Dame im Seniorenheim, die in den letzten Jahren zu Weihnachten immer von ihren Kindern abgeholt wurde? Wahrscheinlich am ehesten dann, wenn sie in diesen Tagen auch mal sagen können: Dich / Sie schickt mir der Himmel – und sei es bloß, dass ein Gruß sie erreicht oder auch Musik an ihr Herz dringt, die sie tröstet.

Ich hoffe ehrlich gesagt, dass die „Engel“ von heute sie spüren lassen: Du bist nicht vergessen, von mir nicht, von Gott nicht.

Engel mit Flügeln habe ich noch nie gesehen – solches mit zwei Beinen schon viele.

Pfarrerin Ruth Alber, Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde im Leipziger Süden

Foto: Lotz

Heiland?

In Liedern und Geschichten zum Advent ist oft vom „Heiland“ die Rede. Bis zum Heiligabend, wenn es in der Weihnachtsgeschichte heißt: „… denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids.“ Als Kind hatte ich lange keine Ahnung, was das Wort bedeuten sollte, aber es hörte sich wohltuend an und ich verband mit ihm ein angenehmes Gefühl.

Wenn ich heute nach diesem Gefühl suche, finde ich es ganz woanders. Dann sitze ich abends lesend. Mein mittlerer Sohn geht vorbei und fährt mir unerwartet mit seinen Fingerspitzen durchs Haar. Eine komische Angewohnheit könnte man denken. Aber was sie in mir auslöst ist erstaunlich. Es rieselt mir den Rücken hinunter vom Scheitel bis zur Zehe. Wärme breitet sich aus. Fast meine ich für einen Moment zu schweben. In dem kleinen Ereignis erfasst mich eine große Erkenntnis. Wenn ich mich wohl auf dieser Welt und in meinem Leben fühle, dann sind dafür viel häufiger andere verantwortlich, als ich selbst.

Die Tragweite dieser Erfahrung muss man erst einmal zulassen können. Sonst sind wir ja für alles immer selbst zuständig. Legen viel Wert darauf, die Dinge möglichst fest in der Hand zu behalten. Hilfe annehmen ist eine schwierige Sache. Im Advent ist „der Andere“ mit dem alten Wort „Heiland“ benannt, auf den wir warten, damit er uns rettet und segnet. Das kribbelt und wärmt.

Lüder Laskowski, Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“

„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ – Jahreslosung 2021

Quelle: https://gemeindebrief.evangelisch.de

„Mit Worten berühren“

„Mit Worten berühren“, so lautete der Titel eines Vortrages, der mich sehr berührt und inspiriert hat. In diesen Tagen geht er mir wieder durch den Kopf. Wie kann man Abstand halten und trotzdem Menschen berühren, Kontakte beschränken und trotzdem in Verbindung bleiben, sich fern halten und dennoch Nächstenliebe zeigen?

Derzeit veröffentlichen Leipziger Kirchen in Zusammenarbeit mit der LVZ einen digitalen Adventskalender, in dem jeden Tag ein kleines Videotürchen mit einer Geschichte, hoffnungsvollen Bildern oder auch Tönen erscheint. Zu finden sind die Videos über die Internetseite der LVZ unter „Lokales“ und auf adventskalender-leipzig.de.

Viele Gemeinden bieten zusätzlich Gottesdienste im Internet an. Menschen können online füreinander beten auf der Gebetsplattform www.beten.digital. Manche berühren auch mit Bildern, so zum Beispiel @Hoffnung_im_advent auf Instagram. Analog gibt es wöchentliche Telefonandachten unter 0341/9999990.

Dies sind nur einige Beispiele. Es gibt in dieser Advents- und Weihnachtszeit viele Möglichkeiten sich berühren und inspirieren zu lassen. Lassen Sie uns das nutzen und weitergeben! Wo sind Menschen, die einsam sind, oder die sich über einen (weitergegebenen) Adventsgruß freuen würden und, wie können wir sie erreichen? Lassen Sie uns füreinander da sein und mit Worten, Bildern, Briefen und vielen kreativen Möglichkeiten berühren.

Pfarrer Sebastian Keller, Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig

Foto: Lehmann