Jüdisches Leben in Gohlis – Finissage am 9. November mit szenischer Lesung

Ausstellung in der Michaeliskirche begibt sich auf Spurensuche

Noch bis zum 29. Oktober ist die Ausstellung „Ich hatte einst ein schönes Vaterland“ – Jüdisches Leben in Gohlis und der äußeren Nordvorstadt – in der Michaeliskirche am Nordplatz täglich von 15 bis 18 Uhr zu sehen.

Die Ausstellung, von Elisabeth Guhr erarbeitet, schlägt einen Bogen von den jüdischen Sommergästen in Gohlis in der Mitte des 19. Jahrhunderts (u.a. die Familien Wittgenstein und Plaut) bis zu den Fluchtwegen auf denen deutsche Juden ihre Heimat wegen Diskriminierung, Verfolgung und drohender Deportation verlassen haben. Manche von ihnen hatten sich erst zehn Jahre zuvor ein Haus in Leipzig gebaut.

Die Geschichten dieser Menschen werden in der Ausstellung mit ihren Wohnstätten verbunden.

Verdienstvolle Professoren wie der Germanist Georg Witkowski, der Mathematiker Felix Hausdorff oder der Förderer des Ägyptischen Museums der Universität Leipzig, Georg Steindorff, lebten in Gohlis oder der Nordvorstadt.

Die wichtigsten Vertreter der Rauchwarenwirtschaft, wie die Familie Harmelin oder Chaim Eitingon wohnten in der Nähe der Michaeliskirche. Der Architekt Wilhelm Haller und der Professor an der Akademie für Graphische Künste Hugo Steiner Prag lebten zu verschiedenen Zeiten im gleichen Haus in der Weinligstraße. Sie alle flohen vor dem Terror der Nazis.

Ihnen, den einstigen Nachbarn, ist die Ausstellung gewidmet.

Zur Finissage am Montag, dem 9. November 2020, 19.30 Uhr, in der Michaeliskirche lädt die Kirchgemeinde herzlich ein. Auf dem Programm steht unter anderem eine szenische Lesung mit Professor Friedhelm Eberle: „Der Arzt von Wien“, ein Monodrama von Franz Werfel. Am Klavier begleitet Ketevan Warmuth die Veranstaltung.

Foto: Michaeliskirche_Kirchenbezirk Leipzig