Umwälzungen

Ein Mehr von Fahrrädern. Besuch in den Niederlanden: Hier sehe ich, wie in der Stadt die Verkehrswende schon längst passiert ist. Innenstadt und Wohnviertel in Groningen sind in erster Linie für Fußgänger und Radfahrer da. Dass die Niederlande im wirtschaftlichen Ruin enden, weil es Tempo-Limit und Vorrang für Radfahrer vor PS-starken Karossen gibt, ist nicht zu erkennen. Leipzigs Bemühungen in Verkehrsfragen finde ich gut. Aber auch mir geht es zu langsam.

Wir erleben aktuell Umbrüche in vielen Bereichen. Die Politik ruft aktuell Themen auf wie industrielle Landwirtschaft, Digitalisierung, Abschaffung des Bargelds, Verkehrswende, Geschlechtergerechtigkeit, Energiewende etc. In einigen Punkten wird in dieser Woche klar, dass wir wohl statt Umwälzungen kleine Schritte bekommen.

Und auch bei uns in der katholischen Kirche stehen große Veränderungen an – oder vielleicht eine Katastrophe, wenn keine erfolgen. Ich habe keine Ahnung, wo wir in fünf Jahren stehen werden.

Veränderung bedeutet den Untergang, befürchten die einen. Sie fürchten abgehängt zu werden, ihr Land und ihr Leben nicht mehr wiederzuerkennen. Anderen geht alles nicht schnell und nicht radikal genug. Heilsversprechen werden an zweifelhafte Projekte geknüpft. Eine Vermittlung über die Gräben hinweg scheint oft unmöglich.

Diese Vermittlung zwischen den Menschen allerdings ist das, was die Nachfolge Jesu von den Christen verlangt.

von Stephan Radig, katholischer Theologe und Journalist

 

Foto: Lehmann

 

Solange du auf dem Weg bist

Ich bin ärgerlich. Ja, beim genaueren Hinsehen bin ich auch wütend. Wer kennt das nicht. Meist regt sich erster Unmut in uns, wenn wir Unrecht wittern oder unsere Machtlosigkeit spüren. Gerade wird von höherer Ebene über die Zukunft der beiden Innenstadtgemeinden St. Thomas und St. Nikolai entschieden, ohne dass die Menschen vor Ort dem Vorhaben zustimmen. Natürlich regt sich da Protest. Und dass die Solidarität der Nikolai- und Thomasgemeinde mit den anderen der gesamten Landeskirche in Frage gestellt wird, schmerzt, weil sie durch Strukturveränderungen in den letzten Jahren Einsicht in die Notwendigkeit gezeigt haben. Doch jetzt geht es um mehr, nämlich um die Vermischung und nicht die Schärfung von zwei außerordentlichen Profilen, um den Rückbau zwei ganz unterschiedlicher Konzepte mit jeweils eigener Ausstrahlung und Bindekraft. Die Thomaskirche und die Nikolaikirche sind Marken, die weithin bekannt sind. Sie anzutasten, macht ärgerlich, und das nicht nur mich. Die Bergpredigt wird damit auch für die Christen der betroffenen Gemeinden zur Herausforderung, wenn Jesus sagt: „Vertrage dich mit deinem Gegner, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist“ (Matthäusevangelium). Noch sind wir nicht am Ende des Weges, es bleibt Zeit, nach Lösungen und Antworten zu suchen. Darum werden wir uns bemühen, damit nicht Besiegte oder Verlierer zurückbleiben. Ich wünschte, wir könnten damit Vorbild sein.

von Bernhard Stief, Pfarrer der Kirchgemeinde St. Nikolai

 

Panorama Leipzig, Foto: Kirchenbezirk Leipzig

Kirche, wohin? – Gesprächsabende in der Peterskirche

In einer neuen Gesprächsreihe denkt die Gemeinde der Peterkirche darüber nach, wozu wir Kirche heute brauchen. Die Coronapandemie hat manche Probleme neu ins Bewusstsein gerückt, die vielleicht schon länger schwelen. Wohin geht es mit unserer Kirche? „Die Frage berührt auch das Leben der Kirchgemeinden“, sagt Pfarrerin Christiane Dohrn, und dass die Antwort – Gott sei Dank – nicht allein von uns abhängt. Aber wichtig sei es schon, wie sehr wir die Kirche eigentlich brauchen und in welchem Maße ihre Angebote uns entgegenkommen, meint die Pfarrerin weiter. „Davon hängt vieles ab für die Zukunft unserer Kirche – und für alle, die mit ihr einen Weg suchen.“

An fünf Gesprächsabenden – jeweils mittwochs, 19.30 Uhr, in der Christenlehrekapelle der Peterskirche, sind Interessierte eingeladen, miteinander nachzudenken und ihre Meinungen dazu auszutauschen.

Termine und Themen:

  • 27. Oktober: Ablegen, was uns im Innersten bewegt.
    Kirche als Ort der Stille, der Klage und des Gebets
  • 3. November: Suchen, wo uns Antworten fehlen.
    Kirche – Begegnungsort der Unfertigen und Ratlosen
  • 10. November: Hören, worauf wir uns verlassen können.
    Kirche als Echoraum für Gottes menschliches Wort
  • 24. November: Ringen um das, was gerecht ist in unserer Welt.
    Kirche, die hinschaut, wo Not ist
  • 1. Dezember: Feiern, was stärkt und verbindet.
    Kirche als Gemeinschaft im Glauben und Leben

Die Abende werden thematisch eingeleitet. Es wird ausreichend Gelegenheit zu Begegnung und Gespräch geben. Jede/r darf, niemand muss reden. Für die Beachtung der geltenden Abstandsregeln wird gesorgt. Die Abende werden u. a. eingeleitet durch Prof. Jürgen Ziemer, Pfarrer Andreas Dohrn, Pfarrerin Christiane Dohrn, Prädikantin Anna Rietzschel.

www.kirche-leipzig-sued.de/peterskirche/nachrichten.html

 

Peterskirche Leipzig, Foto: Kirchenbezirk Leipzig

„Orgelherbst“ in der Nikolaikirche

Bis Ende Oktober werden Organistinnen und Organisten aus dem In- und Ausland im Rahmen des Orgelherbstes jeweils sonnabends 17 Uhr vielfältige Konzertprogramme in der Nikolaikirche zu Gehör zu bringen.

Die 5-manualige Ladegast-Eule-Orgel in der Stadtkirche St. Nikolai ist mit ihren 103 Registern und 6.804 Orgelpfeifen – im wahrsten Sinne des Wortes – eine „Königin der Instrumente“ und bietet ein beeindruckendes, berührendes Klangerlebnis.

Orgelherbst_2021

 

Nikolaikirche Leipzig, Foto: Kirchenbezirk Leipzig

Erntedank im Kühlschrank

Wenn Sie ihren Kühlschrank öffnen, geht garantiert das Licht an. Das ist bei jedem so. Doch was Sie dann sehen, wird sich von dem unterscheiden, was andere vor sich haben. Je nach Geschmack. Nun sehe ich selten in Kühlschränke anderer Menschen. Aber manchmal erwische ich mich dabei, wie ich prüfend in die Einkaufskörbe anderer Leute linse. Obwohl ich weiß, wie unangenehm es mir ist, wenn ich solche fremden Blicke auf meinem eigenen Einkauf spüre. Einkaufswagen sind wie Kühlschränke sehr persönliche Orte. In ihnen wird sichtbar, was man für ein Typ ist. Sauber oder leger, Feinschmecker oder rustikal, gegen die Pfunde kämpfend oder dem Süßen erlegen, allein oder in Familie.

„Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.“ Dieser Satz aus dem Buch der Psalmen in der Bibel geht davon aus, dass es schon immer irgendwie reichen wird. Es ist auch mitgedacht, dass jeder und jede bekommt, was ihm schmeckt. Ebenso, dass wir mit den Augen essen. Selten war es möglich, einen solchen Satz ganz unbefangen als Tatsachenbeschreibung zu lesen. Wenn wir den Einkauf nicht vergessen haben, wird sich in unserem Kühlschrank immer etwas finden. Das ist in der Geschichte und weiten Teilen der Welt überhaupt nicht selbstverständlich. Einmal im Jahr nicht nur Tür auf und zu, sondern reinsehen, innehalten, staunen und danken wäre gut. In den Kirchen nennt sich diese Unterbrechung „Erntedank“.

von Lüder Laskowski, Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“

 

Foto: Pixabay

 

„Telemann – Bach – Harrer. Leipzig um 1750“ – Konzert in der Paul-Gerhardt-Kirche Connewitz

Am Sonnabend, den 30. Oktober 2021, 20 Uhr findet in der Paul-Gerhardt-Kirche Connewitz, Selneckerstr. 5 ein Konzert mit dem Titel „Telemann – Bach – Harrer. Leipzig um 1750“ statt. Musikalisch ausgestaltet wird der Abend durch Ina Siedlaczek im Sopran, Inga Jäger im Alt, Stephan Scherpe im Tenor, Diogo Mendes im Bass und dem Gellert Ensemble – Chor und Orchester unter Leitung von Andreas Mitschke. Karten sind für 15 Euro, ermäßigt 10 Euro in der Musikalienhandlung Oelsner oder Abendkasse erhältlich. Veranstalter ist kultur_nah. Management und Promotion für Kultur und Medien.

Mit der „Missa in D-Dur“ von Johann Sebastian Bachs Amtsnachfolger Gottlob Harrer steht ein außergewöhnliches Beispiel italienischer Kompositionsart auf dem Programm, wie sie vom Leipziger Rat und vielen Musikinteressierten in Nachfolge von Bach präferiert wurde. Die Messe wurde von Harrer als Schüler Jan Dismas Zelenkas im Umfeld des am italienischen Gusto orientierten kursächsischen Hofes in Dresden komponiert, das überlieferte Notenmaterial von Leipziger Thomasschülern geschrieben. Es wurde also nicht nur im „Großen Concert“ italienische Musik gespielt, sondern auch in der Thomaskirche erklangen zu den Gottesdiensten angepasst bzw. eigens dafür komponierte Werke.

Das Pasticcio aus zwei Konzertsätzen Telemanns mit dem verbindenen Bachschen Mittelsatz „Sei Lob und Preis mit Ehren“ geht ebenfalls auf eine Zusammenstellung Harrers zurück. Dessen Sinfonie als Ersatz zum Graduale wurde einst von Breitkopf vertrieben, ist heute in der Leipziger Stadtbibliothek überliefert und zeigt sich als Jagdsinfonie für Schloss Hubertusburg ganz im Stile des kursächsischen Hofes: als Marsch mit Menuett.

Dieses Konzert wird durch die Mitteldeutsche Barockmusik e.V. aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und durch das Kulturamt der Stadt Leipzig gefördert.

 

Gellert Ensemle © Benno Hoppe

Veranstaltungen zum Reformationsfest in Leipziger Kirchen

Mit besonders gestalteten Gottesdiensten und Konzerten laden Leipziger Kirchen am Reformationstag, 31. Oktober, zum Besuch ein.

Um 10.30 Uhr wird in die Paul-Gerhardt-Kirche Connewitz, Selneckerstr. 5 zu einem Kantatengottesdienst zum Reformationsfest eingeladen. Zu hören ist die Kantate „Ein feste Burg ist unser Gott“, BWV 80 von Johann Sebastian Bach. Mitwirkende sind Johanna Ihrig im Sopran, Hanna Hagel im Alt, Christoph Pfaller im Tenor, Diogo Mendes im Bass, Mitglieder des Vocalconsort Leipzig und ein Instrumentalensemble auf historischen Instrumenten unter Leitung von Kantorin Elisabeth Kindel.

Ein Festgottesdienst mit Glockenweihe findet um 11.00 Uhr in der Thomaskirche Leipzig statt. Besucher können den Thomanerchor erleben, unter Leitung von Thomaskantor Andreas Reize. Musikalisch begleitet wird er vom Posaunenchor der Thomaskirche unter Leitung von Jürgen Hartmann, der Singschule St. Thomas und dem Blockflötenensemble an der Thomaskirche. Anschließend wird zum Gemeindetag auf den Thomaskirchhof eingeladen.

Um 17.00 Uhr öffnet die Thomaskirche noch einmal ihre Türen für ein Konzert für Viola da Gamba und Orgel. Zu hören sind Thomas Fritzsch an der Viola da Gamba und der scheidende Thomasorganist Ullrich Böhme an der Orgel.

Kantaten zum Reformationsfest sind auch 15.00 Uhr in der Kirche Panitzsch zu hören. Umgesetzt werden sie von Gesangssolisten und dem Sächsischen Barockorchester unter Leitung von Gotthold Schwarz. Der Eintritt ist frei, um eine Kollekte wird gebeten.

„Heiliger Martin, lehr uns teilen“ lautet der Titel eines Singspiels über Martin Luther, das um 16.00 Uhr in der Hainkirche St. Vinzenz Lützschena, Elsteraue 7 aufgeführt wird. Das Singspiel wird im Familiengottesdienst von Teilnehmern einer Kinder-Singfreizeit gestaltet. Im Anschluss gibt es Reformationsbrötchen, die sich gut teilen lassen.

Lucas Pohle spielt um 17.00 Uhr in der Kirche Zuckelhausen (Holzhausen), Zuckelhausener Ring auf der Orgel von Universitätsorgelbaumeister Johann Gottlob Mende. „Ein feste Burg ist unser Gott“ lautet der Titel des Orgelkonzertes zum Reformationsfest.

Im Orgelkonzert um 20.00 Uhr in der St. Moritzkirche Taucha, Kirchstraße werden Werke zur Reformation, von Johann Sebastian Bach und Improvisation aufgeführt. Matthias Eisenberg ist an der Orgel zu erleben. Der Eintritt ist frei.

 

Foto: epd-Bild

Mission – Werk der Liebe

Als Christ sehe ich die Liebe Gottes in Christus verkörpert, in seinem Leben und Sterben. Aufgewachsen in einer gemischt-religiösen Familie ist diese Liebe in Christus für mich keine Grenzmarke, die mich von anderen Menschen trennt. Sondern sie verbindet mich mit ihnen: Ich suche Wege der Begegnung mit Menschen anderer Religionszugehörigkeit. Ich setze mich ein für Gerechtigkeit und Menschenwürde.

„Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“ – das ist das Motto der Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen 2022 in Karlsruhe. Aber schon ab Montag treffen sich unter diesem Motto in der Leipziger Peterskirche die Delegierten des Dachverbands Evangelische Mission Weltweit EMW. Das Leipziger Missionswerk mit seiner 185jährigen Geschichte – davon 173 Jahre in Leipzig – ist Gastgeber dieser Mitgliederversammlung.

Mission hat den Geruch des Kolonialismus, leider, auch wenn die konkrete Arbeit der Missionar:innen davon motiviert und geprägt war, die Liebe Gottes in Christus zu bezeugen.  Bei aller (Selbst-)Kritik an unserer kolonialen Verwicklung hören wir deshalb auch die Stimmen aus dem globalen Süden, die uns daran erinnern, wie sie durch das Lebenszeugnis von Missionar:innen Befreiung und Lebensstärkung erfahren haben.

Was würden Sie denn gern als Botschaft hören, wenn jemand von der Liebe Gottes in Christus redet? Erwarten Sie religiöse Innerlichkeit? Oder denken Sie an solidarische Gerechtigkeitsarbeit? Oder wünschen Sie sich Stärkung auf Ihrem Lebensweg? Schreiben Sie mir – ich bin gespannt. Ravinder.Salooja@LMW-Mission.de

von Ravinder Salooja, Direktor des Evangelisch-Lutherischen Missionswerks Leipzig e.V.

 

Foto: Pixabay

Nach der Wahl: Zeit für mehr Freundlichkeit!

Was Sie jetzt gleich lesen, könnte dazu führen, dass Sie mich für naiv halten. Oder für einen unverbesserlichen Optimisten. Aber damit kann ich leben. Nun denn: ich wünsche mir, dass sich nach der Bundestagswahl tatsächlich etwas verändert in Deutschland – nämlich die Art, wie wir miteinander umgehen!

Denn ich bin müde vom ständigen Gepoltere gegen das, was einem selbst nicht in den Kram passt. Das geht los bei Sätzen wie “Die da oben kümmern sich doch eh nur um sich” und hört bei “Mein Nachbar, dieser Depp, hat seit Wochen den Rasen nicht gemäht!” noch lange nicht auf. Spüren Sie auch, dass der Umgangston in unserer Gesellschaft deutlich rauer geworden ist?

Klar kann man da schön auf andere zeigen – auf “die Medien” oder “die Regierenden”. Aber auch und gerade die ganz normalen Gespräche bei Familienfeiern, nach Gottesdiensten, bei zufälligen Treffen driften oft ab in gegenseitige Belehrungen und Debatten, bei denen man den anderen von der eigenen, viel richtigeren Meinung zu überzeugen versucht.

Ganz gleich, wie die Bundestagswahl morgen ausgeht und wer da künftig Verantwortung übernimmt: ich wünsche mir, dass diese Menschen eine faire Chance bekommen. Dass man nicht geradezu darauf wartet, wer wann endlich den ersten Fauxpas liefert, über den man sich genüsslich echauffieren kann.

Ja, ich wünsche mir mehr Mitgefühl, Fairness und Freundlichkeit. Denn das gefällt nicht nur naiven Menschen und unverbesserlichen Optimisten.

von Daniel Heinze, katholischer Kirchenredakteur bei Radio PSR

 

Foto: Lehmann

Gemeinsames Wort zur Wahl

Landesbischof Tobias Bilz (Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens) und Bischof Heinrich Timmerevers (Bistum Dresden-Meißen) wenden sich im Vorfeld der Bundestagswahl am 26. September 2021 mit einem gemeinsamen Wort an die Bürgerinnen und Bürger sowie die Christinnen und Christen in Sachsen.

Gemeinsames Wort zur Wahl

Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Christinnen und Christen,

mit der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag am 26. September 2021 befindet sich unsere Gesellschaft vor vielfältigen Herausforderungen, die nach neuen Wegen suchen lassen, aber auch verunsichern:

  • Erst kürzlich haben wir durch Flutkatastrophen gesehen, wie not-wendend und wichtig unsere Solidarität ist. Wozu sind wir künftig bereit? Dürfen wir aufeinander zählen?
  • Die Coronapandemie verlangt weitaus mehr als neue Impfstoffe. Wie geht es weiter im Leben unserer Gesellschaft, insbesondere in Schulen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Einrichtungen, aber auch weltweit?
  • Der Ausstieg aus etablierten Energiequellen wie der Braunkohle verlangt nach neuen Konzepten. Doch wie behalten wir die Menschen in den betroffenen Regionen im Blick?
  • Die Lage in Afghanistan wie auch andere Hilferufe jenseits unserer hiesigen Grenzen werfen humanitäre Fragen auf. Wie handeln wir für Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens und aus Angst um ihre Zukunft ihre Heimat verlassen müssen?
  • Der Schutz und die Würde des Lebens – vom Beginn bis zum Ende – sind nach wie vor oberstes Verfassungsziel und stehen dennoch auf dem Prüfstand. Wie kann diese Würde bewahrt werden?
  • Die Verantwortung für die Schöpfung ist uns gemäß der biblischen Botschaft in die Hand gelegt. Wie sorgsam und nachhaltig gehen wir mit dieser Schöpfung um?
  • Die Digitalisierung verändert unser soziales, wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben. Welche Steuerungsmöglichkeiten haben wir und wie nutzen wir sie?

Die gegenwärtige gesamtgesellschaftliche Situation macht deutlich, dass die Beteiligung an einer Wahl nicht nur ein Bürgerrecht ist, sondern auch elementarer Bestandteil unserer Verantwortung für die Gesellschaft und die Zukunft unseres Landes. Freie Wahlen sind ein Kern unserer Demokratie. Von daher bitten wir Sie eindringlich, Ihr Wahlrecht auszuüben. Durch unseren Glauben sind wir in besonderer Weise dem menschlichen Miteinander und der Verantwortung für spätere Generationen verpflichtet. Auf der Grundlage des Evangeliums bringen wir uns mit unseren Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten in den gesellschaftlichen Diskurs ein und geben so der christlichen Botschaft in unserer Welt Stimme und Gestalt.

Wir geben keine Empfehlung darüber, welcher Partei oder Person Sie Ihre Stimmen zukommen lassen sollten. Doch wir bitten Sie darum, Ihre Wahlentscheidung am christlichen Menschenbild auszurichten. Als Kirchen stehen wir für Einzigartigkeit und Würde der Person, Verantwortung für das Gemeinwohl, gelebte Solidarität, Subsidiarität und Nachhaltigkeit als Grundlage unseres Handelns aus dem christlichen Glauben heraus.

Tobias Bilz
Landesbischof der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens

Heinrich Timmerevers
Bischof des Bistums Dresden-Meißen

Dresden, 17. September 2021