„#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“

die ökumenische Kampagne ist ein Beitrag zum diesjährigen Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Sie möchte Anstoß geben, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen. Dazu wird zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen. Unter www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de sind ausführliche Informationen zu finden.

Die Jüdisch-Christliche Arbeitsgemeinschaft Leipzig lädt jeweils am dritten Mittwoch im Monat zu Veranstaltungen im Rahmen des Festjahres ein. So heißt es in der ersten Veranstaltung am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, 18 Uhr, „Eine Heilige Schrift – zwei Religionen“.
Die Tora ist Quelle des Glaubens von Jüdinnen und Juden, wie von Christinnen und Christen als Teil der Bibel. Die einen lesen sie am Sabbat in der Synagoge, die anderen am Sonntag in der Kirche – beiden ist sie Heilige Schrift. Doch wie verstehen wir sie? Welche Traditionen der Auslegung gibt es und was macht diese aus?
Unter folgendem Link können Interessierte dem Zoom-Meeting beitreten: https://https://zoom.us/j/96375399510?pwd=Q2RnY1BpVUNMS0RocWoyWmhlU3ZlUT09

Der 27. Januar ist der Internationale Gedenktag der Schoa, in Deutschland der Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus. Das Friedensgebet am 25. Januar, 17 Uhr, in der Leipziger Nikolaikirche ist diesem Gedenken gewidmet. Es wird von der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft gestaltet.

Eine weitere Vortragsveranstaltung der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft findet am Donnerstag, dem 28. Januar 2021, 19 Uhr, per Zoom statt. Referent Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens, Darmstadt, spricht zum Thema „Neuzeitliche rabbinische Perspektiven auf das Christentum“.

Immer wieder gab es innerhalb des Judentums die Diskussion um den Status des Christentums. Ist es eine anerkannte Religion oder vielleicht aufgrund der Trinität kein Monotheismus? Spätestens seit der Aufklärung haben sich herausragende Rabbinische Gelehrte wie zum Beispiel Jacob Emden (1697–1776) bemüht, Christen in ihrem Glauben zu verstehen. Doch ist dies auf christlicher Seite bisher kaum wahrgenommen worden. Rabbiner Jehoschua Ahrens geht den frühen jüdischen Angeboten eines theologischen Gespräches nach.

Link zum ZOOM-MEETING:
https://zoom.us/j/98747970059?pwd=Q200NVF6ZVhPYzdpYjd4NVhEN2xxUT09

KEL wieder im Stadtzentrum erreichbar

Die Kirchliche Erwerbsloseninitiative Leipzig (KEL) ist ab sofort wieder in der Ritterstraße 5, Nähe Nikolaikirche, erreichbar. Nach mehrwöchiger Renovierung der Beratungsräume freut sich das KEL-Team, seine Arbeit unter der bekannten Adresse im Stadtzentrum fortzusetzen.

Allerdings können Beratungen aufgrund der aktuellen Situation im Moment nur nach vorheriger Terminvereinbarung stattfinden. In der Beratungsstelle sind die notwendigen Hygienemaßnahmen einzuhalten (Abstand, Mundschutz, Händewaschen/-desinfektion).

Zur Terminvereinbarung und für weitere Anfragen ist das Sekretariat der Einrichtung Montag bis Freitag ab 8.30 Uhr unter der Telefonnummer 0341 960 50 45 oder per E-Mail: ke-leipzig@evlks.de erreichbar.

www.ke-leipzig.de

Foto: Kirchliche Erwerbsloseninitiative Leipzig

donnerstags 12 Uhr – Orgel-Punkt Zwölf in der Peterskirche

Jeden Donnerstag, 12 Uhr, wird zu Orgelmusik und Besinnung in die Peterskirche, Schletterplatz, eingeladen. Unter dem Titel „Orgel-Punkt-Zwölf“ findet diese Veranstaltung bereits seit 1996 regelmäßig statt. Leipziger Theologen geben kurze geistliche Impulse und Studenten vom Kirchenmusikalischen Institut der Hochschule für Musik und Theater Leipzig konzertieren unentgeltlich zugunsten der neuen Großorgel der Peterskirche.

Gespielt wird an der Orgel der Firma Jahn/Dresden, welche 1968 aus Universitätskirche St. Pauli am Augustusplatz kurz vor ihrer Sprengung gerettet werden konnte und seitdem in der Peterskirche erklingt.

Die ehemalige Schulorgel der Universitätskirche St. Pauli wurde nach umfangreicher Restaurierung durch Gerd-Christian Bochmann, Kohren-Sahlis, im Jahr 1995 der Peterskirche als Dauerleihgabe von der Universität Leipzig übergeben. Hier wird sie vorn im Kirchenschiff als Begleitinstrument für Gemeinde und Konzert genutzt.

Foto: Pixabay

Zurzeit verboten!!

Manches Wertvoll-Gute zeigt sich erst im Mangel. Oder besser: Erst im Mangel erkennen wir seine Bedeutung.​

Ich habe ihr Weinen noch im Ohr. Es war in einem Telefonat vor Weihnachten. Und mit Schluchzen bricht es aus meiner Mama heraus: „Dieses Jahr könnt ihr wohl nicht kommen…?!“

Es ist ein Satz, der in dieser Zeit wohl oft gesagt und gehört werden musste. Und in ihm fließen aller Schmerz und Trauer, alle Enttäuschung und alles Weinen zusammen: „Dieses Jahr könnt ihr wohl nicht kommen…“ In dieser Zeit ist alles anders. Das Alltägliche ist unterbrochen und zurzeit verboten.

Für meine Mama bedeutete das vor allem, dass wir nicht gemeinsam am Tisch um Gänsebraten und Klöße sitzen konnten, kein Geschnatter der Enkelkinder, kein Klirren der Gläser, kein Umarmen, nicht einmal ein Sehen von Angesicht zu Angesicht. Nein, dieses Jahr nicht. Dieses Jahr sitzen meine Eltern – wie so viele – allein da. Das gemeinsame Essen: In dieser Zeit der Entbehrungen zeigt sich dessen Bedeutung.

„Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukasevangelium 13,29)

Dieses Losungswort für die Woche nimmt das gemeinsame Sitzen am Tisch als ein Hoffnungsbild auf und malt damit eine Zukunftsvision. Es ist für uns ein Trostwort, welches über manche Zeit hinweghilft. Und wir freuen uns auf das Beisammensein: Meine Mama, ich und die Kinder und so viele Menschen in dieser Zeit. Ja und dann, dann nehmen wir dieses Wertvoll-Gute auf mit jedem Atemzug des Lebens.

Dr. Sebastian Ziera, Pfarrer im Schwesternkirchverbund der Leipziger Gemeinden Apostel, Bethanien, Heiland, Hoffnung und Tabor

Foto: Lehmann

Andachten und Gottesdienste digital – Angebote Leipziger Kirchgemeinden

Gottesdienste im Livestream oder Andachten als Videobotschaften begleiten uns nun schon viele Monate. In einigen Leipziger Kirchgemeinden gibt es diese Angebote und mehr über die kirchlichen Feiertage hinaus auch dauerhaft. Im Folgenden finden Sie eine Zusammenstellung von Angeboten aus Leipzig. Informieren Sie sich zudem gern direkt in Ihrer Kirchgemeinde über aktuelle Entwicklungen, zu finden unter www.kirche-leipzig.de/kirchen_und_gemeinden/

 

Ev.-Luth. Kirchgemeinde im Leipziger Süden

Gottesdienste und Andachten im Livestream und als Aufzeichnung
https://www.kirche-leipzig-sued.de/mediathek.html

Telefonandacht „Wort zur Woche“ unter (0341) 581 518 26
Pfarrer, Kantorinnen und Vikare der Gemeinde sprechen die kurzen, ca. dreiminütigen Andachten auf Band.

 

Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Thomas Leipzig

Online-Angebote von Veranstaltungen
https://www.youtube.com/user/ThokiBach2000/videos

 

Ev.-Luth. Michaelis-Friedens-Kirchgemeinde Leipzig

Worte für die Seele
https://www.michaelis-friedens.de/worte-fuer-die-seele/

 

Ev.-Luth. Kirchgemeinde Engelsdorf-Sommerfeld-Hirschfeld

Andachten zu Weihnachten und zum Jahreswechsel….
https://www.youtube.com/channel/UC_AzbOmMCg3d2Ea4v68n4lg/videos

 

Ev.-Luth. Nathanaelkirchgemeinde Leipzig-Lindenau

Predigten der vergangenen Gottesdienste als Podcast
https://anchor.fm/nathanaelgemeinde

 

Ev.-Luth. Matthäuskirchgemeinde Leipzig Nordost

kurz & gott – Video-Andachten
https://www.matthaeusgemeinde-leipzig.de/

 

Ev.-Luth. Erlöserkirchgemeinde Leipzig-Thonberg

digitale Gebetsplattform https://beten.digital
Andachtshotline unter 0341/ 999 999 0

 

Ev.-Luth. Kirchgemeinde Taucha-Dewitz-Sehlis

Christenlehrevideos und Andachten
https://st-moritz-taucha.de/

 

Foto: Kirchenbezirk

Alles schon dagewesen

Weggesperrt wie Tiere – so fühlten sich Heimbewohner eines Pflegeheimes. Der Selbstbestimmung beraubt. Das Dilemma ist groß: Einerseits die Notwendigkeit die Ausbreitung des Virus zu verhindern, andererseits die Grenzen unserer westlichen Medizin, die zuerst auf den Körper und selten auf die Seele schaut. Per Patientenverfügung kann jeder über sein Sterben entscheiden. Aber hier wird die eigene Entscheidung unter Abwägung des Risikos, vielleicht ein letztes Mal die Angehörigen zu sehen und zu sprechen, um dann in seelischer Ruhe sterben zu dürfen, verweigert. Abstand bedeutet hier Ausgrenzung und Einsamkeit. Alles schon mal dagewesen. Zurzeit von Jesus. Da hieß es Lepra-Aussatz, nicht Corona. Auch diese Menschen wurden isoliert. Jesus lief nicht weg, als ein Aussätziger in seiner Verzweiflung auf ihn zukam. Er hielt keinen Abstand. Jesus hatte Mitleid, streckte ihm die Hand entgegen. Der Aussätzige verändert sich, so als ob er gesund würde. Nicht durch eine Impfung, sondern durch die Nähe und Anteilnahme von Jesus. Wie wir miteinander umgehen und welches Risiko wir eingehen wollen, muss jeder selbst entscheiden – aber wir sollten nicht vergessen, dass ein Mensch mehr ist als das Ergebnis eines Corona-Tests und einer Warn-App.

Pfarrerin Ines Schmidt, St. Laurentiuskirchgemeinde Leipzig-Leutzsch, Flughafenseelsorgerin FH Leipzig-Halle

Foto: Wodicka

 

Reaktionen auf den Impuls der Woche:

 

Sehr geehrtes Team der Öffentlichkeitsarbeit,
mein Name ist Juliane Kronberg. Ich gehöre zur Leutzscher Kirchgemeinde und arbeite als Hausärztin in Markranstädt.
Als ich den „Impuls der Woche“ von Pfarrerin Schmidt gelesen habe, fragte ich mich, was sie damit ausdrücken wollte.
Vielleicht wollte sie mit ihrem Beitrag einfach nur darauf hinweisen, wie einsam Menschen sein können und wie wichtig menschliche Nähe ist. Das betrifft übrigens nicht nur Pflegeheimbewohner (wobei die meisten meiner Patienten, die im Pflegeheim wohnen, sich durch die dortige Gemeinschaft weniger einsam fühlen), sondern noch viel mehr alte und auch jüngere Menschen, die allein leben.
Von Frau Schmidt erfuhr ich, dass sie sich mit dem Zitat „Weggesperrt wie die Tiere“ auf einen Artikel in der LVZ vom 31.12.2020 bezieht und mit ihrer Argumentation eine kontroverse Diskussionen anregen wollte. Diese Einladung nehme ich auf diesem Wege gerne an.
In besagtem Zeitungsartikel beklagten Pflegeheimbewohner, dass nach einem Ausbruch von Covid-19 die Isolation nicht frühestmöglich aufgehoben wurde, weil die nötige Schlussdesinfektion personell noch nicht geleistet werden konnte.
In dem „Impuls“ klingt es jedoch, als würde sich diese Klage pauschal auf alle/viele Pflegeheimbewohner beziehen, die zu ihrem eigenen Schutz von Vorsichtsmaßnahmen getroffen sind und als dürfte kein Pflegeheimbewohner zurzeit Besuch empfangen.
Im ersten Lockdown berichteten mir die Pflegenden, dass das Besuchsverbot spürbare Unruhe bei vielen, vor allem demenzkranken, Bewohnern bewirkte. Seit Anfang Mai jedoch dürfen die Bewohner von Pflegeheimen und betreutem Wohnen wieder von ihren Angehörigen besucht werden. (Seit Anfang Dezember ist hierzu zum Schutz der Bewohner ein Corona-Schnelltest notwendig.)
Zwei meiner Patienten sind im Krankenhaus verstorben, weil sie sich dort leider mit Covid-19 infiziert haben. Ihre Angehörigen durften auch dort jeden Tag bei Ihnen sein, um sie an ihrem Lebensende zu begleiten.
Die Begleitung Sterbender war ausdrücklich in jeder Corona-Verordnung ein Ausnahmegrund für Kontakt-Beschränkungen.
Ich sehe zwar, dass es viele Betreuungseinrichtungen gibt, in denen der Pflegekräftemangel und wirtschaftliche Unzulänglichkeiten der wünschenswerten menschlichen Nähe und Zuwendung im Wege stehen.
In den beiden Pflegeheimen jedoch, die meine Kollegin und ich in Markranstädt betreuen, erlebe ich eine liebevolle und fürsorgliche Betreuung durch die Pflegekräfte. Mindestens einmal im Monat besuche ich dort meine Patienten und von keinem habe ich seit dem Beginn der Kontakt-Beschränkungen je eine derartig heftige Klage vernommen, wie ich sie in dem Impuls stellvertretend für alle Pflegeheimbewohner verstanden habe.
Um die Bewohner vor einer Infektion zu schützen, lassen die Pflegenden zweimal pro Woche einen unangenehmen Test über sich ergehen.
Die Formulierung „weggesperrt wie Tiere“ pauschal für alle Pflegeheime zu benutzen, birgt meiner Ansicht nach eine fehlende Anerkennung für all das, was die Pflegenden hier leisten, mit und ohne Pandemie. In einem Beruf, der nach wie vor viel zu schlecht bezahlt wird, leisten sie hier nämlich großartiges.
Ich weiß, dass auch ältere Menschen eine Covid-19 Infektion ganz oder relativ unbeschadet überstehen können. Wer an Covid-19 stirbt, stirbt allerdings meistens an Lungenversagen. Die Formulierung „um dann in seelischer Ruhe sterben zu dürfen“ finde ich deshalb in diesem Zusammenhang mehr als deplatziert.
Ein weiterer Punkt, dem ich ganz klar widersprechen muss, ist die Aussage am Ende des Textes, dass jeder für sich selbst einschätzen muss, welches Risiko er eingehen möchte. Grundsätzlich muss jeder für sich selbst z.B. bei medizinischen Eingriffen Nutzen und Risiko abwägen, das ist richtig.
In einer Pandemie allerdings bedeutet eine eigene Infektion auch immer ein Ansteckungsrisiko für weitere Menschen. Somit trägt jeder, der sich willentlich einem erhöhten Ansteckungsrisiko aussetzt, auch die Verantwortung für andere Menschen.
Zusätzlich besteht das Problem, dass das Gesundheitssystem stark gefordert und in vielen Bereichen überlastet ist. Jeder neue Erkrankte wird eine zusätzliche Belastung bedeuten. Auch als PfarrerIn sollte man diese Tatsache nicht ignorieren.
Den Biblischen Bezug zu Jesu Umgang mit Leprakranken zu suchen, ist an dieser Stelle in meinen Augen auch nicht gut gelungen.
In Matthäus 8 bzw. Markus 1 heilt Jesus einen Aussätzigen, indem er ihn berührt, und bittet ihn, niemandem davon zu erzählen. Außerdem möchte er zeigen, dass er sich an das Gesetz hält, und bittet darum, vorgeschriebene Opfer darzubringen.
Bei Lukas 17 heilt Jesus 10 Aussätzige, allerdings wahren hier alle den hygienischen Abstand. Hier fragt Jesus, warum nur einer von ihnen, ein Samariter, in Dankbarkeit zurückkommt.
Er gibt außerdem an einigen Stellen in den Evangelien seinen Jüngern den Auftrag, Aussätzige zu reinigen.
Die Absonderung von Leprakranken war damals eine wichtige hygienische Maßnahme, die vermutlich allgemein akzeptiert wurde. Dass Jesus sich ihnen genähert hatte, war nicht das aufsehenerregende in den Geschichten.
Tatsächlich ist es auch heute möglich, unter Wahrung der hygienischen Schutzmaßnahmen Nähe und Fürsorge oder einfach nur Interesse zu zeigen. Für seine Nachbarn einzukaufen oder Menschen anzurufen, die alleine leben, kann einsamen Menschen helfen.
Vielleicht hätte man im „Impuls der Woche“ den hygienisch geschützten Kontakt zu einsamen Menschen anregen können, anstatt die Sinnhaftigkeit der Hygienemaßnahmen aus dem Auge zu verlieren. Und das Problem besteht auch nach der Pandemie weiter. Auch ohne „von oben“ auferlegte Kontaktbeschränkungen fühlen sich viele Menschen oft von ihren Angehörigen abgeschoben, wenn sie in betreuenden Einrichtungen untergebracht werden (sollen).
Deshalb möchte ich diesen „Impuls“ nutzen und dazu anregen, einen wachen Blick für die zu haben, die ausgegrenzt sind oder oder sich ausgegrenzt fühlen. Ihnen wie Jesus offen entgegenzutreten, damit sie mit Gottes Hilfe Heilung an (Körper und) Seele erfahren können.

Mit freundlichen Grüßen
Juliane Kronberg
(per E-Mail vom 18.1.21)

 

Wir sollten vorbereitet sein

Noch vor Silvester lagen an den Sammelplätzen Haufen von Weihnachtsbäumen. Für viele Leipziger war Weihnachten am 26. Dezember vorbei. Für diejenigen von uns, die mit dem Kirchenjahr leben, ging Weihnachten frühestens am Mittwoch zu Ende, dem Fest Epiphanie, oder morgen mit dem Fest Taufe des Herrn.

An diesem so seltsamen Weihnachtsfest und dieser Weihnachtszeit ab dem 25. Dezember habe ich mich mehr noch als in den vergangenen Jahren gefragt, woher all dieses Sentimentale bis oft Kitschige kommt, das für viele Weihnachten ausmacht. Wie kam es, dass Weihnachten mit so viel sentimentalem Ballast aufgeladen wurde, mit süßlichen Liedern, niedlicher Dekoration usw.

Sicher, in den Kirchengesangbüchern stehen auch manche alte Lieder mit Verniedlichungen. Aber die Texte aus der Bibel, die in den Tagen von Weihnachten bis Epiphanie gelesen werden, behandeln alles andere als niedliche Begebenheiten. Ja, die frohe Botschaft heißt: Gott zeigt sich ausgerechnet in einem kleinen, schwachen Kind. Aber dazu heißt es: Ein Volk stöhnt unter einer Besatzungsmacht. Da findet das Paar für die Hochschwangere keine Unterkunft. Bald flüchtet die junge Familie, weil Mord und Totschlag drohen.

Jetzt wäre die Zeit für eine Rückschau: Was sollte vielleicht künftig an Weihnachten anders werden? Denn davon bin ich überzeugt: Das nächste „normale“ Weihnachten kommt bestimmt. Wir sollten vorbereitet sein.

von Stephan Radig, katholischer Theologe und Online-Redakteur St. Benno Verlag

Foto: Lena Voswinkel