Menschenrecht Glaubensfreiheit

„Glaubensfreiheit für die Welt“ – diese Worte finden sich auf einem Gedenkstein vor den Toren Leipzigs in Breitenfeld. Der Gedenkstein erinnert daran, dass Glaubensfreiheit durch schwere Zeiten hindurch errungen wurde. Er erinnert an eine Schlacht im 30-jährigen Krieg. Man hat damals durch Krieg und Not mühsam gelernt, dass in einem Land nicht alle Menschen gleich glauben müssen. Sie haben das Recht anders oder gar nicht zu glauben. Das darf das Zusammenleben nicht gefährden. Im Gegenteil: Es bereichert es.
Glaubensfreiheit ist ein Menschenrecht. In der Charta der Menschenrechte ist es quasi das Herzstück. Wo es keine Glaubensfreiheit gibt, gibt es in der Regel auch keine Gewissens- und Meinungsfreiheit. Am morgigen Sonntag, am Gedenktag für bedrängte und verfolgte Christen, erinnern evangelische Christen daran, dass es nicht überall auf der Welt gut um dieses Recht bestellt ist. In bestimmten Regionen Syriens – einem Ursprungsland des christlichen Glaubens – gibt es gar keine Christen mehr. Radikale Islamisten und der lange Krieg haben dazu geführt. In Aleppo, Homs, Latakia, Damaskus oder Qamishli kann man seinen Glauben relativ frei leben – wenn man sich denn politisch zurückhält. Es darf uns nicht egal sein, wenn in Syrien, an anderen Orten dieser Welt, Christen bedrängt sind. Das gehört zum Wesen unseres Glaubens. Wir müssen an sie erinnern. Reminiscere – heißt der morgige Sonntag: Gedenke! Erinnere! Vergiss nicht!

Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks

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Verzicht als Lebenshilfe

„In jener Zeit trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang…“ (vgl. Mk 1,12). Das ist einer der wichtigsten Bibelsätze für die Fastenzeit. Klar, „40 Tage fasten“, „40 Tage ohne“ – hat alles seinen Grund im Verhalten dieses Jesus aus Nazareth. Noch heute versuchen nicht nur Christen in unserer Stadt und anderswo die Fastenzeit für sich umzusetzen.

Manche leben dabei tagelang nur von Wasser – Heilfasten nennt sich das. Andere wollen ganz bewusst verzichten: auf Luxus oder lieb gewordenen Gewohnheiten. Kurz gesagt, man will sich ändern, vielleicht sogar ein besserer Mensch werden. Ich will also durch Verzicht mein Leben verbessern, was letztlich auch das Ziel des Fastens ist.

Ja, und dann das mit der Wüste. Ich weiß nicht, wer schon mal in der Wüste war? Das ist nicht der romantische Ort mit weißem Sand und stahlblauem Himmel. Nein, Wüste ist steinig, oft im Erscheinungsbild eher grau. Und, man kommt sich hilflos vor in der Wüste. Das scheinen mir die wichtigsten Stichworte für die Fastenzeit zu sein: Verzicht und Hilflosigkeit.

Verzichte auf Hilfsmittel – das wäre auch ein Slogan für das Fasten. Und dann geht es in dem eingangs erwähnten Text weiter: „… und die Engel dienten ihm.“ (vgl. Mk 1,13). Vielleicht gelingt es Ihnen, die Sie das hier lesen, auf manches Hilfsmittel in dieser Zeit zu verzichten. Und Sie werden merken, wie hilfreich das ist.

Pfarrer Thomas Bohne, Gemeinschaft des Oratoriums zu Leipzig

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