Offen und frei

Der morgige Sonntag ist für Christen der Palmsonntag. Christen erinnern sich an den Einzug Jesu in Jerusalem – ungefähr im Jahr 30 n.Chr. Viele Menschen pilgerten damals in die Heilige Stadt, um das Passahfest zu feiern. Seit vielen Generationen war es üblich geworden, die großen jüdischen Feste in Jerusalem zu feiern. Die meisten kamen still und unbemerkt und füllten die Straßen und Plätze. Große Zeltlager wurden aufgebaut, um alle beherbergen zu können. Wie bei jedem Großereignis stieg von Tag zu Tag die Stimmung. Kleinkünstler füllten die Straßen und musizierten und jonglierten. Händler kauften und verkauften. Jesus selbst war schon oft in Jerusalem, um mitzufeiern. Doch diesmal blieb er nicht in der Masse. Er ritt auf einer Eselin reitend in die Stadt. Die Menschen bemerkten sein Kommen. Viele hatten von ihm Gutes gehört. Die Gutachten in den Herzen der Menschen sprachen für ihn. Sie begrüßten ihn jubelnd und winkend, legten Palmzweige vor ihm auf den Weg. Und er zeigte sich in aller Öffentlichkeit – doch nicht nur, um gesehen und bejubelt zu werden. Er möchte zeigen, dass er nichts zu verbergen und zu verheimlichen hat. Was für ein Vorbild! Offen und frei! Nichts unter Verschluss. Alles offengelegt. Nichts verschleppt. Alles einsehbar. Er zeigt sein Gesicht und braucht es nicht zu verbergen – hinter Aktendeckeln oder einer schnell vorgehaltenen Hand. Offen und frei!

Pfarrer Jörg Sirrenberg, Ev.-Luth. Kirchgemeinde im Leipziger Süden, Gemeindebezirk Marienbrunn

 

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Hoffnungsvolle Pflänzchen

“Papa kuckt mal wieder Blümchen aus der Erde” – so nannten wir es, wenn mein Vater gedankenverloren die Pflanzen im Garten betrachtete, die er liebevoll hegte und pflegte – oft die ganz zarten Knospen und Triebe. Oder die, die hoffnungsvoll neu austrieben, nachdem Wind oder Frost ihnen zugesetzt hatten (manchmal auch wir Kinder beim Spielen). Seine Pflänzchen – selbst die ganz kümmerlichen – goss und düngte und stützte er mit viel Zuwendung, Liebe und Hoffnung. Und so hat er es auch mit uns als seinen Kindern gemacht, und mit den Menschen, die er im Leben begleitete.

Ich habe keinen Garten, aber seit dem vorigen Frühling mache ich es oft wie mein Vater: Bei Spaziergängen nach dem Home-Office-Feierabend beobachte ich, wie Knospen und Blüten im Park wachsen und sich öffnen – ich glaube: genauer als in früheren Jahren. Ich freue mich über das, was hoffnungsvoll wächst, nicht nur aus dem Boden und an Bäumen. Ich sehe auch, was gerade verkümmert und eingeht – oder wo sich vielleicht doch wieder zaghaft ein Blättchen raus streckt. Kann es überleben und stärker werden?

Hier eine hoffnungsvolle, da eine besorgte Nachricht. Hier eine Schließung, da neue Ideen und Anfänge. Was entwickelt sich daraus? Was gefährdet sie? Was kann sie stärken?

Und dann denke ich beim Frühlingsspaziergang an meinen Papa mit seinem Vertrauen und seiner Zuversicht: da kann was wachsen und aufblühen!

Friederike Ursprung, Evangelische Kirchenredakteurin Radio PSR

 

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Vor Freude strahlen …

Die unscheinbarsten Dinge beginnen auf einmal zu strahlen, wenn in diesen Tagen die Frühlingssonne auf sie fällt. Betreten erstrahlen Fußwege. Leuchtend wärmen sich Straßenkreuzungen. Graue Gebäudefassaden blinzeln in die funkelnden Kanäle Leipzigs.

Selbst die noch abgedeckten Tische eines noch geschlossenen Cafés strahlen einladend. Hier und dort zeigt sich die Kraft des Lichtes in zaghaft blühenden Schneeglöckchen, Märzenbechern und ersten zarten Bärlauchblättern im Auwald.

Noch ist nichts gewonnen, ab und zu schiebt sich drohend eine dunkle Wolke vor die Sonne und macht diesen verheißungsvollen Glanz zunichte.

Und wie passen wir ins Bild? Laufen wir noch wie zugedeckt und erstarrt durch die Straßen und durchs Leben? Was bringt uns Menschen eigentlich zum Strahlen? Ich weiß, das Strahlen fällt Vielen in dieser Zeit nicht so leicht. Noch zu ungewiss sind die Aussichten.

Der morgige Sonntag trägt im Kalender des Kirchenjahres den Namen „Lätare“ – „Freut euch“. Ein kleines Osterfest, so heißt es, mitten in der Passionszeit. Klar, Freude kann man nicht verschreiben und nicht anordnen. Aber Freude ist ansteckend! Vielleicht gelingt es ja doch, dass wir uns anstecken lassen von den strahlenden Wegen und Fassaden, von Vögeln und Schneeglöckchen, von den Worten im Gottesdienst. Von all dem, was um uns herum schon (vor Freude) strahlt.

Markus Franz, Hochschul- und Studierendenpfarrer, Evangelische Studierendengemeinde Leipzig

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Weltgebetstag 2021 Vanuatu

Worauf bauen Sie? Das Haus und Ihr Leben? Was passiert, wenn Sie Ihr Haus auf einen weichen Untergrund bauen? Es wird versinken, einstürzen – es ist nach kurzer Zeit nicht mehr bewohnbar. Und im Leben? Die Parallele zu dem weichen Untergrund des Hauses ist wahrscheinlich ein oberflächliches Leben, das nur mit dem Denken an eigene Bedürfnisse gefüllt ist, ohne Zukunftsverantwortung und nur der Idee des „Spaßhabens“ im Kopf.

„Worauf baust Du?“ Frauen aus Vanuatu, dem diesjährigen Land des Weltgebetstages, fragen uns dies. Vanuatu liegt zwischen Australien und den Fidschi-Inseln. Es gehört zu den Ländern, die unter einem steigenden Meeresspiegel, Vulkanausbrüchen, Zyklonen und Erdbeben zu leiden haben. Immer wieder müssen Hütten neu aufgebaut werden.

Worauf bauen Sie in Ihrem Leben? Für die Ni-Vanuatu ist es das Wort und das Leben von Jesus, Gottes Zusage für das eigene Leben. Es ist das Wissen, nicht allein unterwegs zu sein, sondern von Gott getragen und geführt zu werden. Dies gibt den Ni-Vanuatu ein Fundament und eine Sicherheit, die hilft, die vielen Widrigkeiten des Lebens zu meistern. Es ist ihr fester Grund im Leben, auf den sie bauen!

Fester Grund und Wurzeln ermöglichen Bewegung und Standfestigkeit zugleich. Der Glaube an Jesus und Gott ist das Fundament, auf das Christen ihr Leben aufbauen. Oft sind es ganz gewisse Aussagen von Jesus, die durch das Leben tragen. So wie „hab keine Angst“ (Mt.9,22)

Was ist Ihr Fundament?

 

Peggy Rühle, Referentin im Reisedienst der Frauenarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens

 

Motiv: Weltgebetstag der Frauen 2021