Einander verstehen – über die Sprache hinaus

Wenn ich in meiner alten Heimat bin, falle ich relativ schnell in den dort ansässigen Dialekt. Man versteht mich dort, es klingt vertraut. Ich bin sofort „drin“, wenn ich alte Freunde und meine Familie treffe. Wir begegnen uns quasi auf Augenhöhe, auch wenn die meisten mittlerweile überall verstreut leben. Wenn dagegen einer im öffentlichen Raum mit Dialekt daherkommt, nimmt man ihn oft nicht mehr ernst. Dabei sind Dialekte total spannend.

In der Bibel finden wir die Geschichte vom Turmbau zu Babel, eine kurze Story, nur ein paar Zeilen lang. Die Menschen in Babel bauten einen hohen Turm. So hoch, dass sie dachten, sie könnten sich so einen Namen machen. Gott aber hatte was gegen diese Großbaustelle. Er zwang die Menschen, sich in alle Himmelsrichtungen zu verstreuen. Zu dieser Zeit sprachen die Menschen alle ein und dieselbe Sprache. Doch fortan, auch dafür sorgte Gott, konnten sie sich nicht mehr untereinander verständigen.

Die ganze Geschichte klingt wie eine Strafe. Ich sehe es eher als ein Geschenk an. Wie eintönig wäre es, wenn wir alle die gleiche Sprache sprechen würden? Damit hat die Menschheit ja auch neue Aufgaben bekommen: neue Sprachen lernen und fremde Kulturen kennenlernen.

Und so können wir uns auf vielfältige Weise auf Augenhöhe begegnen. Sowohl in der alten Heimat, im gewohnten Dialekt. Genauso aber auch, wenn wir verschiedene Sprachen sprechen. Und zwar, indem wir einander zuhören und verstehen wollen, wa?!

Maxi Konang
evangelische Kirchenredakteurin bei HITRADIO RTL / Radio Leipzig

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Klimakrise – Unsere Schuld wächst

Der neue Bericht vom Weltklimarat ist erschütternd und bestätigt, was wir doch eigentlich längst wissen: Durch die Klimaveränderungen, die wir mit unseren Emissionen verursachen, sterben Menschen!

Gerade in diesem Jahr merken wir das so deutlich, dass wir es nicht mehr ignorieren oder leugnen können: Überflutungen in Deutschland und anderen Ländern, extreme Hitze in Kanada und den USA, Feuer im Mittelmeerraum, Sibirien und anderen Orten, Dürren, Gletscherschmelze und vieles mehr. Fast jeden Tag sterben Menschen! Dies sind die Folgen einer Erderwärmung, die gerade erst begonnen hat und noch deutlich unter der im Pariser Klimaabkommen festgelegten Schadensbegrenzung von 1,5 Grad liegt. Deutlich ist auch, dass wir, wenn wir so weitermachen wie bisher, diese Grenze nicht nur erreichen, sondern weit überschreiten werden. Was wir jetzt erleben ist nur der Anfang einer riesigen Katastrophe, wenn wir nicht bereit sind uns und unser Verhalten zu ändern!

Dennoch diskutieren wir immer wieder, dass Klimaschutz möglichst nichts kosten, uns nicht einschränken dürfe und sogar Spaß machen müsse. Offenbar sind uns unser Konsum und unsere Bequemlichkeit wichtiger als das Leben unserer Mitmenschen und künftiger Generationen!

Ich hätte mir früher nicht träumen lassen, dass wir einmal so leichtfertig über das eigentlich einfachste und selbstverständlichste der 10 Gebote hinweggehen: Du sollst nicht töten!

Sebastian Keller
Pfarrer der Erlöserkirchgemeinde Leipzig-Thonberg

 

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Abgestempelt….

„… der ist gegen das sofortige Abschalten der Kohlekraftwerke, die nimmt das Leid von abgeschobenen Flüchtlingen überhaupt nicht wahr, der kann doch keine Fragen stellen, die der Intension der Querdenker-Szene entsprechen, die will doch sowieso immer nur Recht haben, lässt keine andere Meinung gelten…“

Kommt ihnen das bekannt vor?

Bloß keine Diskussion zulassen. Den Anderen als unmündig hinstellen, politisch abstempeln, sich selbst wichtigen Anfragen zu verweigern. Denn in der Diskussion und dem Hören auf andere Argumente wird es gefährlich. Habe ich doch nicht Recht? Bin nicht ich intolerant, weil ich andere Meinungen abstemple, nicht auf Zwischentöne und wissenschaftliche Argumente höre? Bröckelt dann meine zur Schau getragene Stärke, mit der ich mich auf Kosten Andersdenkender profilieren wollte?

Den Fehler beim Anderen zu sehen, ist leicht. So brauche ich mich nicht mehr mit mir selbst auseinander zu setzen. Das ist schlecht für die Gemeinschaft.

Richten sie ihren Zeige-Finger einmal auf ihr Gegenüber. Fällt ihnen auf: drei Finger zeigen automatisch auf sie zurück.

Auch Jesus kannte das Problem der mangelnden Auseinandersetzung, des Abstempelns, der Intoleranz: Er sagt:

„Was siehst du den Splitter in deines Bruder Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge… Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach sieh zu wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.“

Pfarrerin i.R. Ines Schmidt, Flughafenseelsorgerin Flughafen Leipzig-Halle

 

 

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Näher als du denkst

Wir sind im August angekommen. Den Namen hat der Monat von einem römischen Kaiser – u.a. bekannt aus der Weihnachtsgeschichte. Da sich die Christen dem Kaiserkult jedoch verweigerten, waren ihnen die römischen Kaiser mehrheitlich feindlich gesinnt. Erst Konstantin der Große hat die Christenverfolgung endgültig beendet und den Sonntag zum Ruhetag erklärt. Letzteres war im Jahre 321 – also vor 1700 Jahren. Aus demselben Jahr bezeugt eine kaiserliche Bestimmung, dass Juden in Köln ansässig waren – der früheste Beleg für jüdisches Leben nördlich der Alpen im Römischen Reich. Darauf macht die Aktion „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ aufmerksam. Unsere 7-Tage-Woche z.B. hat ihre Wurzeln in der Tradition des Sabbats. Das ist nicht das gleiche, aber auch nicht etwas ganz anders. Das Pessach-Fest bzw. der Oster-Termin, das Schawuot-Fest zur Gabe der 10 Gebote bzw. Pfingsten zur Gabe des Heiligen Geistes, Purim bzw. Karneval… da gibt es so viel zu entdecken! An diesem Wochenende sind wir aber besonders verbunden im Gedenken: Tischa B´av bzw. Israelsonntag erinnern an die Zerstörung des Jerusalemer Tempels. Allein die Vision davon (Lukas 19,41-48) bringt Jesus zum Weinen. Der 10. Sonntag nach Trinitatis trägt die Klage und die Sehnsucht nach Gottes Reich (Markus 12,34) in sich, in dem beide, Juden und Christen, vereint sein werden, Gott zu loben in Ewigkeit.

Andreas Konrath, Pfarrer der Ev.-Luth. Gehörlosengemeinden Leipzig + Leipziger Land

Jerusalem, Foto: Pixabay