Gute Vorsätze…

…sind traditionell unsere Begleitung in das neue Jahr. Mit ihnen wollen wir es schaffen, gut durch die Zeit zu kommen, von der wir noch gar nicht genau wissen, was sie uns bringen wird. Die Ungewissheit ist derzeit groß. Gerade deshalb sind gute Vorsätze so etwas wie Herzwärmer und Mutmacher. Aber auch ein Vorsichtszeichen: Werde ich es auch schaffen zu verwirklichen, was ich mir vorgenommen habe? Wage ich es wirklich, etwas Neues zu beginnen?

Wir wünschen Ihnen Zuversicht für 2022! Und wollen Sie im neuen Jahr dabei weiter und doch neu mit einem „Gedanken zum Wochenende“ begleiten. An neuer Stelle in der Freitagsausgabe, in neuem Format und einem neuen Autor/innen-Team, das sich aus den Kirchen der Stadt herausgebildet hat. Weiter aber ein interessanter Impuls, ein guter Gedanke am Tor zum Wochenende. Aus gutem Grund, wie wir meinen, aus dem christlichen Glauben heraus weitergegeben. Ihnen an die Hand. In einer Haltung, die klar ist: tolerant und respektvoll gegenüber anderen. Offen für die vielfältige Gesellschaft unserer Stadt. Interessiert und zugewandt Ihnen gegenüber. Genauso, wie wir gemeinsam in das neue Jahr blicken können.

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Jahr 2022.

Superintendent Sebastian Feydt, Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig und Propst Gregor Giele, Propsteikirche St. Trinitatis Leipzig

Warum mir Weihnachten gefällt?

Dieser Frage ist vor einigen Jahren Iris Berben nachgegangen – Ihre Worte haben mich seitdem immer wieder begleitet. Iris Berben beginnt mit der Aussage: Seit über 2000 Jahren hält Weihnachten aus. Und durch.

Auch in diesem Jahr wieder: Gestresste Menschen, die heute Vormittag noch die letzten Geschenke suchen. Familien, die sich friedvolle Tage im Kreise aller wünschen, obwohl die Meinungen gerade sehr weit auseinander liegen. Kinder und Jugendliche, die nach den besonderen Belastungen, jetzt nur chillen oder mal richtig mit den Freund*innen Party machen wollen.

Weihnachten erträgt die vielen ungewünschten Geschenke und unterschiedlichen Geschmäcker.

Weihnachten hält die verschiedenen Traditionen aus: Kirche ja oder nein, Lametta am Baum oder nicht, Räucherstäbchen, Duftkerzen oder Gerüche aus der Küche.

Alle Jahre wieder oder was ist es dieses Jahr? Streit am Weihnachtsbaum, Einsamkeit, Frust, nicht erfüllte Wünsche, die gleichen Filme im Fernsehen.

Aber an Weihnachten kommt (fast) keiner vorbei, auch in diesem Jahr nicht.

Weihnachten ist unerschütterlich – ist das nicht wunderbar?

Ich kann mir das Jahr ohne Weihnachten gar nicht vorstellen.

Weihnachten ist das Brennglas für den Alltag – alle folgen dem Stern.

Weihnachten zeigt mir, dass ich nicht perfekt sein muss – wie damals im Stall in Bethlehem.

Weihnachten kommt geplant oder überraschend – weil Gott nicht aufzuhalten ist.

Deshalb gefällt mir Weihnachten, denn auf irgendwas will ich mich verlassen können!

 

von Angela Langner-Stephan,

Pfarrerin der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Leipzig-Lindenau-Plagwitz mit Schwesterkirchgemeinden Schleußig, Großzschocher, Knauthain und Kleinzschocher

 

Foto: Lotz

Schon bald wird geschehen, was längst geschah

Nun schon zum zweiten Mal ist das, was wir bisher Advent nannten, nahezu unmöglich. Vor uns liegt das zweite Weihnachten unter den Bedingungen der Pandemie. Glaubt man Experten, wird dies nicht zum letzten Mal so sein: kein Weihnachtsmarkt, kein öffentliches Weihnachtsliedersingen, keine Adventskonzerte, kein Weihnachtsoratorium, begrenzter Familien- und Freundesbesuch und wohl wieder nur sehr eingeschränkte Gottesdienste. Zur Wut fehlt inzwischen die Kraft. Müdigkeit macht sich breit. Ohnmacht und Hilflosigkeit sind unausweichlich. Das macht etwas mit uns, wenn wir nicht mehr mit offenen Armen einladen und feiern können, vielmehr ausladen müssen. Keine und keiner kann wissen, was uns noch bevorsteht. Wie lange halten wir das noch durch? Wie kommen wir da je wieder raus?

Trotz und in alle dem gibt es in mir diesen kleinen, großen Trotz: ein Kribbeln und Schauern, die unbändige Freude eines kleinen Kindes. Das kann doch nicht alles gewesen sein! Das, worauf wir Kerze für Kerze hoffen, kommt bald und ist schon längst da. Es ist merkwürdig: mitten in dieser Tristesse, mitten in Trauer und Vergeblichkeit ist da zugleich diese Spannung, dieses Lachen in meinem Herzen. Gegen allen Augenschein gibt es diese Momente, da lebe ich wie in einem glücklichen Rausch.

Allgegenwärtig diese unsichtbare Bedrohung und die schmerzlich spürbaren Beschränkungen; diese Selbst- und Fremdkontrolle; dieses Hin und Her zwischen Einsicht und Widerstand; dieses Nicht-Wissen, was kommt. Und doch: Es glüht und brennt in meinem Herzen. Es singt in mir: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! (Phil 4,4.5b)

Denn jetzt ist die Zeit, wo die toten Äste mit Reif bekleidet werden und die einst goldenen Blätter den Boden wärmen. Jetzt ist die Zeit, wo dunkle Gedanken aufhellen, sich das Haupt gen Himmel reckt und das Herz erinnert, dass Finsternis nicht finster bleibt und Licht statt Nacht wird sein. Jetzt ist die Zeit, wo neue Taten und Worte gefunden werden, von denen die hoffen und sehnen. Jetzt ist es Zeit, das Kind zu herzen und aufs Neue geschehen zu lassen, was einst geschah.

von Dr. Ralf Günther, Pfarrer der Michaelis-Friedens-Kirchgemeinde Leipzig

 

 

 

Mal angenommen…

In der Adventszeit rückt in christlicher Tradition die Hoffnung in den Fokus der Gebete und Lesungen, dass Gott kommt. Die Menschenzeit fließt und Gott rudert auf ihr gegen den Strom – den Menschen entgegen. Christliche Lehre sagt: Dann wird alles gut sein. Es wird weder Lüge, noch Unterdrückung, noch Kriege, noch Schmerz, noch Trauer oder Böses mehr geben. Das ist das Ziel, auf das sich Menschen mit Hilfe der christlichen Lehre ausrichten können.

Jedoch ist es so: Kaum jemand mag solch religiösen Rat beachten. Doch mal angenommen, unsere Gesellschaft lebt so, dass in der Zukunft – unabhängig von der jeweiligen Politik – viel Gutes erwartet werden darf. Mal angenommen, die Menschen leben auf Hoffnung hin. Mal angenommen, in der Zukunft gibt es eine geheimnisvolle Macht, die das Gute, das heute getan wird, dann noch potenziert. Mal angenommen, das wenige Gute – wirklich getan – würde sich exponentiell entwickeln, wie man es vom Virus oder leider auch von bösen Einstellungen kennt.

Ich bin davon überzeugt, dass des Menschen Streben immer mehr ist als das, was er greifen kann. Wenn dieses Streben jedoch etwas ist, was der Menschheit und dem Zusammenleben von Menschen letztlich schadet, ist davon abzuraten. Christliche Lehre hingegen möchte Menschen ermutigen, auf das Gute zu setzen: Das Gute kommt den Menschen entgegen. Mal angenommen, Menschen lassen sich mehr denn je davon anstecken.

von Jörg Sirrenberg, Pfarrer der Ev.-Luth. Kirchgemeinde im Leipziger Süden, Gemeindebezirk Marienbrunn

 

Foto: unsplash

Hans-guck-doch-mal-wieder-in-die-Luft

„Wenn der Hans zur Schule ging, stets sein Blick im Himmel hing. (…) Vor die eignen Füße dicht, ja da sah der Bursche nicht“, so beginnt die Geschichte Hans-guck-in-die-Luft.

Ein verträumter Junge, der seine Aufmerksamkeit dem Himmel schenkt.

Doch der Blick in den Himmel wird zum Verhängnis. Und man möchte zurufen: „Pass doch auf!“ Aber die Geschichte geht immer so aus: „Noch ein Schritt! und plumbs! der Hans stürzt hinab kopfüber ganz!“ Armer nasser Tropf.

Dieses Erlebnis wird ihm eine Lehre sein. Seitdem läuft er mit dem Kopf auf den Boden gesenkt. Auch irgendwie traurig, aber so ist die Geschichte.

Achte auf das Wesentliche, sonst gehst du baden! Behalte das Erdige im Auge und träum nicht so viel!

Aber soll das Bodenständige alles sein? Gibt es nicht doch auch noch den Himmel?

Was wäre die Erde ohne Himmel? Was wäre mein Leben ohne Himmel? Irgendwie traurig.

Und so ist es vielleicht doch gut, den Kopf zu heben und – metaphorisch gesprochen – den Blick in den Himmel zu richten.

Der Wochenspruch lädt dazu ein: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“

Vom Himmel kommt uns Erlösung her!

Die Erzählung war übrigens ein Weihnachtsgeschenk von H. Hoffmann an seinen 3jährigen Sohn. „Die Wirkung (…) war die erwartete“, so Hoffmann. Ob sich der Sohn aber gefreut hat, oder ob er enttäuscht war, das bleibt offen.

von Pfarrer Dr. Sebastian Ziera, Schwesternkirchverbund der Leipziger Kirchgemeinden Lindenau-Plagwitz, Schleußig und Kleinzschocher

 

Foto: Lotz