So Gott will

Drei kleine Worte sagen wir uns in meiner Familie immer wieder: „So Gott will“. Wenn wir uns verabschieden und überlegen, wann wir uns wiedersehen: „Nächste Woche, im Garten – so Gott will.“ Wenn wir gemeinsam Pläne schmieden: „Wir fahren im Sommer an die Ostsee, so Gott will“. Wenn wir hoffen, dass etwas gelingt: „Wir schaffen das mit der Pflegestufe für die Tante schon, so Gott will“.

So Gott will. Nein, damit schiebe ich nicht die Verantwortung für mein Leben „nach oben ab“. Ich bin und bleibe verantwortlich für das, was ich tue. „So Gott will“ ist für mich ein Signal der Hoffnung und der Demut. Ich hoffe, dass unsere geschmiedeten Pläne gelingen und Gutes hervorbringen. Möge Gott seinen Segen dazu geben. Demütig bin ich, weil ich weiß, dass nicht alles in meiner Macht steht. Ich kann noch so viel planen, organisieren – es kann immer was dazwischenkommen. Aber selbst, wenn sich Pläne ändern, kann ich weiter auf Gott vertrauen.

„So Gott will“, das sagen übrigens nicht nur Christen. Muslime kennen das auch: „Inschallah“ – wenn Gott es will. Eine Lebenshaltung, eine Erfahrung von Welt und Gott, die religionsübergreifend funktioniert: Ich kann und soll tun, was in meiner Macht steht. Alles andere – muss, nein, darf ich Gott überlassen. Und darauf vertrauen, dass er es gut mit mir meint.

Also: bis zum nächsten Mal an dieser Stelle – so Gott will!

Daniel Heinze, kath. Kirchenredakteur Radio PSR

 

Foto: Lotz

Ligeværdighed

„Gerngeschehen!“ raunzt der Hundebesitzer die Frau an, die mit dem Wagen voller wuselnder Kinder den Gehweg beansprucht und der er vorausschauend mit seinem Tier ausgewichen ist. „Äh… Dankeschön“ kommt die zögerliche Antwort der Frau. Mir drängt sich spontan der Gedanke auf: „Muss man denn so zu jemandem sein?“ In letzter Zeit stoße ich mich zunehmend an einem rauen Umgangston in meinem alltäglichen Umfeld.

Bei dem dänischen Pädagogen Jesper Juul ist mir das Prinzip „Gleichwürdigkeit“ begegnet (dän.: „ligeværdighed“). In der gelingenden Beziehung zwischen zwei Menschen finde eine Begegnung auf Augenhöhe statt. Die Wünsche und Bedürfnisse beider Seiten würden gleich ernst genommen und nicht herabgesetzt oder ignoriert – ungeachtet von Alter, Geschlecht, Status oder Beeinträchtigung. Angewendet würde man dem fundamentalen menschlichen Bedürfnis begegnen, in seiner Individualität wahr und ernst genommen zu werden.

Auch wenn Juuls Arbeit sich in erster Linie an das Miteinander von Eltern und Kindern richtet, wünsche ich mir mehr Gleichwürdigkeit im alltäglichen Miteinander. Mir fehlt ein vorurteilsarmer, wertschätzender und emphatischer Umgang. Wie bereichernd wäre es, wenn wir eine Gelassenheit im Zusammenleben entwickeln könnten, so dass sich keiner übersehen fühlen braucht und man im Zweifelsfall sogar auf ein „Danke“ verzichten kann.

von Monika Lesch, Katholische Gemeindereferentin

 

Foto: Schwerdtle

Herz und Verstand vereinen

Wir hatten uns zusammengesetzt und sprachen über ein Projekt, das zu scheitern drohte. Fünf engagierte Vereinsmitglieder, die sich an einem Samstagabend Zeit nahmen. Ideen gab es einige. Nun ging es darum, wie sie finanziert werden könnten. Eine erste Absage von Fördermitteln lag mittlerweile auf dem Tisch. Daneben aber auch gleich zwei neue Vorschläge für Aktionen. Etwas ratlos verloren wir uns in einem Gespräch darüber, warum wichtig sei, was wir hier tun. Eigentlich aber wussten wir nur nicht, wie wir weitermachen sollten.

„Wir müssen realistisch hoffen.“ Als dieser Satz fiel, veränderte sich etwas. Erst einmal gab es einen Lacher. Na klar, realistisch hoffen, haha. Das schließt sich doch wohl aus. Entweder ich stehe mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen und kalkuliere scharf Chancen und Risiken. Oder ich lasse nicht von der Überzeugung, dass es am Ende gut wird. Aber je länger wir nachdachten, desto klüger erschien uns diese Kombination. Nicht nur, wenn es um heikle Entscheidungen geht, sondern als grundsätzliche Haltung. Einerseits wollten wir uns den harten Tatsachen stellen. Andererseits durften wir unsere Träume nicht aus den Augen verlieren. An diesem Abend fanden wir keine Lösung für unser Projekt. Doch für den kommenden Samstag haben wir uns wieder verabredet und waren dabei sehr fröhlich.

von Lüder Laskowski, Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“

 

Foto: Birgit Arndt (fundus-media)

Eure Fußstapfen

Annika sagt: „Wir können nicht in Eure Fußstapfen treten!“

Sie sagt es ihren Eltern und all den anderen Erwachsenen. Auch mir. Sie sagt es stellvertretend für ihre Generation. Sie sagt es in voller Überzeugung.

Annika ist 14 Jahre alt und wird diesen Sonntag konfirmiert – wie viele Jugendliche in Leipzig, in Sachsen, in Deutschland in diesen Wochen.

„Wir können nicht in Eure Fußstapfen treten!“ Diesen Satz hören die Eltern und all die anderen Erwachsenen im Gottesdienst, in dem sich die Konfirmandinnen vorstellen. Es ist kein pubertärer Satz – vielleicht ein bisschen – aber mehr noch sind die Worte ein Spiegel für uns.

Wir trauen den Jugendlichen zu, dass sie zunehmend eigene Wege gehen und Entscheidungen treffen. Wir müssen uns kritisch fragen lassen: In welche Welt entlasst Ihr uns da?! Klimakrise, Krieg und Hunger.

Ich finde ja klasse, wie ernsthaft und kritisch Annika und all die anderen uns das vorhalten. Darin könnte ich mich jetzt bequem zurücklehnen und all den Müll der jungen Generation überlassen.

Wahr ist aber auch: Wir Erwachsenen haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht. Wir sind unserer Verantwortung für die nachfolgenden Generationen nicht gerecht geworden. Und werden es nach wie vor nicht. Die Herausforderungen werden aber Annika und ihre Generation nicht alleine bewältigen können. Auch das sagt sie: „Wir brauchen Euch dazu!“

Zukunft geht nur gemeinsam zu gestalten. Und wie es im Konfirmationsgottesdienst heißt: Mit Gottes Hilfe.

Anna-Maria Busch, ev. Pfarrerin im Leipziger Südosten

 

Foto: Sabine Wehr (fundus-media)