“Der Frauendreißiger“
– oder wie man den Dingen an die Wurzel geht –
Kennen Sie den “Frauendreißiger”? Das ist ausnahmsweise kein historisch überkommenes, verschrobenes Symbolwort einer geschlechterungerechten Welt, sondern hat mit den 30 Tagen zwischen dem 15. August und dem 15. September zu tun. Sie verbinden sich, beginnend mit dem Fest “Mariä Himmelfahrt”, auf verschiedene Weise eng mit Maria, der Mutter Jesu. Traditionell ernten Menschen dann Heilkräuter – Würzbüschel, diverses Kraut und Wurzeln. Ihnen wird in dieser Reifezeit eine besonders hohe Wirkung zugesprochen. Darum spricht man auch schon im 14. Jahrhundert etwa von “Unserer Lieben Frauen Wurzelweihe”. Denn die große heilende Kraft der Wurzeln ist offenbar der Weihe durch Maria zu verdanken, deren Heiligenfeste eben in diesem Zeitraum liegen.
Nun bin ich zwar evangelischer Pfarrer und kein ausgewiesener Fachmann für die Heiligenfeste, aber ich ahne darin eine tiefere Wahrheit und interpretiere sie so: Menschen haben eine günstige Zeit ausgemacht, um den Dingen an die Wurzel zu gehen; und sie machen damit heilsame Erfahrungen. Ganz egal, wie diese Zeit dann heißt. Mag es der “Gesellschaftsfünfer” oder der “Zukunftszehner” sein, die günstig sind, um gesellschaftlichen Schieflagen an die Wurzel zu gehen – und, wer weiß, was das alles sein wird, was wir dann angehen: Vielleicht Grundsatzentscheidungen, vielleicht nur Details, aber möglicherweise machen wir damit heilsame Erfahrungen.
Sebastian Schirmer ist Evangelischer Pfarrer im Leipziger Südosten
Foto: Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig




Kerstin Krumbholz



Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig
