Es würde etwas fehlen

Menschen mit Down-Syndrom sind ein Geschenk für uns alle, meint André Krause

Ich sitze im Gottesdienst und bin sehr angespannt. Heute steht eine Entscheidung an, die mir viel bedeutet. Plötzlich rückt mein Sitznachbar näher. Ohne ein Wort nimmt er mich in den Arm. Es ist ein junger Mann aus unserer Gemeinde mit Down-Syndrom. Er hat gemerkt, was in mir vorgeht und sagt mir auf seine Weise: Es wird gut.

Sein feines Gespür dafür, wie es anderen geht, berührt mich immer wieder. Er ist entwaffnend ehrlich und direkt, begegnet jedem Menschen unvoreingenommen und offen. Seine herzliche Art steckt alle an. Unsere Gemeinschaft gewinnt so viel mit ihm.

Und doch bleibt eine andere Wirklichkeit: Die meisten Kinder mit der Diagnose Trisomie 21 bekommen keine Chance zu leben. Die komplexe Debatte um Pränataltests und ihre Folgen wird aktuell im Bundestag geführt.

Letzte Woche am 21. März war Welt-Down-Syndrom-Tag. Vielleicht haben Sie Freunde oder Bekannte gesehen, die bunte, nicht zusammenpassende Socken trugen. Sie stehen für Chromosomen und machen sichtbar: Anderssein ist kein Makel, sondern Ausdruck von Einzigartigkeit.

Ich glaube: Jeder Mensch ist ein Geschenk Gottes an die Welt – mit allem, was ihn ausmacht. Kinder mit Trisomie 21 sind besondere Geschenke. Sie anzunehmen braucht Mut und hilfreiche Begleitung auf dem Weg. Mit ihnen gewinnt unsere Gesellschaft so viel an Offenheit, Herz und Freude. Und manchmal auch eine Umarmung.

André Krause ist Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) Leipzig

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Foto: ChatGPT

Besondere Angebote zum Osterfest in Kirchen

Neben den Passionsmusiken und -lesungen in zahlreichen Leipziger Kirchen laden einige Kirchen mit weiteren besonderen Veranstaltungen Leipziger und ihre Gäste herzlich ein, sich auf das Osterfest zu besinnen und gemeinsam zu feiern.

Im Folgenden eine Auswahl:

Donnerstag, 2. April 2026 – Gründonnerstag

  • 19.00 Uhr pax Jugendkirche Leipzig, Kirchplatz
    Tischabendmahl
  • 19.00 Uhr Thomaskirche
    J. S. Bach, Johannespassion BWV 245
  • 20.00 Uhr Propsteikirche St. Trinitatis, Nonnenmühlgasse 2
    Feier vom letzten Abendmahl

Freitag, 3. April 2026 – Karfreitag

  • 10.00 Uhr Propsteikirche St. Trinitatis
    Kreuzwegandacht der Kinder
  • 11.00 Uhr Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli, Augustusplatz
    Karfreitagsgottesdienst
  • 15.00 Uhr (diverse Kirchen, parallel)
    Musikalische Andachten und Gottesdienste zur Sterbestunde, u. a.:
    Apostelkirche Großzschocher · Auenkirche Markkleeberg-Ost · Auferstehungskirche Möckern · Heilig-Kreuz-Kirche Leipzig · Kirche Hohen Thekla · Michaeliskirche Leipzig · Propsteikirche St. Trinitatis (Karfreitagsliturgie) · Rittergutskirche Kleinliebenau (Stabat mater) · Taborkirche Kleinzschocher (Johannespassion) · Thomaskirche
  • 17.00 Uhr Adventhaus, Karl-Heine-Str. 8
    Resonanz der Passion – Musik und Texte
  • 17.00 Uhr Nikolaikirche
    J. S. Bach, Matthäuspassion
  • 19.00 Uhr pax Jugendkirche Leipzig, Kirchplatz
    F*uck up Night – Geschichten vom Scheitern
  • 19.00 Uhr Thomaskirche
    J. S. Bach, Johannespassion BWV 245
  • 19.30 Uhr Emmauskirche Sellerhausen, Wurzner Str. 160
    „VerSucht“ – Passionsspiel

Sonnabend, 4. April 2026 – Karsamstag

  • 19.00 Uhr Andreaskapelle Knautnaundorf, Rundkapellenweg
    Lichterandacht
  • 21.00 Uhr Propsteikirche St. Trinitatis, Nonnenmühlgasse 2
    Osternacht
  • Sonntag, 5. April 2026 – Ostersonntag
  • 05.00 Uhr Gedächtniskirche Schönefeld, Ossietzkystr.
    Ökumenische Andacht am Osterfeuer
  • 05.00 Uhr Hoffnungskirche Knauthain, Seumestr.
    Osternacht
  • 05.30 Uhr Kirche Hohen Thekla
    Osternachtfeier
  • 06.00 Uhr (diverse Kirchen, parallel)
    Ostermetten / Osternachtfeiern, u. a.:
    Adventhaus · Auenkirche Markkleeberg-Ost · Auferstehungskirche Möckern · Friedenskirche Gohlis · Thomaskirche · Rittergutskirche Kleinliebenau · Trinitatiskirche Anger-Crottendorf u. a.
  • 07.00 Uhr Gnadenkirche Wahren
    Ostermette
  • 09.30 Uhr Thomaskirche
    Festgottesdienst (Bach: „Christ lag in Todesbanden“)
  • 10.00 Uhr Nikolaikirche
    Gottesdienst mit Landesbischof Tobias Bilz
  • 10.00 Uhr Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli
    Rundfunkgottesdienst
  • 10.00 Uhr Propsteikirche St. Trinitatis
    Heilige Messe am Ostersonntag

Montag, 6. April 2026 – Ostermontag

  • 11.00 Uhr Fahrradkirche Zöbigker, Dorfstr. 2
    Ostergottesdienst und Anradeln
  • 19.00 Uhr Altes Rathaus Leipzig, Festsaal, Markt
    Osterkonzert „Jauchzet, frohlocket“

 

Foto: Kirchenbezirk Leipzig

Vom Fehldruck zum Fundstück

von Gregor Heidbrink

Auch wenn alle Welt raus zur Messe fährt, nach neuen Büchern schaut und auf ein Selfie mit Daniela Katzenberger hofft – ich bekenne, mich macht oft schon der Eingang der Buchhandlung glücklich. Dort steht der Tisch mit den preisreduzierten Mängelexemplaren. Bei Lichte betrachtet weisen diese Bücher alle nur denselben einen Mangel auf: Sie haben sich nicht verkauft. Vom Bestseller zum Bettvorleger.
Verlagsgeschäft ist getrieben von Hoffnung und Erwartung. Hohe Auflagen rentieren sich nur mit Glück, Gespür oder Daniela Katzenberger.

Am Ende geht es den Büchern wie den Leuten: Sie werden links liegengelassen oder als Mängelexemplar eingestuft. Dabei haben sie gar nichts falsch gemacht. Nur halt: Die Erwartungen dritter nicht erfüllt.

Doch: Wenn andere nicht gesehen haben, was in dir steckt, deine Geschichte schien nicht interessant, deine Skills nicht relevant und du wurdest abgestempelt – sagt das nicht mehr über die anderen als über dich? Vielleicht fehlt nur der Blick für wahre Juwelen?

Ich finde es erhebend zu stöbern, zu schauen und meinen Fund zu genießen! Und genauso: Deine zweite Chance mag kommen, mit jemandem, der dich zu schätzen weiß. Ich weiß, da gibt es einen, der sich nicht von Äußerlichkeiten blenden lässt. Sondern der auf das Innere schaut. Und der sagt: Willkommen, mein Kind!

In den richtigen Augen bist du kein Mängelexemplar, sondern eine reine Sensation!

Gregor Heidbrink, Missionsdirektor des Diakonischen Werkes Innere Mission Leipzig e.V.

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Mängelexemplar, Foto: Kirchenbezirk Leipzig

gemeinsam.bauen.beten.singen

KI und Komplimente

Von Daniel Heinze

“Hör auf mir Komplimente zu machen!!” Diesen Befehl tippt mein Kollege oft ein, wenn er mit KI-Chatbots wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini zu arbeiten beginnt. Er ist echt fit in Sachen Künstlicher Intelligenz und dieser Befehl an die KI-Programme ist ein guter Tipp.

Die schlauen Maschinen sind ja darauf trainiert, in ihrer Kommunikation möglichst menschlich zu wirken. Doch neigen sie schnell dazu, komplett zu übertreiben. “Sehr gute Frage!” – “Spannende Aufgabe!” – “Wahnsinnig tolle Idee!” Selbst bei absurden Anfragen oder unsinnigen Aufträgen agieren die Bots überfreundlich bis unterwürfig. Weil sie es für wahrscheinlich halten, dass Menschen das eben so machen.

Dabei braucht es das Dauergeschmeichel nicht, um KI zu nutzen und ich kann es ihr eben mit einem kurzen Befehl austreiben: “Hilf mir, ein Problem zu lösen, aber schmiere mir keinen Honig ums Maul!”

“Prüft alles und behaltet das Gute” lautet der berühmte Appell des Paulus in der Bibel, den ich auch im Umgang mit Künstlicher Intelligenz hilfreich finde. Ich brauche KI nicht, um Komplimente und Lob “nachzuspielen”, sondern als Werkzeuge, um bestenfalls eine Aufgabe zu lösen.

Über ein anerkennendes Schulterklopfen oder ein “Gut gemacht!” freue ich mich natürlich trotzdem. Nur halt gern von einem Kollegen oder einer Freundin – Hauptsache, von einem Menschen, der auch meint, was er oder sie da sagt.

Daniel Heinze, katholischer Kirchenredakteur bei Radio PSR

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Foto: Kirchenbezirk Leipzig

Das Böse mit Gutem überwinden?!

Zuspruch und Anspruch

Eine kleine Gruppe steht etwas hilflos bei frostigen Temperaturen an der Friedenssäule auf dem Nikolaikirchhof, in der Hand Plastikbecher mit Teelichtern. Wir formulieren für Social Media Solidaritätsbekundungen für Minneapolis, wo Menschen durch unrechtmäßige staatliche Gewalt schier unglaublichen Repressionen ausgesetzt sind oder gar durch sie ums Leben kamen.

Der Leipziger Kirchenbezirk steht seit Jahrzehnten mit der lutherischen Kirche in Minneapolis in partnerschaftlichen Beziehungen.

Vergangenen Sommer war deren Bischöfin Jen Nagel mit einigen Kolleginnen und Kollegen in Leipzig. Damals fragte ich sie, ob sie Angst vor persönlichen Repressionen durch die Trump-Administration hätten. Im Moment seien sie nicht persönlich betroffen, anders als zum Beispiel Trans-Personen. Aber vielleicht, antworten sie nachdenklich, seien sie es in ein paar Monaten auch. „Es ist die staatliche Willkür, die eine Gesellschaft lähmt. Wenn man Institutionen, die ihre Bürger und Bürgerinnen schützen sollen, nicht mehr vertrauen kann.“ Wie recht sollten sie behalten!

Der Nikolaikirchhof als Ort der Solidarität ist bewusst gewählt. Schon einmal waren es die anfangs hilflosen Kerzen und Gebete, die am Ende mehr Kraft hatten als unrechtmäßige staatliche Gewalt.

Für mich liegt die Kraft damals wie heute im Zu- und Anspruch: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Anna-Maria Busch ist Stadtjugendpfarrerin in Leipzig

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Nikolaikirche Leipzig, Foto: Kirchenbezirk