Kaltes Herz?
Von Anna-Maria Busch
„Na, und!“ „Mir doch egal!“ Zwei banale Sätze, die mich trotz der sommerlichen Temperaturen frösteln lassen.
In der pax Jugendkirche findet eine Lesung und Podiumsdiskussion mit dem Influencer Hannes Kreschel zu seinem Buch „Wutbürger.exe“ statt. Er liest und erzählt von einer Begegnung am Rande einer Demo, bei der zwei Frauen in erschütternd einfältiger Weise den Holocaust leugnen. Auf die Intervention hin, dass da Millionen Menschen ermordet wurden, antworten sie nur mit „Mir doch egal.“
Da hakt der Lehrer auf dem Podium, Jens Jopp, ein und erzählt von einer angeregten Diskussion in einer Klasse zur Ausbeutung von Menschen für die KI durch die Tech-Konzerne. Eine Schülerin sitzt achselzuckend da: „Na, und!“
„Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.“ Das sagte der Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Elie Wiesel. Er war Opfer nicht nur von industrialisierter und verstaatlichter Menschenverachtung. Er war zuerst Opfer der Teilnahmslosigkeit seiner Mitmenschen.
Nie wieder sollten und wollten wir doch als Gesellschaft derart kalten Herzens sein. Doch wann fängt es denn eigentlich bei mir selbst an, dass ich kalten Herzens bin? Beim Gefühl der Überforderung im Angesicht der Nachrichten, so dass ich die Zeitung lieber beiseitelege? Oder dass ich bei Lieblingsschokolade lieber nicht über deren Herkunft nachdenke? Oder mir diesen Sommer das Fliegen in den Urlaub doch gönne? Ist das schon der erneute Anfang?
Anna-Maria Busch ist Stadtjugendpfarrerin in Leipzig
E-Mail an die Autorin schreiben
Foto: Pixabay





