Ab jetzt!

In hohem Bogen schnellt die Maske durch die Luft, quert den hellblauen Frühsommerhimmel, torkelt im Zickzack ins Geäst des Baumes… So war es nicht gedacht, auch wegen der Umwelt… Aber egal: Das befreiende Gefühl brauchte ein Zeichen: Keine Masken mehr! Jedenfalls nicht mehr unbedingt und überall! Wir haben es geschafft, mit Einsicht, Geduld und Rücksicht die Gefahr der Ansteckung zurückzudrängen.

So viel ist sicher: Die Masken wollen wir gern hinter uns lassen. Aber was ist mit dem, das vor uns liegt? Darum ist jetzt Zeit zu fragen: Wollen wir einfach nur so schnell wie möglich in den Zustand vor der Pandemie? Schnell wieder rein in den Rhythmus von Terminen und Pflichten? Alte Gewohnheiten aufnehmen als wäre nichts passiert? Als hätten Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen nichts mit uns gemacht? Als wären Bedrohung der eigenen Unversehrtheit, Krankheit und Sterben um uns nicht geschehen? Als hätten Homeoffice und Homeschooling uns nicht herausgefordert?

Unser Selbstverständnis, die Haltung zu Arbeit, zur Umwelt, zum Miteinander: Wir hatten viel Zeit zum Nachdenken. Die Anfragen an die Art, wie wir leben wollen, an unseren Lebensstil stehen im Raum; die lassen sich nicht so einfach wegschnipsen. Für Änderungen ist Spielraum, das haben uns die letzten Monate gelehrt. Was davon fühlte sich befreiend an, tat uns und unseren Beziehungen gut? Nun ist die Gelegenheit, diese Räume zu nutzen. Ab jetzt!

Jutta Michael, Pfarrerin für Bildungsarbeit auf dem Campus forum thomanum

 

Foto: Lotz