Abgestempelt….

„… der ist gegen das sofortige Abschalten der Kohlekraftwerke, die nimmt das Leid von abgeschobenen Flüchtlingen überhaupt nicht wahr, der kann doch keine Fragen stellen, die der Intension der Querdenker-Szene entsprechen, die will doch sowieso immer nur Recht haben, lässt keine andere Meinung gelten…“

Kommt ihnen das bekannt vor?

Bloß keine Diskussion zulassen. Den Anderen als unmündig hinstellen, politisch abstempeln, sich selbst wichtigen Anfragen zu verweigern. Denn in der Diskussion und dem Hören auf andere Argumente wird es gefährlich. Habe ich doch nicht Recht? Bin nicht ich intolerant, weil ich andere Meinungen abstemple, nicht auf Zwischentöne und wissenschaftliche Argumente höre? Bröckelt dann meine zur Schau getragene Stärke, mit der ich mich auf Kosten Andersdenkender profilieren wollte?

Den Fehler beim Anderen zu sehen, ist leicht. So brauche ich mich nicht mehr mit mir selbst auseinander zu setzen. Das ist schlecht für die Gemeinschaft.

Richten sie ihren Zeige-Finger einmal auf ihr Gegenüber. Fällt ihnen auf: drei Finger zeigen automatisch auf sie zurück.

Auch Jesus kannte das Problem der mangelnden Auseinandersetzung, des Abstempelns, der Intoleranz: Er sagt:

„Was siehst du den Splitter in deines Bruder Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge… Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach sieh zu wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.“

Pfarrerin i.R. Ines Schmidt, Flughafenseelsorgerin Flughafen Leipzig-Halle

 

 

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