#AllefürsKlima!

Nanu? Es ist doch noch gar nicht um 12 Uhr? Warum läuten den die Mittagsglocken? An vielen Orten war es gestern 5 vor 12, als die Glocken zum Gebet mahnten. Ein Beitrag zum globalen Klimastreik und eine Solidarisierung mit der Bewegung Fridays for Future. (kirchen-fuer-klimagerechtigkeit.de)

Der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer ermahnte jüngst die Politik in seiner Dankesrede anlässlich der Preisverleihung des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen. Für eine wirkliche Veränderung reichen Instrumente der Wirtschaft, wie der Emissionshandel nicht aus. Die Politik solle mit ihren Mitteln, also den Instrumenten der Ordnungspolitik handeln. Töpfer zitiert: „Es fehlt uns heute der politische Langmut, Prozesse wirksam in Gang zu setzen, die nur Opfer abverlangen und von denen erst unsere Kinder und Kindeskinder Nutzen haben werden.“ Das solle man sich in Stein meißeln lassen.

Prozesse brauchen langen Mut. Erst recht so tief greifende Transformationsprozesse, wie sie notwendig sind, um dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen. Dazu braucht es nicht weniger als eine veränderte Lebenshaltung. Wir können die Welt nicht länger nur benutzen, weil sie uns zum Leben nützlich ist. Für Christinnen und Christen ist die Erde Gottes Schöpfung. Daran erinnern wir zum Beispiel in den kommenden Wochen mit der Feier des Erntedankfestes in den Kirchgemeinden.

Für den Wandel braucht es die Kraft der ganzen Gesellschaft, jeder Bereich trägt auf seine Art bei. Die Politik nicht mit Instrumenten der Wirtschaft, die Kirche nicht mit der Macht der Politik. Vielleicht sollten wir ein 11. Gebot in Stein meißeln lassen. Etwa das Gebot „Du sollst keine Plastikverpackung kaufen“, das mir meine Tochter entgegenschleudert, wenn ich wieder einmal unachtsam eingekauft habe. Haltungen verändern sich dauerhaft nur durch Einübung und ständige Erinnerung, durch gebetsmühlenartiges Wiederholen:

„Guter Gott, erinnere uns, dass wir die Erde nur von Dir geliehen haben und sie unseren Kindern weitergeben werden, damit auch sie ein Leben in Fülle der Schöpfungsgemeinschaft leben können. Amen.“

Pfarrer Christoph Maier, Ev.-Luth. Bethlehemgemeinde Leipzig

Foto: Okapia