Alte Texte neu übersetzt

Ab Advent wird in den Gottesdiensten in den katholischen Gemeinden einiges anders, sobald aus der Bibel vorgelesen wird, aus der Heiligen Schrift. Denn ab dem ersten Advent werden die Texte der neuen Einheitsübersetzung von 2016/2017 zu hören sein, die ungefähr gleichzeitig mit der Lutherbibel 2017 herausgekommen ist.

Manche mögen denken: Ein paar Änderungen in der Übersetzung. Na, und? So einfach ist es nicht. Für manchen in der Kirchenbank wird das den Abschied von lieb gewordenen Zitaten und Sprüchen und vielleicht sogar Gewissheiten bedeuten. Es geht um Texte, die manchen schon Jahrzehnte begleitet und die ihnen Zuversicht und Hoffnung gegeben haben.

Warum erzähle ich das mitten im Hochsommer?

Der Müßiggang, den viele von uns jetzt wenigstens ein, zwei Wochen lang genießen dürfen, wäre doch eine gute Gelegenheit, es einmal mit diesen alten Texten in neuer Übersetzung zu versuchen.

Die beiden neueren Übersetzungen versuchen auf unterschiedliche Weise, diesen uralten Texten gerecht zu werden. Die Einheitsübersetzung versucht den Spagat, einerseits ein modernes Deutsch zu bringen und gleichzeitig noch etwas dichter am hebräischen oder griechischen Original zu sein.

Es stellt eine gewisse Schwierigkeit dar, sich in die Welt des alten Orients hineinzudenken und zu erahnen, dass es mich auch heute betrifft. Dazu braucht man gelegentlich Kommentare und andere Verstehenshilfen, um den Hintergrund von Geschichten und Argumentationen zu erhellen. Manch andere Passagen sind dann aber wieder verblüffend einfach zu verstehen: zum Beispiel wo es heißt, dass Reichtum dem Gottvertrauen im Weg steht oder wie wir mit Fremden umgehen sollen.

Eigentlich müsste man von den Heiligen Schriften reden. Auch wenn wir es gewöhnt sind, die ganze Schrift zwischen zwei Buchdeckeln kaufen oder als eine App kostenlos herunterladen zu können. „Die Bibel“ ist vom Wort her ein Plural und meint „die Bücher“.

Nicht alles in dieser Bibliothek muss ich verstehen. Nicht alles muss ich sofort mögen. Widerspruch ist möglich, Widersprüche gibt es auch unter den verschiedenen Büchern der Bibel.

Aber vielleicht lässt die ein oder andere Text-Passage erkennen, dass sie dazu taugt, Trost und Hoffnung zu geben.

Stephan Radig, Online-Redakteur St. Benno Verlag

Foto: Tanner Mardis, unsplash.com