Am Ende der Dank

Heute vor 40 Tagen war Weihnachten. Mit Lichterschein und Geschenken, Beisammensein mit den Lieben und gutem Essen wurde gefeiert. Der Anlass zu diesem Fest ist alle Jahre wieder die Geburt des Kindes Jesus von Nazareth. In ihm sehen Christen und Christinnen Gott und zugleich den Menschen.

Die Eltern des Kindes Jesus waren fest verwurzelt in der Tradition ihres Volkes. Dazu gehörte der Glaube an den Gott Israels und die Beachtung der Vorschriften und Rituale, in denen dieser Glaube seinen Ausdruck fand. Deshalb war es für sie selbstverständlich, Gott für ihren erstgeborenen Sohn zu danken. Dazu wurde das Kind üblicherweise in den Tempel gebracht, eine Art „Erstgeborenenweihe“. Als Josef und Maria Jesus zum Tempel brachten, kam es zu einer denkwürdigen Begegnung. Der hochbetagte Simeon erkannte in diesem Kind den Retter, auf den er sein Leben lag gewartet hatte. Er nahm das Kind auf den Arm und sprach ein Dankgebet für dieses Kind. Den Wortlaut dieses Gebets gibt das Evangelium nach Lukas folgendermaßen wieder:

»Herr, jetzt kann dein Diener in Frieden sterben, wie du es versprochen hast. Denn mit eigenen Augen habe ich gesehen: Von dir kommt die Rettung. Alle Völker sollen sie sehen – ein Licht, das für die Heiden leuchtet, und deine Herrlichkeit aufscheinen lässt über deinem Volk Israel.« (Lukas 2, 29 – 32, zitiert nach BasisBibel)

Diese Worte haben Simeon, von dem wir nicht mehr wissen, als in dieser Geschichte erzählt wird, zum Inbegriff eines Menschen werden lassen, der dankbar und zufrieden aus dem irdischen Leben gehen kann. Er hat gesehen, was ihm das Wichtigste war und konnte so in Frieden sterben.

Heute erinnern die christlichen Kirchen in ihren Gottesdiensten und Andachten an Simeon und beenden damit den Weihnachtsfestkreis. Das Licht, von dem Simeon in seinem Dankgebet spricht, begleitet uns weiter durch das Jahr und bescheint liebevoll und gnädig unser Sein – bis wir – so Gott will – wieder Weihnachten feiern.

Pfarrerin Christiane Dohrn, Kirchgemeinde St. Petri

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