Am Morgen sah ich nix.
Von Wolfgang Menz
Am Morgen sah ich nix. Genauer die Reste von nichts. Wo sonst das Fahrrad meines Freundes stand, lag nur noch das aufgebrochene Kettenschloss. Ich musste ihm zum Anfang meines Besuchs vom nächtlichen Diebstahl berichten. Im Wissen, dass seine Familie auf kein Auto ausweichen kann.
Meine Frau und ich besuchten am selben Abend das Kirchenkabarett Klüngelbeutel (übrigens sehr zu empfehlen). Von einer Mitwirkenden erbat ich die Möglichkeit, nach Abschluss zu den Gästen sprechen zu können. Musik. Schlussworte. Ich wurde nach vorne gerufen. Meine Frau gab mir mit auf den Weg ans Pult: „Mach´s kurz“ (Sie kennt mich). Ich hielt mich daran und beließ es bei zwei Sätzen, fragte nur, ob einer der Anwesenden ein Fahrrad abzugeben hätte.
So lernte ich Alex kennen. Ich könne sein Fahrrad für meinen Freund gleich mitnehmen. Er würde sich ein Leihrad für den Heimweg buchen. Warum? Er hätte schon länger überlegt, sich ein neues Rad zu kaufen. Doch wollte er sein bisheriges Fahrrad nicht einfach entsorgen.
Warum erzähle ich Ihnen davon? Weil das Erlebnis helle Freude ausgelöst hat. Und weil es illustriert, warum Jesus behaupten konnte, dass wir Licht wären. Nicht als Apell, vielmehr als Zusage. Es wäre – meinte ER – doch widersinnig, solche Chancen zu unterdrücken.
Wolfgang Menz ist Sozialpädagoge
Foto: Pixabay




