Anfang und Ende des Lebens gleichen sich oftmals

Meine demente Großmutter hatte einen Herzinfarkt. Meine Tante, die sich seit Jahren um sie kümmert, hat dafür gesorgt, dass sie nach dem Krankenhaus gar nicht mehr nach Hause kommt, sondern gleich in ein Pflegeheim. Sie konnte sich zwar nach dem Tod meines Großvaters immer noch gut um sich kümmern, doch mit der Zeit nahm die Demenz zu. Nun ist sie seit einiger Zeit im Heim und das Eingewöhnen fiel ihr schwer. Sie gehört zu den Demenzpatienten, die weglaufen.

Meine beste Freundin hat im letzten Jahr Zwillinge bekommen. Die beiden haben ihren Kindergartenplatz sicher und stecken mitten in der Eingewöhnung. Das gefällt den Zwillingen weniger und es passiert immer mal, dass meine Freundin verheult aus dem Kindergarten kommt, weil der Abschied so schwer war.

Eine dieser Geschichten erzählt vom Lebensabend, die andere vom Anfang. Und doch sind sie einander ähnlich. Beide Parteien sehnen sich nach der gewohnten Umgebung, nach Personen, die sie gut kennen und nach Sicherheit.

Letztens rief mich meine Freundin an und erzählte, dass die Kinder zwei Stunden allein in der Kita waren. Der Abschied verlief easy und fast ohne Tränen. Meine Großmutter konnte ich mittlerweile in ihrem neuen Zuhause besuchen. Zum Abschied hat sie mich zur Tür gebracht und blieb dann wie selbstverständlich dort. Verschiedene Umstände zu akzeptieren fällt uns leichter, wenn wir vertrauen können. Sei es darauf, dass Bezugspersonen nach wie vor für uns da sind. Oder dass es jemanden gibt, der immer über uns wacht.

Maxi Konang, evangelische Kirchenredakteurin bei HITRADIO RTL / Radio Leipzig

 

Foto: Lehmann