Angst überwinden – Brücken bauen

Wussten Sie, dass es das deutsche Wort „Angst“ im Englischen als Fremdwort gibt? The so called German Angst. Angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen und Wahlergebnisse, kann man vielleicht sogar von einer europäischen Angst sprechen. Angst vor Überfremdung, vor Statusverlust, vor Terroranschlägen. Mit Angstmache gewinnt man Wahlen, aber die entsprechenden politischen Gruppierungen haben nur Konzepte der Abgrenzung als Lösung parat.

Da ist es wohltuend, wenn sich Menschen für die Überwindung von Angst auf ganz anderen Wegen einsetzen. An diesem Wochenende beginnt die Woche der Brüderlichkeit, die 2018 das Thema „Angst überwinden – Brücken bauen“ hat. Seit 1952 veranstalten die Gesellschaften für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit im März eines jeden Jahres eine solche Woche und geben sich ein Jahresthema.

Von dem chassidischen Rabbi Nachman aus Brazlaw stammt der Satz: „Die ganze Welt ist ein sehr schmale Brücke und die Hauptsache ist, sich überhaupt nicht zu fürchten.“ Je unsicherer die Zeiten, je schmaler der Grat, umso wichtiger ist es, aufeinander zuzugehen, Brücken zu bauen, im Fremden die Schwester und den Bruder kennenzulernen. Was ich nicht kenne, kann mir Angst machen. Aber wenn ich mich auf andere Menschen einlasse, auf ihre Geschichte, ihre Kultur, ihre Lebensweise und Religion, desto eher kann ich verstehen. Das Fremde wird dann weniger fremd sein und aus Fremden können Freunde, ja Geschwister werden.

Auf der zentralen Eröffnungsveranstaltung in Recklinghausen wird der Sänger Peter Maffay für seinen Einsatz für Versöhnung und Toleranz und gegen Rassismus und Antisemitismus mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt. Mit einer Sondersendung wird darüber wechselnd in ZDF und ARD berichtet. Sie können aber auch in Leipzig an Veranstaltungen zur Woche der Brüderlichkeit teilnehmen. Die Jüdisch-Christliche Arbeitsgemeinschaft Leipzig lädt ein: am Montag, den 12.3., um 17 Uhr zum Friedensgebet in die Nikolaikirche und anschließend 18 Uhr in die Alte Nikolaischule zu einem Konzert „Klezmer & mehr“ mit dem Künstler Alex Jacobowitz, oder am Donnerstag, den 15.3., im Rahmen der Buchmesse zu einem Vortrag mit Gespräch in der Evangelischen Studierendengemeinde mit Doru Constantin Doroftei aus Hamburg zum Thema „Juden in Rumänien – europäische Kontexte“ (Beginn 19 Uhr, Alfred-Kästner-Str. 11).

Uta Gerhardt, Schulpfarrerin im Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig

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