Ansteckend!

Manche staunen über die schöne Schöpfung. Man freut sich über einen genialen Designer, der alles so wunderbar gemacht hat. Dennoch weltweit so viel Schauriges. Wieder kommt es darauf an, worauf ich mich konzentriere. Lasse ich mich versteinern? Sehe ich auch Hilfsbereitschaft und Herzensgüte?
Menschen haben viel Gutes in sich. Manche wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Andere haben Mut. Sie leben das Gute aus. So ein Mensch war Dr. Ruth Pfau (1929-2017) aus Leipzig-Marienbrunn. Aufgewachsen an der Märchenwiese begriff sie schnell, dass das Leben nicht nur märchenhaft war. In Mainz und Marburg studierte sie Medizin und widmete ihre Kraft dem Leben. 1951 ließ sie sich taufen und gehörte zur römisch-katholischen Kirche. Sie ärgerte sich über ihre Zeitgenossen, bei denen es um Autos, Essen und Sauerkraut mit Würstchen ging. Sie trat der Gesellschaft der Töchter vom Herzen Mariä ein und wurde von ihrem Orden nach Indien geschickt. Letztlich blieb sie in Pakistan. Sie lebte das Gute. Sie nannte es Liebe. Sie half in besonderer Weise Leprakranken. Aus ihrer Arbeit und ihrem Engagement entstand das dortige nationale Lepraprogramm. Dadurch konnte sie ihre Herzensgüte in entlegene Gebiete des Landes tragen. Das Gute, das sie hat wachsen lassen, wurde durch Preise geehrt.
In Marienbrunn soll – am Ort, wo sie geboren wurde – Mitte Mai ein Bäumchen gepflanzt werden, um sichtbar an sie zu erinnern. In den Blättern dann ein ansteckendes Rascheln: „Hab auch du Mut, das Gute zu leben.“

Pfarrer Jörg Sirrenberg
Ev.-Luth. Kirchgemeinde im Leipziger Süden, Ortsausschuss Gemeinde Marienbrunn

Foto: unsplash