Armut – sowas von UNVERSCHÄMT!

Darf man in einem wohlhabenden Land wie dem unseren davon sprechen, dass Menschen in Armut leben? Oder ist das unverschämt im Angesicht des Elends, dass es in anderen Ländern gibt? In Deutschland muss niemand verhungern, während in den ärmsten Ländern der Welt Hungersnöte zu Krankheit und Tod führen. Wie ist es bei uns: Gibt es eine wirkliche Not oder ein tatsächliches Elend?

Uns geht es gut! Ja, und trotzdem leben Menschen in unserer Gesellschaft am Existenzminimum. Aus verschiedenen Gründen abgerutscht in ein Hilfesystem, das die schlimmste Not lindern soll. Aber was bedeutet es, wenn ich nicht nur ein paar Monate, sondern jahrelang von Hartz IV leben muss? Wir treffen in unserer Beratungsstelle täglich auf Menschen, die verzweifelt sind, weil Ihnen (nicht nur) die finanzielle Not zu schaffen macht. Ihr Leben ist geprägt vom dauerhaften Mangel an unentbehrlichen Gütern, die zu einem halbwegs „normalen“ Leben dazugehören. Sie spüren am eigenen Leib Benachteiligung in unterschiedlichen Lebensbereichen wie Arbeit, Wohnen, Freizeit und Sport. Und sie sind ausgeschlossen von sozialer Teilhabe und (guter) Bildung. Langfristige Armut kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und auch zur Verkürzung der Lebenserwartung führen. Und letztlich bedeutet ein Leben in Armut der Verlust an gesellschaftlicher Wertschätzung und damit einhergehend oftmals auch der Verlust des eigenen Selbstwertgefühls.

Die Menschen, die bei uns Hilfe suchen, haben sich nicht für dieses Leben entschieden. Viele von ihnen gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Sie verdienen aber nicht genug, um ihren Lebensunterhalt oder den der Familie bestreiten zu können. Es zeigt sich, dass Armut in erster Linie kein selbstverschuldetes Schicksal ist, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. In unseren Beratungen können wir gemeinsam an den individuellen Lebenslagen arbeiten und nach Wegen aus der Betroffenheit suchen. Die gesellschaftliche Aufgabe geht darüber hinaus: Wir müssen Bedingungen schaffen, in denen z.B. Arbeit ausreichend entlohnt wird und in denen Kinder kein Armutsrisiko mehr darstellen. In diesem Sinne: Bleiben wir UNVERSCHÄMT!

Herzliche Einladung zum Friedensgebet der KEL am Montag, den 06. Mai 2019, 17 Uhr, in der Nikolaikirche.

Marco Ringseis, Geschäftsführer der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative Leipzig

Foto: Kirchliche Erwerbsloseninitiative Leipzig