Auf der Suche bleiben

Egal welcher Hautfarbe, Herkunft, Sprache – weltweit verbindet uns ein Thema: die Corona-Pandemie. Nur – es trifft Menschen verschieden. Bei den einen gibt es kaum Symptome, andere müssen um ihr Leben ringen. Und leider ist es für den Ausgang auch nicht egal, in welchem Land die Menschen mit dem Virus ringen. Im GAW haben wir in den letzten Wochen aus den unterschiedlichen Regionen der Welt berichtet, wie unsere Partnerkirchen mit der Pandemie umgehen. Und es stellt sich überall die Frage, welche Relevanz Kirche in der Pandemie hat. Wozu braucht es sie? Ob Kirche Schaden genommen hat, weil Karfreitag, Ostern und Konfirmationen nicht gefeiert werden konnten? Finanziell sicher. Es fehlen weltweit die Kollekten im sonntäglichen Gottesdienst, die für kirchliche Projekte, Diakonie, Miete oder Gehälter wichtig sind. Hat die Kirche aber auch an Bedeutung verloren, weil doch die Wissenschaft uns alle Antworten gibt? Aber sind es wirklich alle? Die Pandemie hat uns weltweit eine existenzielle Erkenntnis neu vor Augen geführt: Ein glatt laufendes, perfektes Leben ohne Gefährdungen, Risse und Brüche gibt es nicht. Mit einer erschreckenden Klarheit erlebten wir: Wir haben unser Leben nicht in der Hand. Deshalb tut es not, suchend zu bleiben. Nur so wachsen uns die Quellen zu, aus denen wir leben dürfen: Gottes Gnade und sein Trost. Das ist nicht system-, aber lebensrelevant. Suchen wir nach diesem gnädigen Gott und lassen unseren Blick dabei zu all den verwundeten Herzen heutzutage lenken. Denn: „Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig!“ (4. Mose 6,25)

Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werkes

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