Aufstand

Mein Vater hat mir davon erzählt. Ich hab’ es in Geschichtsbüchern gelesen. Aufstand 17. Juni 1953. Menschenmassen auf der Straße in Ostdeutschland zeigen friedlich ihren Unmut. Die sowjetische Besatzung schlägt den Aufstand nieder.

Meine Tochter hat mir davon erzählt. Ich hab’ mich in den sozialen Medien informiert. Juni 1969, Stonewall. Mehrere Transfrauen of Colour widersetzen sich der Polizeigewalt und leiten damit eine Wende in dem Kampf um ihre Anerkennung ein. Das ist der Ursprung des Pride Month. Regenbögen sehen wir aktuell überall als Zeichen dafür.

Mein Konfirmand hat mir davon erzählt. Ich schreibe es auf. Wir hatten in der Bibel die Geschichte vom barmherzigen Samariter gelesen. Der, der als Einziger hilft, als Einer am Boden liegt. Frühjahr 2022, mehrere junge Leute stehen am Brühl und bedrängen ihn, den Jugendlichen. Wollen ihm den Rucksack runterreißen. Niemand hilft. Plötzlich steht der dort sitzende Obdachlose auf und schmeißt sich einfach auf die Angreifenden. Verwirrungsmoment. Der Jugendliche kann wegrennen.

Aufstand für die Demokratie, für die Würde von Menschen, für den Menschen, der es gerade braucht. Mein Vater, meine Tochter und mein Konfirmand haben mir davon erzählt und ich frage mich: Was habe ich zu erzählen?

 

Foto: Lehmann (gemeindebrief.evangelisch.de)