Barmherzigkeit ist nichts für Weicheier!

Das hat ein reformierter Kollege aus Polen erlebt. Er versuchte, Lebensmittel und Decken für die im Niemandsland zu Belarus ausharrenden Flüchtlinge zu bringen. Er durfte es nicht. Polen riegelt seine Grenze ab. Es soll verhindern, dass immer mehr Menschen durch das Schleusergeschäft des belarussischen Diktators nach Europa kommen. Der Diktator setzt die Flüchtlinge als politische Waffe gegen Europa ein.

Nur – es sind Menschen, mit denen Politik gemacht wird. Das Elend an der Grenze ist zum Erbarmen. Und erbarmungslos ist es, dass man nicht helfen kann. Das erlebte der Pfarrer. Ja – Barmherzigkeit ist nichts für Weicheier! Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck sagte einmal: „Unser Herz ist weit, aber unsere Mittel sind begrenzt.“ Es können nicht alle Menschen, die wollen, kommen. Und gleichzeitig ist es zu verstehen, dass so viele Menschen weltweit nach einem menschenwürdigen Leben suchen.

Wie können wir uns ein weites Herz bewahren und barmherzig bleiben in einer unbarmherzigen Welt? Sie hört doch an Grenzen nicht auf! Der Glaube will Mut zur Barmherzigkeit machen, Menschen ohne Ansehen zu lieben und ihnen zu helfen. Barmherzig ist es auch, die eigenen Grenzen der Barmherzigkeit auszuloten und das auszuhalten und zu rufen: HERR – erbarme du dich! Bei Jakobus 2 heißt es mahnend: „Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht!“

von Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werkes Leipzig

 

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