Berge aus Plaste
Michael Brugger über Natur und Kultur
So oft es geht, bin ich draußen in der Natur. Ich mag Bewegung an der frischen Luft und als gebürtiger Schwabe klettere ich gern auf hohe Berge. Seit ich in der Leipziger Tieflandbucht wohne, muss ich auf der Suche nach Höhenmetern kreativ werden. Schließlich will ich alpinistisch nicht aus der Übung kommen! Für Bergläufe habe ich den Nahleberg entdeckt. Zum Klettern warten Porphyrfelsen in der Umgebung. Und nach einer anstrengenden Radtour im Sommer springe ich zur Abkühlung gern in einen der großen Seen.
Wie ich meine Tiefland-Lieblingsnatur so durchgehe, fällt mir auf, dass das alles gar keine Natur ist. Unter der Grasnarbe des Nahlebergs blitzen Plastiktüten und Gummistiefel hervor, die Felswände in der Umgebung waren einmal Steinbruch und das kühle Nass habe ich dem Kohlebergbau zu verdanken. Das ist alles menschengemacht.
Mir macht diese Erkenntnis Mut: Wir können unsere Umwelt menschenfreundlich gestalten, es liegt in unserer Hand. Aus Staub kann Grün werden. Was wir jetzt ganz selbstverständlich als Natur betrachten, ist das Ergebnis unserer Entscheidungen, Mühen und Kreativität. Kultur nenne ich das. Und ich habe Hoffnung: Veränderung ist möglich. Lebenswert geht es auch ohne große Löcher und Berge aus Plaste – wenn wir das nur wollen.
Michael Brugger ist Krankenhausseelsorger im Klinikum Sankt Georg Leipzig
Nahleberg, Foto: Kirchenbezirk Leipzig




